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«Die Medizin ist ausschlaggebend»

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Ein Regionalspital ohne Operationssäle – das können sich viele Senslerinnen und Sensler nicht vorstellen. Sie ärgern sich über die Manager, die aus ihrer Sicht nur auf die Kosten schauen und darum im Spital Tafers das Angebot abbauen. Denn Anfang Juli haben die Verantwortlichen des Freiburger Spitals HFR mitgeteilt, dass die Operationssäle in Tafers geschlossen bleiben (siehe Kasten).

Der medizinische Direktor des HFR, Ronald Vonlanthen, hat eine ganz andere Sicht auf die Entscheide. «Für den Umbau der Spital-Standorte sind medizinische Fragen ausschlaggebend, nicht die Kosten», sagt er den FN. «Das kann dann vielleicht zu Einsparungen führen, muss aber nicht.»

Warum nicht mehr operieren?

Vonlanthen betont, dass sich die Medizin in den letzten Jahrzehnten stark verändert hat. Die Infrastruktur sei aber immer noch die gleiche wie damals. Als Beispiel nennt er den Herzinfarkt. «Als ich Medizin studierte, brachten wir den Patienten in das nächste Spital, gaben ihm Aspirin und verordneten ihm eine Woche Bettruhe», sagt der 49-Jährige. Das sei überall möglich gewesen. «So hatten auch die Notfallstationen in den kleinen Spitälern ihre Berechtigung.»

Heute aber rückt bei einem Herzinfarkt ein hoch qualifiziertes Team mit der Ambulanz aus und beginnt bereits vor Ort mit der Behandlung. Es erstellt ein Elektrokardiogramm (EKG) und schickt dieses direkt ins Spital. Dort warten im Koro-Labor – «das einige Millionen Franken kostet», so Vonlanthen – ein invasiv tätiger Kardiologe auf den Patienten und setzt Herzkatheter und Stents. Der Patient geht nach ein bis zwei Tagen wieder nach Hause.

Die Infrastruktur, um Herzinfarkte so zu behandeln, gibt es in kleinen Spitälern nicht – weil dies schlicht zu teuer wäre. Unter anderem auch, weil die Anforderungen für die Zertifizierungen immer komplexer werden und vermehrt von den Fallzahlen abhängig sind. Oder anders gesagt: «Wir können seit Jahren in Tafers und Riaz keinen Herzinfarkt mehr behandeln.» Die Ambulanz bringe die Patientinnen und Patienten darum direkt ins richtig ausgerüstete Spital – sei dies nun das Kantonsspital in Villars-sur-Glâne oder auf Wunsch ins Berner Inselspital.

«Behalten wir trotz der medizinischen Entwicklungen die gleiche Infrastruktur mit Notfallabteilungen und Operationssälen in kleinen Spitälern, ist dies, als ob ein Bauer Pferde vor den Mähdrescher spannen würde», so Vonlanthen.

Warum bleibt der Notfall?

Die Operationssäle in Tafers öffnen nicht mehr – doch der Notfall wird spätestens Anfang 2021 wieder rund um die Uhr geöffnet sein. Wieso wird diese Infrastruktur aufrechterhalten? Ronald Vonlanthen verweist auf die Antwort von Verwaltungsratspräsidentin Annamaria Müller Anfang ­Juli vor den Medien: Der Notfall in Tafers sei eine Eingangspforte für die deutschsprachigen Patientinnen und Patienten. Also ein politischer Entscheid, kein medizinischer oder wirtschaftlicher? Der medizinische Direktor lässt die Antwort offen.

Was kann der Notfall?

Doch wer soll noch auf die Notfallstation in Tafers gehen, wenn dort ja doch nicht alles behandelt werden kann – wie eben der Herzinfarkt? Vonlan­then meint: «Wer keinen Herzinfarkt oder Schlaganfall oder sonst eine schwere Krankheit hat, ist auf dem Notfall in Tafers an der richtigen Adresse.»

Letztes Jahr besuchten 8900 Patientinnen und Patienten den Notfall in Tafers. Ein Viertel von ihnen kam danach in Spitalpflege, die anderen benötigten nur eine ambulante Behandlung und konnten wieder nach Hause zurückkehren. Diese Zahlen belegten: «Wir leisten auf dem Notfall viel Hausarztmedizin», so Vonlanthen. Diese Tendenz zeige sich schweizweit, da die Leute immer seltener einen Hausarzt hätten.

