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Eine Auswandererfamilie auf Spurensuche

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Autor: Irmgard Lehmann

«Vor 100 Jahren war alles umgekehrt. Die Schweizer wanderten aus und wurden im reichen Argentinien gastfreundlich aufgenommen.» Laura Scheidegger sagt diesen bemerkenswerten Satz gleich zu Beginn unseres Gesprächs, und man weiss, dass sie an Fremdenfeindlichkeit denkt.

In Argentinien war ihr Grossvater im Bereich Innenausbau von Eisenbahnwagen tätig. Ihr Vater wiederum arbeitete als Wirtschaftsprüfer und war bis 1976, als die Militärs die Macht ergriffen, erfolgreicher Unternehmer: «Wir waren eine reiche, angesehene Familie. Doch dann gab es wirtschaftliche Probleme, alles wurde zensuriert und wir verarmten», erzählt die 47-Jährige.

Zurück nach Europa

Viele Südamerikaner sind nach Europa ausgewandert. So auch die Familie Scheidegger. Die Eltern und die drei Geschwister haben sich 1983 im Kanton Bern niedergelassen. Die 17-jährige Laura besuchte in St. Gallen das Gymnasium und holte die Matura nach. Doch ums Studieren war es ihr damals nicht: «Ich spürte eine grosse innere Unruhe, sehnte mich nach der südlichen Wärme, nach dem offenen Menschenschlag in Argentinien.»

Ein Familienbetrieb

1988 kehrt sie nach Südamerika zurück, lernt ihren Mann kennen, einen Brasilianer. Fünf Kinder kommen zur Welt. Die Familie lebt auf dem Land und widmet sich dem Kunsthandwerk. Frauen des Dorfes helfen bei der Produktion mit. Der Familienbetrieb floriert. «Wir lebten gut und verkauften Keramik, Schmuck, Kleider und Stickereien am Strand und in den Boutiquen von Rio de Janeiro.» Bis auch das anders wurde.

Zurück in die Schweiz

Mit der Massenproduktion aus China war das Produkt der Familie Scheidegger nicht mehr gefragt. «Mit den finanziellen Problemen begann es auch zwischen mir und meinem Lebenspartner zu kriseln», erzählt Laura Scheidegger. Sie sei nie verheiratet gewesen, fügt sie noch bei.

Die Kunsthandwerkerin kehrt in die Schweiz zurück. Nimmt ihre fünf Kinder mit. «Wenn man etwas will, dann sieht man kein Hindernis», kommentiert sie. Seit vier Jahren lebt sie nun mit ihren fünf Kindern in einer Reihensiedlung in St. Ursen. «Wegen dem guten Sozial- und Bildungssystem haben wir uns im Kanton Freiburg niedergelassen.» Die älteren Kinder würden nun fünf Sprachen sprechen.

In St. Ursen hat die umtriebige Frau, die perfekt Deutsch spricht, ein Nähatelier eingerichtet – zusammen mit ihrer Tochter Sol, die an der Ecole de Couture in Freiburg eine Schneiderinnenlehre macht.

Das Handwerk habe sie von ihrer Mutter gelernt, die in Ostermundigen viele Jahre ein Nähatelier geführt habe.

«Meine Mutter hat in Argentinien Wirtschaftswissenschaft studiert, war Professorin an der Uni in Buenos Aires, aber das Metier hat sie nie gelernt. Sie konnte einfach gut nähen», räumt Laura Scheidegger ein.

Doch wie haben sich die Kinder hier zurecht gefunden? Wie kommt die fünffache Mutter mit dem Einkommen über die Runden? Wie gut ist sie in der Gesellschaft aufgenommen? «Die 21-jährige Tochter und der 19-jährige Sohn haben sich schwer getan», sagt sie. Die beiden haben zwei Jahre den Integrationskurs in Freiburg besucht. «Daher haben sie hier kaum Freunde gefunden und fühlten sich sehr einsam.» Das klinge immer noch nach.

Chance nur mit Diplom

Über die Runden kommt Laura Scheidegger nur mit Sozialhilfe. In der Gemeinde fühle sie sich aufgehoben. Trotzdem bleibt die Frau eine Suchende – nach den Wurzeln und nach einem andern Leben. Dass sie kein Studium gemacht hat, bedauert sie. Sie will nachholen und bereitet sich zurzeit auf ein Sprachdiplom in Spanisch vor. «Nur mit einem Diplom in der Hand habe ich eine Chance auf eine feste Stelle», räsoniert sie.

Die Suche nach Heimat

An der Volkshochschule oder am Gymnasium möchte sie unterrichten. «So wäre ich nicht mehr auf die vielen Jobs angewiesen, die ich nur mit Müh und Not unter einen Hut bringe», führt Laura Scheidegger aus.

Die energievolle Frau musste einige Hürden überwinden, verbittert ist sie deswegen aber nicht. Obwohl sie sagt, es sei nicht einfach, in einer Gesellschaft mitzuhalten, wo alles auf Leistung getrimmt sei. Und darum weiss sie auch nicht, wohin die Spurensuche sie noch führen wird. Nach Argentinien, Brasilien oder dorthin, wo sie ein bisschen Fuss gefasst hat – ins Freiburgerland?

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