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Ein unlösbarer Generationskonflikt

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Sie hatten immer nur sich: Siggi und sein Vater Josef, der in einer Giesserei schuftet und als Witwer seinen Sohn durchbringt, ihn zum Abitur treibt, ein «Studierter» soll er werden. Aber Siggi verweigert sich, bricht immer wieder aus und lässt schliesslich den alten Josef auf einer Bankbürgschaft sitzen, die den Vater das Haus und den Ruhestand kostet. Demütig begleicht Josef die Schuld des Sohnes, was im Dorf auf Unverständnis stösst. Denn keiner weiss, dass Josef nur versucht, sein Gewissen reinzuwaschen. Seit Siggis Geburt belastet ein schwelendes Familiengeheimnis die Beziehung zwischen Vater und Sohn: Josefs Rolle beim Tod seiner Frau.

«Wo wir uns finden» erzählt vom Wandel der Zeiten, vom Konflikt zwischen Generationen und Geschlechtern, von der zerstörerischen Kraft der Liebe und einer Schuld, die nicht verjährt. Eine Tragödie von klassischem Format.

Spezieller Schreibstil

Patrick Findeis legt uns hier einen literarisch anpruchsvollen Roman vor, ein Lehrbeispiel für Perspektivenwechsel. Die vier langen Kapitel mit einer Fülle von Vor- und Rückblenden erfordern die ganze Konzentration des Lesers. «Wo wir uns finden» ist mit Sicherheit kein Buch, das sich einfach so im Vorbeigehen lesen lässt, dazu ist es zu kompliziert aufgebaut.

Auch die sprachliche Gestaltung erfordert unsere ganze Aufmerksamkeit. Auf der einen Seite schnörkellos, karg und spröde geschrieben, überrascht der Text immer wieder mit eigenwilligen grammatischen Stellungen. Zu Beginn irritiert dieser Schreibstil etwas, doch nach einer kurzen Zeit des Angewöhnens kann die ungewöhnliche Schreibweise sogar gefallen.

Leser, die ein wenig mit der Bibel vertraut sind, werden unschwer Parallelen zum Lukasevangelium finden. Ob der Autor dies so beabsichtig hat oder nicht, bleibe dahingestellt. Jedenfalls erinnert das Verhältnis zwischen Vater Josef und Sohn Siggi unweigerlich an die Geschichte vom verlorenen Sohn. Mit dem Unterschied allerdings, dass in diesem Roman die Vater-Sohn-Beziehung – aus mangelnder Liebe und Zuneigung – nicht eben ein hoffnungsvolles Ende nimmt.

Der 38-jährige Schriftsteller Patrick Findeis stellt sich uns nicht als Meister des Happy Ends und Wohlfühlens dar, sondern beschreibt völlig unaufgeregt und kompromisslos die hoffnungs- und tatenlose Wirklichkeit der beiden Protagonisten und der sie in diesem Roman begleitenden Personen. Wir erleben hautnah, wie der Vater nach schweren Schicksalsschlägen immer mehr abstumpft, der Sohn an den Qualen und Hormonschüben der Pubertät leidet und letztlich die Flucht ergreift, um alles hinter sich zu lassen und einen Neubeginn in einem fernen Land zu wagen. Uns Lesern ist jedoch sattsam bekannt, dass man zwar vor Menschen und Gegend flüchten kann, aber nicht vor sich selbst.

Ein unromantischer, aber sehr realistischer, ungeschminkter und gerade deshalb lesenswerter Roman von Patrick Findeis.

Patrick Findeis:«Wo wir uns finden», Roman, München: Dt. Verlags-Anstalt, 2012, 199 S.

Aldo Faselist Leiter der Volksbibliothek Plaffeien-Oberschrot-Zumholz.

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