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Eine «Scheinpremiere», die viel wert ist

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Zum ersten Mal seit dem 13. März wird sich heute im Nuithonie in Villars-sur-Glâne der Vorhang heben. Auf der Bühne des Mummenschanz-Saals wird das Musiktheater «Mélisande et Pelléas» gespielt, die neue Produktion der Neuen Oper Freiburg. Natürlich handelt es sich unter den gegebenen Umständen nicht um eine gewöhnliche Aufführung. Julien Chavaz, Direktor der Neuen Oper Freiburg und Co-Regisseur des Stücks, spricht von einer «Scheinpremiere»: Als Publikum sind bloss etwa fünfzehn ausgewählte Fachleute und Medienvertreter eingeladen. Chavaz freut sich trotzdem sehr: «Die Premiere ist für eine Bühnenproduktion wie eine Landepiste. Ohne sie fehlt dem Piloten das Ziel. Selbst wenn nur wenige Leute im Saal sind, haben wir jetzt ein Ziel. Und auch die wenigen Leute geben der Truppe das Gefühl, vor einem Publikum zu spielen. Das ist wichtig für die Energie.»

Erst in Paris, dann in Freiburg

Die Lockerung des Versammlungs- und Veranstaltungsverbots kam für die Verantwortlichen der Neuen Oper Freiburg gerade zum richtigen Zeitpunkt, um die Arbeit an «Mélisande et Pelléas» zu Ende zu bringen. Die Probenarbeiten standen etwa in der Hälfte, als sie Mitte März unterbrochen werden mussten. Vor zweieinhalb Wochen wurden sie wieder aufgenommen. Die heutige Aufführung wird den Schlusspunkt markieren. «Dann können wir die Produktion in unser Repertoire aufnehmen und später wieder spielen», erklärt Julien Chavaz. Tatsächlich stehen die nächsten Spieldaten bereits fest: Im Juni 2021 wird «Mélisande et Pelléas» im Théâtre de l’Athénée in Paris zu sehen sein. Die Pariser Aufführungen hätten ursprünglich schon diesen Juni stattfinden sollen und wurden nun um ein Jahr verschoben. Nicht ganz so einfach sei es mit der Verschiebung der Freiburger Daten, sagt Chavaz. Die geplanten Vorstellungen von Ende Mai wurden wegen des Lockdown abgesagt. Nun werde es wahrscheinlich erst Ende 2021 oder Anfang 2022 möglich sein, das Stück in Freiburg zu zeigen. 35 Personen seien auf und hinter der Bühne an der Produktion beteiligt. Einen Zeitpunkt zu finden, der für alle passe und an dem dann auch noch der Saal zur Verfügung stehe, sei schwierig. «Aber das Stück wird ganz sicher irgendwann in Freiburg aufgeführt.»

Fragen zur Silvester-Oper

Für alle Veranstalter sei es derzeit schwierig, überhaupt irgendetwas zu planen, sagt Julien Chavaz. «Wir wissen nicht, was wann erlaubt sein wird und unter welchen Bedingungen. Es ist unklar, wie rasch das Publikum ins Theater zurückkehren wird. Und wegen unserer Koproduktionen und unserer internationalen Akteure sind wir stark davon abhängig, was im Ausland passiert.» So gibt es auch viele Fragezeichen hinsichtlich der traditionellen grossen Opernproduktion zum Jahreswechsel. Ein Doppelprogramm zu Poulenc und Ravel ist geplant. Es bleibe nichts anderes übrig, als möglichst lange möglichst flexibel zu bleiben, so Chavaz. So brauche es etwa Lösungen für den Fall, dass das Orchester nicht im Orchestergraben spielen dürfte oder dass nur eine reduzierte Fassung möglich wäre. Auf jeden Fall setze die Neue Oper Freiburg alles daran, in irgendeiner Form spielen zu können. «Gar nicht zu spielen ist für alle Beteiligten das schlimmste Szenario.»

Darum könne man auch mit den aktuellen Schutzmassnahmen gut leben. Für die Proben von «Mélisande et Pelléas» bedeutete dies etwa, dass die Akteure nach Möglichkeit immer in den gleichen Gruppen zusammen waren und dass die Requisiten jedes Mal desinfiziert werden, bevor jemand anderes sie berührt. Das alles vergesse man bei der Arbeit aber schnell, sagt Julien Chavaz. «Als wir nach der Zwangspause wieder anfangen durften, war das sehr emotional und hat viel Energie freigesetzt.» Das gelte auch für die bevorstehende Premiere: «Das wird ein besonderer Moment, den wir nie vergessen werden.»

Ausblick

Veranstalter blicken vorsichtig optimistisch Richtung Herbst

Ab heute sind in der Schweiz Veranstaltungen mit bis zu 300 Personen wieder erlaubt. Die Aufführung von «Mélisande et Pelléas» im ­Nui­thonie für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen, sei dennoch ausser Frage gestanden, sagt Thierry Loup, Direktor von Equilibre und Nuithonie. Grund sei, dass es noch kein funktionierendes Schutzkonzept gebe. Die Branche sei daran, ein solches auszuarbeiten. Dabei beschäftige die Theater vor allem die Frage, wie die Regeln für die Akteure auf der Bühne umgesetzt werden sollen: «Distanzregeln und Maskenpflicht auf der Bühne, das funktioniert einfach nicht.» Dennoch geht Loup davon aus, seine Säle im Herbst wieder öffnen zu können: «Wenn sich die Situation weiter positiv entwickelt, dürfte es bald weitere Lockerungen geben.»

Auf solche Lockerungen hofft auch Franz Baeriswyl, Präsident des Vereins Theater in Freiburg. Mitte September sollte die neue Saison starten, doch derzeit habe man keine Ahnung, was dann möglich sein werde. Baeriswyl hofft auf klare Aussagen vonseiten des Bundesrats, wenn dieser am 24. Juni über die nächsten Schritte informiert. Mit den aktuell geltenden Beschränkungen seien die Aufführungen im Equilibre nicht zu finanzieren. