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«Dschadscha, komm bald wieder»

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«Dschadscha, komm bald wieder»

Ilse-Marie Cottier über ihren ersten Afrikaeinsatz in Uganda

Sie hat Zäune geflickt, Zement eingekauft, den Generator überwacht, Pflegemütter unterrichtet, die Buchhaltung verbessert, Wäscherinnen angeleitet und Ratten den Garaus gemacht: Im Dorf für Waisenkinder in Uganda war Ilse-Marie Cottier drei Monate lang Mädchen für alles.

Autor: Von IRMGARD LEHMANN

«Am liebsten hätte ich gleich wieder das nächste Flugzeug in Richtung Uganda bestiegen», erzählt die Sozialarbeiterin Ilse-Marie Cottier rückblickend auf ihre Rückreise kurz vor Weihnachten. Ein Kulturschock? «In meiner Küche liegen acht Küchenmesser und dort hat man keines.»Eine afrikanische Postkartenidylle hat die 65-Jährige in Uganda wahrlich keine angetroffen. Im Gegenteil. Wer sich dafür entscheidet, muss in den sauren Apfel beissen oder über eine Portion Abenteuerlust verfügen. Die Mutter von vier erwachsenen Kindern ahnte es. Trotzdem wies sie das Angebot des Vorstandes nicht zurück, vorerst einmal hinzufliegen und vor Ort und Stelle einen Augenschein zu nehmen.Ihre Aufgabe war es «runter zu gehen und die Augen offen halten». Aber was das konkret hiess, bekam sie erst an Ort und Stelle zu sehen (Ungereimtheiten bei der Leitung veranlassten den Schweizer Vorstand eine Delegierte ins Dorf zu schicken).

Der Eimer

Im Dorf fehlte es an allem, so dass Ilse-Marie Cottier zwei Mal pro Woche in Kampala, der Hauptstadt Ugandas auf Grosseinkauf ging. «In den drei Monaten habe ich für 17 000 Franken Waren eingekauft.»Es fehlte aber auch an praktischem Wissen. Dass man Kinderwindeln, samt Inhalt nicht mit den T-Shirts in den gleichen Eimer wirft, musste sie in langen Reden (Englisch) klar machen. «Aus diesen abscheulich stinkenden Eimern hatten die armen Wäscherinnen jeweils die Windeln rauszufischen.»

Die Überschwemmung

Strom und Wasser waren das grosse Problem. Da Uganda zu wenig Strom produziert, war man jeden zweiten Abend ohne Elektrizität und auch tagsüber fiel sie oft aus. «Geschirr gespült, gewaschen und geduscht wurde mit kaltem Wasser.»Im Dorf gab es wohl fliessendes Wasser. Da aber auch die «Menschenschlangen aus der Umgebung im Dorf das Wasser holten, kam es immer wieder zu Engpässen». Dies weil man oft vergass, die Pumpe anzustellen. «Mit der mangelnden Planung musste man leben lernen», meint die Sozialarbeiterin.

Die Rattenjagd

Andererseits sei durch die tropischen Gewitterstürme das ganze Dorf immer wieder überflutet worden. «Über lecke Türen und Fenster kamen die Regenmassen auch in mein Zimmer, so dass mangels eines Schranks all meine Notizen, Briefe, Reiseführer vom Wasser weggeschwemmt wurden.»Die 65-Jährige hatte aber auch gegen Ratten anzukämpfen. «Als sich so ein Viech in meiner WC-Schüssel auch mit fünf Spülungen nicht vertreiben liess, griff ich voller Verzweiflung zum WC-Reiniger», erzählt sie. Doch andere Familienmitglieder seien gleich nachgerückt. «Ich kam mir als Rattentöterin zwar grausam vor, aber was sollte ich anderes tun», meint die Abenteurerin. Cottier griff auch da zur Selbsthilfe und hatte die Löcher in ihrem Zimmer dicht gemacht.Alsbald aber setzte die Heuschreckenplage ein. Und wieder war die Nachtruhe für geraume Zeit dahin.

Einen Jugendtraum verwirklicht

Doch wenn Ilse-Marie das alles so erzählt, leuchten ihre Augen. Sie hat die widrigen Umstände angenommen, entwickelte eine schier unerschöpfliche Kreativität und fand für vieles eine Lösung.«Eigentlich», resumiert sie, «hat mir nur der Austausch mit Freunden gefehlt.» Mit allem anderen – kein Fernsehen, keine Musik, keine Zeitung, keinen Ausgang – habe sie sich abfinden können. «Auf diesen holperigen und verkehrsreichen Naturstrassen links zu fahren habe ich mir nicht zugetraut.» Ausserdem sei eine «Múzúngú» (Weisse) in ihrem Alter überfallgefährdet.«Einmal nach Afrika zu gehen war ein Jugendtraum», fährt Ilse-Marie fort. Den Betreuerinnen mit Rat und Tat beizustehen, die Kinder in den Armen zu halten, die Buchhaltung wieder auf den Damm zu bringen und als «Dschadscha» (Grossmama) geschätzt zu sein, habe ihrem Leben Sinn gegeben.Und so ist die einstige Schuldenberaterin bei der Caritas fest entschlossen, im März wieder loszuziehen. Auf die 15 Weihnachtsmails, die sie erhalten hat, stand überall: «Dschadscha, komm bald wieder.»

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