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Ein Fluss – viele Ansprüche

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«Wie soll die Sense zum Zeitpunkt aussehen, wenn Ihre Enkel so alt sind wie Sie heute?» Dies war die zentrale Frage an die Teilnehmer des zweiten Bürgerforums beim Projekt Sense21. Rund 40 Personen haben am Dienstagabend in Flamatt ihre Visionen der künftigen Sense diskutiert. Dieses Bürgerforum ist Teil des Projekts Sense21. Es war im Juni 2013 lanciert worden, um ein Gesamtentwicklungskonzept für den Sense-Unterlauf zu erarbeiten (siehe Kasten).

 Lieblingsplätze markieren

Als Einstieg haben die Teilnehmer auf einer Luftaufnahme auf dem 13 Kilometer langen Flussabschnitt ihre Lieblingsplätze markiert sowie Orte, an denen sie Handlungsbedarf sehen. In der ersten Kategorie wurden Badeplätze genannt, in der zweiten ging es unter anderem um beschädigte Dämme, Grundwasser und überschwemmungsgefährdete Uferwege. Beim untersten Teil nahe der Einmündung der Sense in die Saane haben einige Teilnehmer die starke Kanalisierung des Flusses bemängelt. Lukas Hunzinger, Projektleiter von Sense21, rief in Erinnerung, dass die Sense vor vielen Jahrzehnten kanalisiert wurde, um Platz für Landwirtschaft, Siedlung und Verkehrsachsen zu gewinnen. Als Folge davon frass sich der Fluss in die Tiefe, was zu Unterspülungen des Uferschutzes führte. Um die Kraft des Flusses zu brechen, habe man im Laufe der Zeit insgesamt 43 Blockschwellen eingesetzt.

Keine einfache Antwort

Die gestellte Frage nach dem künftigen Bild der Sense für nachfolgende Generationen war nicht einfach zu beantworten, wie sich in der Diskussion zeigte. Nicht nur, weil der Blick etwa 50 Jahre in die Zukunft sehr langfristig ist. Sondern auch, weil die Ansprüche an diesen Fluss je nach Perspektive sehr stark auseinandergehen: Erholungsuchende wollen weiterhin auf einer der Sandbänke baden können, den Gemeindevertretern ist die Sicherstellung der flussnahen Grundwasserversorgung ein Anliegen, Anwohner wollen Schutz vor möglichen Hochwassern, und die Landwirte möchten nicht noch mehr Land zur Verfügung stellen, um den Hochwasserschutz zu garantieren.

Einigen Diskussionsteilnehmern war der Amphibien- und Fischschutz wichtig. Andere schlugen vor, dem Fluss mehr Platz zu geben und den Wald als potenzielles Überschwemmungsgebiet einzubeziehen. Eine Mehrheit war sich einig, dass bei den Investitionen in Hochwasserschutzbauten die Verhältnismässigkeit stimmen müsse: millionenteure Verbauungen nicht per se, sondern nur dort, wo Menschen und Infrastruktur bedroht sind. Ein Teilnehmer meinte, es sei besser, gezielt gewisse Flussabschnitte zu schützen und nicht die ganze Sense zum Badeplatz zu machen.»

Am Ende des dreistündigen Anlasses haben die Forumsleiter die Visionen gruppiert. Jetzt durften die Teilnehmer noch einmal Punkte nach Prioritäten verteilen. Eine klare Mehrheit war für den Erhalt des natürlichen Lebensraums an der Sense, für einen wirkungsvollen, aber finanziell auch tragbaren Schutz vor Hochwasser sowie für die Wahrung der Wasserqualität. Am meisten Differenzen ergaben sich beim Thema, wie viel Kulturland für künftige Schutzbauten geopfert werden soll oder muss.

«Viele Leute, viele Meinungen, da ist es klar, dass man sich nicht überall einig wird», sagte Lukas Hunzinger. Er, wie auch die Forumsleiterin Flurina Schneider, betonten, dass es nicht darum gehe, jetzt eine Einigung zu finden. Vielmehr sollen die unterschiedlichen Interessen und Anliegen einfach mal aufgenommen werden. Die Resultate der Bürgerforen fliessen in ein Leitbild, das bei den Teilnehmern in die Vernehmlassung geht und dann verabschiedet wird.

Für Behörden verbindlich

Gibt es Differenzen zwischen dem Bürgerleitbild und jenem der Fachleute, werden die verschiedenen Ziele gemäss Lukas Hunzinger einander gegenübergestellt und im Einzelfall abgewogen. Das Resultat, das Gewässerentwicklungskonzept Sense21, soll dann behördenverbindlichen Charakter haben.

Zum Projekt

Wie sich die Sense entwickeln soll

Der Unterlauf der Sense–von der Einmündung des Schwarzwassers in Thörishaus bis zur Mündung in die Saane bei Laupen–ist seit Jahrzehnten weitgehend kanalisiert und verbaut. Der Fluss bildet dort die Grenze zwischen den Berner Gemeinden Köniz, Neuenegg und Laupen und den Freiburger Gemeinden Bösingen, Wünnewil-Flamatt und Überstorf. Über weite Strecken ist der Hochwasserschutz beschädigt oder wirkungslos. Neue Lösungen sind gesucht. Die Kantone Freiburg und Bern erarbeiten nun ein Massnahmenkonzept für die künftige und längerfristige Entwicklung des Flusses, das Projekt Sense21. Zeithorizont sind die nächsten 50 bis 100 Jahre. Die Sichtweise der Fachleute für Hochwasserschutz, Ökologie, Trinkwassernutzung und Naherholung sollen ebenso einfliessen wie jene der Bürger und anderer Interessenvertreter. Etwa 100 bis 120 Personen haben sich für eines der drei Bürgerforen angemeldet. Aus dem Fachleitbild und dem Bürgerleitbild soll dann das definitive und behördenverbindliche Gewässerentwicklungskonzept entstehen.im

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