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Ein Fotografenpaar ohne Grenzen

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Architektur und Entwicklung der Stadt Freiburg, Aktualität und Alltagsleben, Landwirtschaft und Industrie, Kunst und Kultur, aber auch Werbung und Reisereportagen: Die Themen, mit denen sich das Freiburger Fotografenpaar Leo und Micheline Hilber in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts befasste, sind mannigfaltig. Ihr Nachlass sei von seinem Umfang und von seiner Bedeutung her durchaus vergleichbar mit jenem der Familie Mülhauser, sagt Claudio Fedrigo, Verantwortlicher der Fotosammlungen der Kantons- und Universitätsbibliothek Freiburg.

Vor sieben Jahren hat Robert Chappuis, Micheline Hilbers zweiter Ehemann, der Kantons- und Universitätsbibliothek das Archiv des Ehepaars Hilber geschenkt. Es enthält rund 150 000 Bilder in Form von Negativen, Dias, Kontakt- und Fotoabzügen. Der Fonds leiste einen wichtigen Beitrag zur Geschichte der Freiburger Fotografie und runde neben den Fonds Rast, Thévoz und Mülhauser die kantonale Ikonografie der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ab, so Fedrigo. In den vergangenen Jahren hat die Kantons- und Universitätsbibliothek das Hilber-Archiv gesichtet und sortiert. Eine Auswahl von rund 3000 Aufnahmen wurde digitalisiert. 250 davon sind nun in einem Katalog erschienen; rund 80 digitale Abzüge sind in einer Ausstellung zu sehen.

Ein schillerndes Paar

Die Bilder zeugen von dem fundamentalen sozialen und wirtschaftlichen Wandel der Sechziger-, Siebziger- und Achtzigerjahre, sie sind aber auch ein Stück Fotografiegeschichte – und sie erzählen von dem aussergewöhnlichen Leben eines schillernden Paares mit vielen lokalen, nationalen und internationalen Kontakten, eng vernetzt mit der Freiburger Kunstszene und bekannt für seine Lebensfreude. In einer posthumen Hommage an seinen 1986 verstorbenen Freund Leo schrieb der Künstler Yoki Aebischer (1922–2012): «Besser als jeder andere kannte er die Lebens- und Ausdrucksweise seiner Freiburger Freunde, ob Rotarier oder ‹Bolzen›, und er hatte sein schönes Haus an der Unteren Matte zusammen mit Micheline in eine Oase stets einträchtiger menschlicher Kontakte verwandelt: ein immerwährendes Stell­dich­ein der Freundschaft.»

Dabei war Leo Hilber gar kein gebürtiger Freiburger: Er wurde 1930 in Luzern geboren, kam aber schon in jungen Jahren in die Saanestadt, um beim Fotografen Benedikt Rast die Lehre zu absolvieren. Es gebe allerdings schon einen früheren Bezug der Familie Hilber zu Freiburg, erzählt Robert Chappuis: Leos Vater Paul habe seinerzeit seine Dissertation als Kunsthistoriker über die Goltgasse in der Freiburger Unterstadt geschrieben. Wie auch immer, Leo fühlte sich in Freiburg schnell heimisch und beschloss, sich hier niederzulassen. 1958 eröffnete er zusammen mit seiner ersten Ehefrau Joséphine ein Fotoatelier gegenüber dem Bahnhof. Im gleichen Jahr begann auch seine lebenslange Zusammenarbeit mit dem Museum für Kunst und Geschichte Freiburg.

Um 1964 stellte Leo Hilber die Waadtländerin Micheline Cuany als Assistentin ein. Die damals 22-Jährige war selbst ausgebildete Fotografin und wurde rasch zur engen Mitarbeiterin und schliesslich zur Lebenspartnerin Leo Hilbers. Dieser liess sich 1966 von Joséphine, mit der er zwei Kinder hatte, scheiden; 1978 heiratete er Micheline. Um 1975 schlossen die beiden das Atelier an der Bahnhofsallee und verlagerten ihre Berufstätigkeit in ihr Haus an der Unteren Matte. Nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1986 führte Micheline Hilber das Geschäft bis zu ihrem eigenen Tod 2007 weiter.

Bildbände und Triennale

Im Gegensatz zu den meisten anderen Fotografen ihrer Zeit waren Leo und Micheline Hilber in vielen verschiedenen Bereichen tätig: Sie schufen Reportagen für private Kunden und die Presse, dokumentierten politische, wirtschaftliche, kulturelle und gesellschaftliche Ereignisse, arbeiteten für Auftraggeber aus Tourismus und Industrie und porträtierten bekannte und weniger bekannte Menschen. Besonders wichtig war die Zusammenarbeit mit dem Verlag Office du Livre, für dessen Bildbände das Paar zahlreiche Reisen unternahm, unter anderem in den Iran, in die Türkei, nach Ägypten, China oder Indien.

Nicht zu vergessen ist die «Internationale Triennale der Photographie», eine Ausstellung, die zwischen 1975 und 1991 sechs Mal in Freiburg stattfand. Leo Hilber war Mitglied des technischen Komitees und beteiligte sich bis zu seinem Tod an der Triennale. Diese bot Hilber die Möglichkeit, seine persönliche Arbeit zu präsentieren und mit internationalen Fotografen in Kontakt zu kommen. Und er zeigte sich an der Ausstellung gerne innovativ: Etwa mit einem Diaporama über die Stadt Freiburg in der Kapelle des Bürgerspitals oder mit einer eigens dafür ausgeliehenen Polaroid-Kamera, mit der er im 50×60-Grossformat fotografieren konnte.

Ausstellung: Bis zum 9. September in der ­Kantons- und Universitätsbibliothek Freiburg. Mo. bis Fr. 8 bis 22 Uhr, Sa. 8 bis 16 Uhr. Geschlossen vom 10. bis zum 22. Juli sowie am 1. und am 15. August.

Katalog (168 Seiten): Erhältlich für 45 Franken in der Bibliothek und im Buchhandel.

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