Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Die Liebeserklärung einer Schriftstellerin an eine Dorfgemeinschaft

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

In einem kleinen, überschaubaren Dorf in dieser Region lässt die Autorin Mariana Leky in ihrem neuesten Buch einen dörflichen Kosmos entstehen, der fast schon ein wenig an die Kinderserien von Bullerbü erinnert. Mit dem Unterschied, dass im westerwaldschen Dorf Erwachsene die Hauptakteure sind.

Das einfache Leben

Schon der Titel «Was man von hier aus sehen kann» lässt erahnen, dass es hier nicht darum geht – wie in zahlreichen Filmen und Büchern üblich –, sich über engstirnige, verklemmte Dorfbewohner und Landeier lustig zu machen und ihnen mangelnde Weltoffenheit vorzuwerfen. Nein, ganz im Gegenteil, das vorliegende Buch ist schon eher eine Liebeserklärung an ein Leben im Dorf, das in diesem Fall geprägt ist von Zusammenhalt, Hilfsbereitschaft, Respekt und überschaubaren Strukturen. Das einfache Leben als eine Art Gegenwelt zur überkandi­del­ten Konsum- und Eventgesellschaft in den urbanen Zentren. Selbstverständlich ist auch im Westerwald-Dorf nicht alles gut, und es herrschen bisweilen Missgunst und Eifersucht. An gewissen Romanstellen kommt das durchaus zur Sprache.

Die Autorin verzichtet jedoch auf jegliche Belehrung und beschreibt die Charaktere auf meisterhafte Weise und in einem lakonischen Schreibstil, der den nötigen Abstand zur idyllischen Situation bewahrt.

Der eigentliche rote Faden, der sich durch den Roman zieht, ist die Frage, was es für die Identität einer Person bedeutet, wenn sie, wie die meisten Bewohner des hier geschilderten Dorfes, hauptsächlich von einem Ort geprägt sind. Finden Menschen, welche die Welt bereisen, leichter Zufriedenheit, Glück und Erfüllung ihrer Träume?

Kurz zur Geschichte: Selma, eine alte Westerwälderin, kann den Tod voraussehen. Immer, wenn ihr im Traum ein Okapi erscheint, stirbt am nächsten Tag jemand im Dorf. Unklar ist allerdings, wen es treffen wird. Davon, was die Bewohner in den folgenden Stunden fürchten, was sie blindlings wagen, gestehen oder verschwinden lassen, erzählt Mariana Leky.

Der Roman spielt in den frühen 1980er-Jahren.

Es lohnt sich nun aber, etwas näher auf einige Figuren einzugehen. Die Ich-Erzählerin Luise lässt uns ihre Kindheit, Jugend und frühes Erwachsensein miterleben. Ihre Eltern, die sich um ihre Tochter kümmern möchten, haben aber keine Zeit für sie, da sie zu sehr mit sich selbst beschäftigt sind. Selbstverwirklichung im Beruf und andere Egotrips haben Vorrang.

Als Landarzt ist Peter tätig; er leidet darunter, dass sich seine Beziehung in einem jämmerlichen Zustand befindet. Trost sucht er beim Psychoanalytiker Dr. Maschke.

Luises bester Freund ist der etwas hagere Martin, er will seine Jugendfreundin Luise später heiraten. Beruflich kennt er nur ein Ziel: Gewichtheber. Er nutzt jede sich ihm bietende Gelegenheit zum Training.

Da die Eltern meist durch Abwesenheit glänzen, ist Grossmutter Selma Luises wichtigste Bezugsperson. Eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt auch die kleine dicke Elsbeth: Ihre Hausmittelchen gegen Gicht, Liebeskummer und dergleichen mehr sind heiss begehrt.

Ein gepflegter und bildhafter Sprachstil macht dieses mit viel Herz geschriebene Buch zum wahren Lesevergnügen. Mariana Leky ist 1973 in Köln geboren, studierte nach einer Buchhändlerlehre Kulturjournalismus an der Universität Hildesheim. Noch während des Studiums gewann sie mit Kurzgeschichten mehrere Preise. Sie lebt heute in Berlin und Köln.

Mariana Leky: «Was man von hier aus sehen kann», Roman, Köln: Dumont, 2017, 315 S.

Aldo Fasel ist Leiter der Volksbibliothek Plaffeien-Oberschrot-Zumholz.

Mehr zum Thema