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Die Tulpe von der Kaiseregg

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ch wurde schon öfters gefragt, welche Pflanze ich persönlich am schönsten finde oder welche im Sensebezirk heimische Pflanze mir am besten gefällt. Forscher schätzen diese Art von Fragen nicht sehr: In den Naturwissenschaften zählt nur die Objektivität und nicht die persönliche Meinung. Mit der Schönheit ist es so eine Sache – sie liegt nun mal im Auge des Betrachters. Ich scheue solche Fragen trotzdem nicht, muss aber zugeben, dass ich mich als Biologe nicht mit der reinen Ästhetik, den leuchtenden Farben oder beeindruckenden Strukturen begnüge. Zur Schönheit einer Pflanze gehören für mich unter anderem auch ihre aussergewöhnliche Lebensweise, Anpassungsfähigkeit, Evolutionsgeschichte oder auch ihre Vernetzung mit anderen Organismen. Dabei geht es – wie bei einem Topmodel oder einem Superstar – um das Gesamtpaket … und auch um den Eindruck beim allerersten Treffen.

Wenn mich also jemand fragt, welche Pflanze ich im Sensebezirk am schönsten finde, lautet meine Antwort: die Tulpe von der Kaiseregg. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich sie Anfang Juni 2006 bei einer Forschungsexpedition in den Freiburger Voralpen auf ungefähr 2000 Meter über Meer zu Gesicht bekommen. Mehrere Gruppen wuchsen dicht beieinander an den steilen, dem Wind ausgesetzten Abhängen und Gipfelkreten. Mit ihren weissen, zarten Blüten hat diese Pflanze mich von Beginn weg beeindruckt, und ich wunderte mich: Wie überlebt solch ein zierliches Wesen so hoch oben in den Bergen?

Einige in der Botanik bewanderte Leserinnen und Leser werden sich jetzt sicherlich fragen, was ich da eigentlich erzähle. Es gibt doch gar keine Tulpen auf der Kaiseregg! Ich gebe zu, mit dieser Bezeichnung wollte ich nur etwas Spannung aufbauen. Bei der pflanzlichen Schönheit, die ich vorstellen möchte, handelt es sich nämlich «nur» um eine Cousine der gewöhnlichen Gartentulpe. Sie heisst Faltenlilie (Gagea serotina, früher auch Lloydia serotina genannt) und kommt in Kanton Freiburg nur auf wenigen Gipfeln vom Maischüpfenspitz bis zur Kaiseregg vor. In den Zentralalpen wächst sie noch höher und kommt sogar auf 3100 Meter über Meer vor. Damit ist sie dasjenige Liliengewächs, das in den Alpen am höchsten steigt.

Neben ihrer Schönheit machen weitere besondere Eigenschaften das «Gesamtpaket» aus. Sie besitzt zum Beispiel einen Frostschutz: Ihre braunhäutigen Zwiebeln sind von den trockenhäutigen Resten der vorjährigen Blätter fast vollständig umschlossen und damit gut vor der Kälte geschützt. Dank diesen Zwiebeln kann sie sofort nach der Schneeschmelze mit dem Wachstum beginnen, was beim sehr kurzen Bergsommer von Vorteil ist. Die Faltlilien werden nicht von Bienen oder Schmetterlingen bestäubt – die in dieser Höhe und an den rauen und windexponierten Standorten selten sind – sondern von Ameisen oder kleinen Käfern. Ihre Verbreitung ist ebenfalls sehr rätselhaft: Sie ist inselartig nur in wenigen isolierten Bergketten der Welt von den Alpen bis nach Nordamerika verbreitet.

Damit ist die Faltenlilie für mich ein perfektes Beispiel einer dem breiten Publikum kaum bekannten Pflanze, die doch so viel zu bieten hat und unbedingt zu den schutzwürdigsten Gewächsen unserer Region gehört.

Gregor Kozlowski wohnt in Ueberstorf und ist Professor für Biologie und Direktor des Botanischen Gartens der Universität Freiburg. Er ist Mitglied einer FN-Autoren-Gruppe, die naturwissenschaftliche Themen bearbeitet. Im Rahmen einer Führung im Botanischen Garten Freiburg stellt Gregor Kozlowski am Mittwoch, 23. September (18.30–19.30 Uhr), die botanischen Schätze in Deutschfreiburg vor. Eintritt frei.

Gastkolumne

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