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Die unsichtbare Welt der Pfahlbauer

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Autor: Lukas Schwab

Seit einem Jahr gehören die fünf Freiburger Pfahlbausiedlungen Gletterens, Greng, Môtier, Murten und Noréaz zum Unesco-Weltkulturerbe «Prähistorische Pfahlbauten rund um die Alpen» (siehe Kasten). Das Problem der Pfahlbauten ist, dass sie im Gegensatz zu anderen Weltkulturerbestätten praktisch unsichtbar sind: Der Grossteil der Fundstellen liegt unter der Erde oder unter Wasser. Eine Freilegung der Siedlungsreste, die an Land liegen, wird es nicht geben: Nur unter dem Boden kann das zerbrechliche archäologische Erbe vor der Erosion geschützt und damit gesichert werden.

5000 Jahre alter Kaugummi

«Es ist sehr schwierig, unsere Weltkulturerbestätten dem Publikum zu zeigen», sagte Kantonsarchäologin Carmen Buchillier gestern in Vallon vor den Medien. Um dies dennoch zu ermöglichen, hat das Amt für Archäologie die Sonderausstellung «UNESCO…eau» zusammengestellt. Statt an der Fundstelle werden die Pfahlbausiedlungen ab morgen im Museum zugänglich gemacht.

Die fünf Freiburger Fundstellen werden den Museumsbesuchern mit einem kurzen Text (Deutsch und Französisch) vorgestellt, der die wichtigsten Angaben kurz und bündig liefert. Zusätzlich hat es zu jeder Pfahlbausiedlung eine Luftaufnahme sowie Bilder der archäologischen Arbeiten und einiger Fundstücke.

Diverse archäologische Funde sind auch im Original zu sehen. Neben Schmuck, Messerklingen und Pfeilspitzen aus Knochen, Stein oder Metall gibt es auch einige ganz erstaunliche Stücke zu entdecken. So haben die Archäologien einen Kaugummi aus Birkenteer aus dem Murtensee geholt, auf dem die Pfahlbauer vor rund 5000 Jahren herumkauten. «Wie er geschmeckt hat, weiss ich nicht», sagte Reto Blumer vom Amt für Archäologie, der die Ausstellung mitgestaltet hat. Weiter sind unter den Fundstücken auch ein prähistorischer Baby-Schoppen und eine Fadenspule zu finden.

Tauchgrabung im Museum

Gezeigt wird in der Ausstellung auch die Unterwasserarbeit der Archäologen: In einem grossen Schaukasten wird die Unterwasserwelt dargestellt, wie sie die Archäologen bei ihren Tauchgrabungen antreffen. Durch Seitenfenster und eine Art Fernrohr können die Besucher auf den Seegrund abtauchen. Dort entdecken sie Abfälle wie Veloräder, mit Sand gefüllte PET-Flaschen oder alte Batterien, aber auch Überreste von Pfählen. Diese und andere Fundstücke legt der Taucher mit einer Art Unterwasserstaubsager frei. Danach werden sie fotografiert und protokolliert, ehe die Archäologen mögliche Schutzmassnahmen treffen: Mit einer Art Vlies, einem Metallgitter und Steinen werden die Fundstellen abgedeckt und so vor der Erosion geschützt.

Riesiges Smartphone

Weitere Eindrücke der Taucharbeiten und der Fundstellen vermitteln in der Ausstellung ein Film sowie ein rund zwei Meter grosses Smartphone: Das riesige Handy biete eine Fülle an interaktiven Inhalten rund um die Pfahlbausiedlungen und wird wie ein normales Mobiltelefon über einen Touchscreen bedient.

Dass dieser interaktive Teil der Ausstellung als Smartphone daherkommt, ist kein Zufall: Damit wird auf die Pfahlbau-Applikation hingewiesen. Die für iPhone und Android erhältliche Gratis-App «Palafittes Guide» ist eine weitere Möglichkeit, die Pfahlbauten zu erleben. Sie liefert Informationen über alle Schweizer Standorte des internationalen Pfahlbau-Weltkulturerbes.

Römermuseum, Vallon. Sa., 16. Juni bis Februar 2013, jeweils Mi. bis So., 14 bis 18 Uhr. www.museevallon.ch

Durch ein Guckloch auf den Seegrund blicken: Der Schaukasten zeigt, was die Archäologen bei ihren Tauchgrabungen unter Wasser vorfinden.Bild Vincent Murith

Pfahlbau-Welterbe: 111 Fundorte in sechs Ländern um die Alpen

Im Juni 2011 nahm das Welterbekomitee der Unesco die «Prähistorischen Pfahlbauten rund um die Alpen» in die Liste ihres Welterbes auf. Insgesamt gehören 111 Pfahlbau-Fundorte dazu, die sich auf die Schweiz, Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich und Slowenien verteilen. Die Schweiz stellt mit 56 Pfahlbausiedlungen die Hälfte aller aufgenommenen Stätten. Mit der Grengspitze, dem Segelboothafen Murten und Môtier am Murtensee sowie Gletterens am Neuenburgersee und Noréaz am Seedorfsee liegen fünf davon im Kanton Freiburg. Ihre Aufnahme in die Welterbeliste ist im Kanton eine Premiere: Zuvor hat kein Kulturgut diese Anerkennung erlangt.

Das Unesco-Gütesiegel bringt neben Prestige und der Möglichkeit der touristischen Vermarktung auch eine Anerkennung des wissenschaftlichen Wertes der archäologischen Zeugnisse mit sich. Für die Initianten des Projekts «Pfahlbauten rund um die Alpen» stellt die Aufnahme zudem ein wirkungsvolles Instrument für den Schutz der Fundorte dar.

Das Unesco-Label wird Kulturgütern von «aussergewöhnlichem universellem Wert» verliehen. Dazu gehören unter anderem die Pyramiden von Gizeh in Ägypten, die Inka-Stadt Macchu Picchu in Peru, aber auch die Altstadt von Bern oder die Weinberg-Terrassen des Lavaux am Genfersee.luk

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