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«Die Tiere machten den Alltag normal»

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«Während unsere Welt nicht mehr so ist, wie sie war, ist die Welt der Tiere gleich geblieben.» So fasst eine Teilnehmerin der Studie von Carola Otterstedt zur Mensch-Tier-Beziehung während des Corona-Lockdown ihre Lage zusammen. Die deutsche Verhaltensforscherin Otterstedt hat von März bis Mai, also in der Zeit, als europaweit das öffentliche Leben wegen der Corona-Pandemie heruntergefahren war, rund 90 Tierhalterinnen und Tierhalter aus Deutschland, der Schweiz, Frankreich und Österreich befragt. Mittels eines Online-Fragebogens wollte sie wissen, wie es den Teilnehmenden gehe und wie sich die Beziehung zu ihrem Tier oder ihren Tieren verändert habe.

«Bei all der Tragik der Corona-Pandemie war das für mich als Wissenschaftlerin eine Chance, in dieser klar abgegrenzten Extremzeit Veränderungen feststellen zu können», sagt Carola Otterstedt den FN. «Es ist auch eine Möglichkeit, zu beobachten, wie sich Menschen in Krisenzeiten verhalten.» Carola Otterstedt erstellte für die Studie eine Art Chronik der Pandemiezeit. «So können wir schauen, wie sich die Antworten je nach Informations­lage veränderten.»

Keine Katastrophe

Einige der Resultate hätten sie überrascht, sagt Otterstedt. So hätten etwa viele Tierhalterinnen und Tierhalter angegeben, der Lockdown sei für sie keine Katastrophe. «Sie konnten vielmehr auch positive Aspekte daraus ziehen, weil sie mehr Zeit für ihr Tier hatten oder ihre Zeit dank Homeoffice flexibler einteilen konnten.» Dadurch habe sich bei vielen die Beziehung zu ihrem Tier intensiviert. «Viele Menschen fühlten sich durch ihr Tier auch privilegiert während des Lockdown. Sie konnten raus in die Natur, weil sie ja mit dem Hund Gassi gehen mussten.»

Den Verlust sozialer Kontakte empfanden viele Tierhalterinnen und Tierhalter als weniger schlimm. Denn ihre Tiere erlaubten trotzdem Körperkontakt, gaben ihnen einen Anlass zu sprechen und ermöglichten eine soziale Beziehung. Und sie gaben ihren Herrchen und Frauchen eine Struktur in den Alltag: «Die Tiere machen meinen Alltag normal», antwortete etwa ein Studienteilnehmer. Durch das Tier werde der Blick auf das normale Leben gelenkt und weniger auf die Krise, so Otterstedt.

«Viele Menschen äusserten auch, dass es ihnen leidtue, dass andere kein Tier hätten in dieser schwierigen Zeit», sagt die Forscherin weiter. «Das ist interessant: Der Kontakt zum Tier versetzt sie in die Lage, auch an andere Menschen zu denken.»

Sorgen um Tiere

Einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer machten sich aber auch Sorgen um ihre Tiere: Sie fragten sich etwa, was mit ihren Schützlingen passiert, sollten sie an Covid-19 erkranken. Andere hatten Existenzängste, etwa wenn ihre Tiere zum Einkommen beitragen wie bei der Tiergestützten Intervention, also zum Beispiel der Therapie oder des Coachings mit Tieren. Diese Tiere waren während des Lockdown «arbeitslos», mussten deshalb zusätzlich beschäftigt werden – und ihr Unterhalt kostete natürlich gleich viel wie zuvor.

In Ausnahmefällen verursachte das Tier während des Lockdown mehr Stress, als dass es positive Effekte hatte. «Eine Teilnehmerin litt an psychischen Problemen. Ihr Hund half ihr, das Leben zu meistern», sagt Carola Otterstedt. «Im Lockdown aber hatte die Frau Angst, nach draussen zu gehen, weil sie Angst vor einer Ansteckung hatte. Sie musste aber trotzdem mit dem Hund raus.» Hier widersprächen sich die Bedürfnisse von Mensch und Tier.

Viele Anfragen an Tierheime

Während des Lockdown verzeichneten viele Tierheime eine Lawine von Anfragen, so auch jenes des Freiburger Tierschutzes (die FN berichteten). Carola Otterstedt sieht dies als eher schwierig an. «Meist wird in solchen Fällen das Tier als Objekt gesehen: Es soll die fehlenden Sozialkontakte ausgleichen», sagt sie. Aber es gehe dann nicht wirklich um die Bedürfnisse der Tiere selbst. «Eine gute Gelegenheit war das vielleicht, wenn man sich schon lange mit der Idee, ein Tier anzuschaffen, auseinandergesetzt hatte und sich nun während des Lockdown die nötige Zeit bot, das Tier einzugewöhnen.» Otterstedt befürchtet, dass viele Tiere, die während des Lockdown angeschafft wurden, wieder zurückgebracht werden. Spätestens dann, wenn die Neo-Tierhalter realisieren, dass ein Tier nicht nur Kuschelobjekt ist, sondern seine ganz eigenen Bedürfnisse hat.

Mit diesem Artikel starten die FN in die Sommerserie «Mein Tier und ich». Darin stellen wir Freiburgerinnen und Freiburger und ihre besondere Beziehung zu ihrem Tier vor. Möchten Sie mit Ihrem Tier mitmachen? Dann schreiben Sie uns eine Mail mit dem Vermerk «Tier-Serie» an redaktion@freiburger-nachrichten.ch

«Während unsere Welt nicht mehr so ist, wie sie war, ist die Welt der Tiere gleich geblieben.»

Eine Studienteilnehmerin

Zur Person

30 Jahre Engagement für Tiere

Dr. Carola Otterstedt kommt aus Bremen, studierte Verhaltensforschung und promovierte als Geisteswissenschaftlerin. Sie setzt sich seit den frühen 1990er-Jahren für den präventiven Tierschutz und die Mensch-Tier-Beziehung ein. Seit 2009 leitet sie die deutsche Stiftung Bündnis Mensch & Tier. Sie hat mehrere Studien zur Beziehung zwischen Mensch und Tier geführt.

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Haustiere

Vom Statussymbol zum Sozialpartner

Warum halten wir Menschen überhaupt Haustiere? Die deutsche Verhaltensforscherin Carola Otterstedt weiss Antworten: «In den 1960er- und 1970er-Jahren waren Haustiere oft ein Statussymbol: Man hatte einen Gepard im Garten, um zu zeigen, dass man sich das leisten kann.» Das habe sich in den letzten Jahren aber geändert. «Heute sind Haustiere für die meisten Menschen Sozial­partner, sie sind Teil der Familie und werden als Freunde angesehen.» Damit einher gehe, dass in vielen Fällen die Bedürfnisse der Tiere über die Bedürfnisse des Menschen, sich zu verwirklich, gestellt würden. Tiere werden auch heute noch genutzt, etwa Hunde zum Schutz von Schafherden, Schafe für ihre Wolle oder Pferde für Therapie-Zwecke. «Das ist nicht an sich schlecht, gerade für Schafe ist es ja sinnvoll, dass wir sie scheren», sagt Otterstedt. Wichtig sei, dass bei solchen Aktivitäten die Talente und Bedürfnisse der Tiere in den Vordergrund gestellt würden.«Ich glaube, jene Menschen, die Tiere in ihr Leben lassen, sind Neugierige. Sie lassen sich auf den Kontakt mit einer ganz fremden Art ein», sagt Carola Otterstedt. Die Tiere ermöglichten einen Blick von aussen auf unsere Lebensweise.

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