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Die Pläne für die Zukunft des Spitalnetzes stossen im Grossen Rat auf heftige Kritik

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Autor: Fahrettin Calislar

Der Grosse Rat forderte die Kantonsregierung mit 92 Stimmen gegen eine auf, innerhalb von etwa neun Monaten einen umfassenden Bericht über die Zukunftspläne des Spitals auszuarbeiten. Vor allem die Vertreter der von den Sparmassnahmen beim Freiburger Spitalnetz betroffenen Regionen erhielten die Möglichkeit zur «Chropfleerete». Sie liessen kein gutes Haar an den Vorschlägen der Verantwortlichen. Weder an der Anfang Mai angekündigten Konzentration der Akutpflege an einem Standort, noch an den letzte Woche bekannt gegebenen kurzfristigen Massnahmen wie dem Operationsstopp zu Randzeiten in Tafers (Kasten).

Die Gelegenheit zur grundsätzlichen Schelte gab eine Motion aus den Reihen der CVP, welche die Kommunikationspolitik der Spitalführung und von Staatsrätin Anne-Claude Demierre kritisierte. Jean-Pierre Siggen forderte als einer der Motionäre eine engere Zusammenarbeit zwischen Regierung und Verwaltungsrat, um die Krise zu meistern. Die Bevölkerung habe das Recht, über die Pläne Bescheid zu wissen. Bis der Bericht erscheine, dürften keine Entscheidungen gefällt werden.

Wehrhaftes Deutschfreiburg

Besonders vehement hatten sich zuvor die Deutschfreiburger Grossräte gewehrt. Für Ursula Krattinger (SP, Düdingen) sind die Massnahmen wie auch ihre Kommunikation unannehmbar. Es drohe die schleichende Schliessung des Spitals Tafers: «Wenn schon alles klar ist, wieso eine Studie?» Deutschfreiburger Patienten und Mitarbeiter würden kaum freiwillig nach Freiburg gehen. Denn: «Ich kann es nicht mehr hören, dass das Kantonsspital zweisprachig ist, das trifft in der Realität einfach nicht zu.» Auch für Markus Zosso (SVP, Schmitten) ist die Sprachenfrage ein entscheidender Faktor. Die Zentralisierung würde den Regionen nur schaden.

Für ihn sind die Schuldigen klar: «Falsche Strategien und Missmanagement lähmen die Entwicklung.» Ruedi Vonlanthen (FDP, Giffers) war in Rage: Ein inkompetenter und führungsschwacher Verwaltungsrat habe das Spitalnetz heruntergewirtschaftet. Er rief in den Saal: «Eher gründen wir einen eigenen Kanton Deutschfreiburg SensSee mit dem Hauptort Murten, als dass Sie unser Spital schliessen.» Er erntete einige «Bravos» dafür. Emanuel Waeber (SVP, Heitenried) sprach von einer «Tragödie mit einem klaren Ende: Riaz und Tafers wird es nicht mehr lange geben.» Die Diskussion sei aber noch nicht zu Ende.

Auch die Vertreter des Südens warnten. Pierre Mauron (SP, Riaz) zeigte sich im Namen der Bevölkerung kampfbereit. Dennoch müsse man einen kühlen Kopf bewahren: «Es ist einfacher, ein Spital zu schliessen als eines zu eröffnen.» Chantal Pythoud (SP, Bulle) mahnte, dass viele Patienten in ausserkantonale Spitäler gehen würden.

Keine Angst um Stellen

Auf die Kritik reagierte die Gesundheitsdirektorin gelassen. «Wir haben noch keinen Antrag auf Schliessung des Standortes Châtel-St-Denis erhalten», sagte Demierre, allerdings treffen sich die Verantwortlichen dazu noch. Es sei keine einzige Entlassung vorgesehen: «Bangen Sie nicht um Ihre Stellen!» Sie betonte, dass man nicht überlege, Tafers zu schliessen, sondern es in eine Rehaklinik umzubauen.

Die Planung laufe schon seit drei Jahren, so Demierre. Das Ziel bleibe, qualitativ hochstehende Dienstleistungen anzubieten und ein attraktiver Arbeitgeber zu sein. Dafür brauche es Reformen. Der Verwaltungsrat habe im Februar 2011 den Auftrag erhalten, Wege aus der Krise zu finden. Vor weiteren Schritten habe man den Amtsantritt der neuen Führung abwarten müssen.

Die Kritik von Grossräten verschiedener Parteien prasselte auf Gesundheitsdirektorin Anne-Claude Demierre (rechts) nieder.Bild Charles Ellena

Zur Geschichte

Die Ereignisse beim Freiburger Spital überstürzen sich seit Anfang Jahr

1. Januar 2012: Wie alle Kantone führt auch Freiburg die neue Spitalfinanzierung ein. Darin teilen sich Staat und Krankenkassen die Gesundheitskosten. Die Patienten erhalten die freie Arztwahl. Die entscheidende Neuerung ist die pauschale Abgeltung von Spitalkosten entsprechend der Behandlung. Mit dieser Pauschale sollen die Spitäler möglichst alle ihre Kosten decken. Die Höhe der Abgeltungen sind noch Gegenstand von Verhandlungen zwischen Spitälern und Kassen.

1. Januar 2012: Der neue Verwaltungsratspräsident des Freiburger Spitalnetzes, Philippe Menoud, tritt sein Amt an. Er erhält es von Anne-Claude Demierre, die es interimistisch seit Sommer 2011 geführt hatte.

1. April 2012: Pauline de Vos Bolay wird Spitaldirektorin.

25. April 2012: Die neue Spitalführung gibt erstmals die Finanzierungslücke bekannt, die von der Differenz zwischen den zugestandenen Pauschalen und den effektiven Kosten herrührt. Dem Spitalnetz fehlen diesen Berechnungen zufolge nur schon für das laufende Jahr 15 Millionen Franken. Der Betrag könnte steigen, wenn die provisorisch vom Kanton festgelegten Pauschalen nachträglich gesenkt werden müssen.

1. Mai 2012: Der Verwaltungsrat des Spitalnetzes teilt in einem kurzen Communiqué mit, dass eine Studie eine neue Strategie prüfen soll: Die Konzentration der Akutversorgung auf einen Standort in Freiburg. Das hiesse Verzicht auf die Akutstandorte Tafers und Riaz. Diesen würden neue Aufgaben übertragen. Vor allem in den betroffenen Bezirken Sense und Greyerz macht sich Empörung breit. Umgehend reichen Yvonne Stempfel und Jean-Pierre Siggen (beide CVP) eine Motion ein, in der sie den Staatsrat zu einem detaillierten Bericht auffordern.

4. Juni 2012: Der Verwaltungsrat des Spitals präsentiert eine Liste von kurzfristigen Vorschlägen, die parallel zu den laufenden strategischen Überlegungen beim Sparen helfen sollen. Die Kernpunkte: Schliessung des Spitals in Châtel-St-Denis und der Verzicht auf Operationen zu Randstunden im Spital Tafers. fca

«Das ist eine Tragödie mit einem klaren Ende: Riaz und Tafers wird es nicht mehr lange geben.»

Autor: Emanuel Waeber

Autor: Fraktionschef SVP (Heitenried)

«Es ist einfacher, ein Spital zu schliessen als eines zu eröffnen.»

Autor: Pierre Mauron

Autor: Fraktionschef SP

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