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Ein Schrat und ein irrer Koala

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Ein Schrat und ein irrer Koala

Am Dienstag spielte Bonnie «Prince» Billy im Bad Bonn

Hoher Besuch in Düdingen: Bonnie «Prince» Billy und Matt Sweeney haben am Dienstag im Bad Bonn ihr einziges Schweizer Solo-Konzert gegeben. Die Erwartungen an den Kronprinzen des Country-Folk waren hoch – und enttäuscht wurde niemand.

Von UELI STRASSER

Da steht er nun, der Schrat aller Schrate, und sieht aus wie ein abgekämpfter Waldarbeiter nach einer Nachtschicht. Will Oldham alias Bonnie «Prince» Billy legt seine gesammelten Texte und Notizen zurecht, zieht sich die Baseballmütze hinunter bis zur exklusiven Gesichtsbehaarung, dröselt selbstvergessen auf dem Keyboard rum und scheint erstaunt über die Kakophonie aus seinem Gitarrenverstärker.

Bühnen-Partner Matt Sweeney will da nicht hintanstehen, rülpst einmal kräftig ins Publikum, verdreht seine Augen wie ein irrer Koala und haut kräftig in die Saiten. Die drei Gefolgsleute an Gitarre, Bass und Schlagzeug verschwinden angesichts solcher Manieren fast im Dunkel der Bühnenperipherie.

Authentizität anstatt Perfektion

Studio und Bühne sind bei Billy zwei verschiedene Welten: Im Vergleich zu den meist melancholisch zerbrechlichen Plattenaufnahmen wird live teils rüde gerockt. Oldham und Sweeney stehen für Authentizität und eine Menge schräger und auch falscher Töne. Wer technisch perfekten Musikern bei der instrumentalen Selbstbefriedigung zusehen will, sollte sich lieber Tickets für eine Jazz- oder Hardrockband besorgen. Tief im Innern ist Oldham ein Folk- und Countryboy, jedoch ohne schmierige Steel-Gitarren und falsches Pathos. Hier singt sich ein Mann seine waidwunde Seele aus dem Leibe.

Drei Gitarren und einen Bass in derselben Tonart zu stimmen, scheint den Musikern schwer zu fallen. Aber das Songmaterial stimmt: Es ist schier unglaublich, mit welcher Selbstverständlichkeit Oldham die berückendsten Melodien aus seinen Ärmeln schüttelt. Und es ist erstaunlich, unter wie viel Geröll diese unverwüstlichen Songdiamanten noch immer funkeln.

Ein Mann mit vielen Namen

Bonnie Billy hatte nach einigen Kurzauftritten in obskuren Filmen klugerweise den musikalischen Weg eingeschlagen und in den Neunzigern unter den Pseudonymen «Palace», «Palace Songs», «Palace Brothers» sowie unter seinem bürgerlichen Namen Will Oldham eine Reihe schräger Aufnahmen veröffentlicht. Danach legte er sich auf das Alter Ego Bonnie «Prince» Billy fest, reduzierte den Krudheitsfaktor seiner Aufnahmen und wurde spätestens durch das Johnny-Cash-Cover von «I see a darkness» auf dessen «American Recordings III: Solitary Man» geadelt.

Für die aktuelle Platte «Superwolf» tat er sich zusammen mit Sweeney, der unter anderem mit Smashing-Pumpkins-Frontkopf Billy Corgan das desaströse «Zwan»-Album verschuldete – eine meisterliche Verbindung zweier Exzentriker.

Der neue Dylan

Knapp zwei Stunden lang schrummelt sich die Band durch Songs aller Oldham-Phasen. Eine Setlist scheint es nicht zu geben; vor jedem Stück erkundigt sich der Schlagzeuger, was als Nächstes kommt. Billy gibt zwischendurch den Freak, haut seinem Drummer beinahe den Schellenkranz ins Gesicht und krakeelt dem wehrlosen Sweeney in die Ohren.

Das von weit her erschienene Publikum honoriert die Darbietung mit enthusiastischem Applaus. Zu Recht, denn selten war Dilettantismus schöner und bewegender. Nicht umsonst wird Oldham immer wieder als neuer Dylan bezeichnet. Und falls der Titel schon vergeben ist: Billy sollte gelegentlich befördert werden, zum König der aktuellen Country- und Folkbarden.

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