Tagsüber mache dies auch Sinn. «Nachts weniger, zwischen Mitternacht und 7 Uhr kommen beispielsweise in Tafers im Schnitt drei bis vier Patienten auf den Notfall – die wenigsten müssen hospitalisiert werden.» Wirtschaftlich gesehen rentiere der Notfall in der Nacht daher nicht, und er bringe der Bevölkerung auch keinen Mehrwert. Gleichzeitig koste der Notfall deutlich weniger als der Betrieb der Operationssäle. Denn die Notfall-Ärzte versorgten nachts auch die bereits hospitalisierten Patientinnen und Patienten. Daher bestehe kein grosser wirtschaftlicher Druck, den Notfall in dieser Zeit zu schliessen.

Was ist eine Permanence?

In Riaz wird der Notfall zu einer Permanence, wie sie das Freiburger Spital bereits in Meyriez-Murten betreibt. Die Permanence des HFR Meyriez-Murten betreut Patienten von Montag bis Freitag, 8 bis 20  Uhr, am Wochenende und an Feiertagen von 9 bis 19 Uhr. «Eine Permanence ist ein Notfalldienst mit anderen Öffnungszeiten», sagt Vonlanthen. Die Leistungen einer Permanence seien die genau gleichen wie die eines Notfalldiensts.

Was ist mit den Wartelisten?

Allen Erklärungen zum Trotz: Viele Leute fragen sich, warum die Operationssäle in Tafers geschlossen werden, wenn sie wochenlang warten müssen, bis sie einen Operationstermin erhalten. Gäbe es nicht doch genug zu tun für die operierenden Ärztinnen und Ärzte von Tafers? Vonlanthen verneint: «Wartelisten gibt es, wenn ein bestimmter Chirurg gefragt ist und alle von ihm operiert werden wollen.» Drei Viertel aller geplanten Operationen, die sich während des Lockdown angestaut hatten, seien unterdessen abgebaut. Zudem wäre es derzeit gar nicht möglich, die Operationssäle in Tafers zu öffnen: «Wir haben seit April auf den Aussenstationen viele Kranke.» Daher fehle schlicht das Personal für Operationen an den Standorten ausserhalb Freiburgs.

Längerfristig sei es aber auch deshalb nicht möglich, die Operationen in Tafers und Riaz weiterzuführen, weil es schwierig sei, Ärzte zu finden: «Diese Standorte sind nicht attraktiv.» Es gebe schlicht zu wenige und zu wenig wichtige Operationen. «Die Konzentration der Kräfte im Kantonsspital macht deshalb Sinn.» Damit würden die Arbeitsplätze attraktiver. «Es ist einfacher, zweisprachige Mitarbeitende zu finden, wenn man einen lebhaften Operationssaal bieten kann.»

Was bleibt in Tafers?

Vonlanthen betont aber, dass trotz geschlossener Operationssäle das Angebot in Tafers unter dem Strich ausgebaut werde: «Wir wollen der Bevölkerung das bieten, was sie wirklich in ihrer Nähe braucht.» So werde derzeit abgeklärt, ob die Innere Medizin nach Tafers ziehe. «Damit bringen wir neue Leistungen in die Region.»

 

 

 Während des Lockdown schloss das Freiburger Spital HFR die Operationssäle sowie die Notfälle in Tafers und Riaz, um die Kräfte zu bündeln. Am 8. Juli dann gab das Freiburger Spital HFR bekannt, dass die Operationssäle in Tafers geschlossen beiben: Die Operationstätigkeit wird in Freiburg und Riaz konzentriert. Das heisst, dass in Riaz weiterhin ambulante Operationen durchgeführt werden. Der Verwaltungsrat entschied sich für Riaz, weil dort die Operationstätigkeit im letzten Jahr fast doppelt so hoch war wie in Tafers, weil dort mehr Personalressourcen zur Verfügung stehen und das Einzugsgebiet grösser ist.

Sobald im Rahmen der Strategie 2030 die Infrastruktur für ein kantonales Operationszentrum beim Standort in Villars-sur-Glâne besteht, werden dann alle Operationen nur noch dort durchgeführt. Mit bisher drei OP-Standorten schreibt das HFR allein für die Chirurgie und Orthopädie jährlich einen Verlust von 9 Millionen Franken. Die Verluste pro Fall sind in Tafers und Riaz rund doppelt so hoch wie in Freiburg.

Erhalten bleibt in Tafers die Endoskopie mit Magen- und Darmspiegelungen. Diese Behandlungen erreichten knapp die Hälfte der Anzahl Operationen. Sie wurden in Operationssälen durchgeführt, obwohl es dazu diese Infrastruktur gar nicht braucht. Sprechstunden für Chirurgie und Orthopädie finden weiter in Tafers statt.

Die Operationssäle in Tafers werden geschlossen, dafür bleibt die Notfallstation rund um die Uhr bestehen. Der Notfall in Riaz hingegen wird in eine Permanence mit beschränkten Öffnungszeiten von 7 bis 22 Uhr umgewandelt. Dabei spielte die Sprache eine Rolle, sagte Annamaria Müller Anfang Juli vor den Medien: «Wir haben uns für Tafers entschieden, weil es eine deutschsprachige Eintrittspforte für das HFR braucht.» Dies, obwohl die Notaufnahmen in ­Riaz mit acht und in Tafers mit vier Patienten pro Nacht wenig aufgesucht werden.

Nun sollen die Operationen in Riaz und der 24-Stunden-Notfalldienst in Tafers so bald wie möglich den Betrieb wieder aufnehmen, spätestens aber Anfang 2021. Die Permanence in Riaz soll im September in Betrieb sein.

njb

Notfall in Tafers, Operationssäle in Riaz

Während des Lockdown schloss das Freiburger Spital HFR die Operationssäle sowie die 24-Stunden-Notfalldienste in Tafers und Riaz, um die Kräfte zu bündeln. Am 8. Juli dann gaben die Verantwortlichen bekannt, dass die Operationssäle in Tafers geschlossen bleiben: Die Operationstätigkeit wird in Freiburg und Riaz konzentriert. In Riaz werden also weiterhin ambulante Operationen durchgeführt. Der Verwaltungsrat entschied sich für Riaz, weil dort die Operationstätigkeit im letzten Jahr fast doppelt so hoch war wie in Tafers, weil dort mehr Personalressourcen zur Verfügung stehen und weil das Einzugsgebiet grösser ist.

Sobald im Rahmen der Strategie 2030 die Infrastruktur für ein kantonales Operationszen­trum beim Kantonsspital besteht, werden alle Operationen nur noch dort durchgeführt.

Mit bisher drei OP-Standorten schreibt das HFR allein für die Chirurgie und Orthopädie jährlich einen Verlust von 14 Millionen Franken. Die Verluste pro Fall sind in Tafers und Riaz rund doppelt so hoch wie in Freiburg.

Magen- und Darmspiegelungen

Erhalten bleibt in Tafers die Endoskopie mit Magen- und Darmspiegelungen. Diese Behandlungen erreichten knapp die Hälfte der Anzahl Operationen. Sie wurden in Operationssälen durchgeführt, obwohl es dazu diese Infrastruktur gar nicht braucht. Sprechstunden für Chirurgie und Orthopädie finden weiterhin in Tafers statt.

Die Operationssäle in Tafers werden geschlossen, dafür bleibt die Notfallstation rund um die Uhr bestehen. Der Notfall in Riaz hingegen wird in eine Permanence mit beschränkten Öffnungszeiten von 7  bis 22 Uhr umgewandelt. Beim Entscheid für den Notfall in Tafers spielte die Sprache eine Rolle, wie Verwaltungsratspräsidentin Annamaria Müller Anfang Juli vor den Medien sagte: «Wir haben uns für Tafers entschieden, weil es eine deutschsprachige Eintrittspforte für das HFR braucht.» Dies, obwohl die Notaufnahmen in ­Riaz mit acht und in Tafers mit vier Patienten pro Nacht wenig aufgesucht werden.

Nun sollen die Operationen in Riaz und der 24-Stunden-Notfalldienst in Tafers so bald wie möglich den Betrieb wieder aufnehmen, spätestens aber Anfang 2021. Bis dahin ist der Notfall in Tafers von 8 bis 22  Uhr geöffnet.

njb

 

 

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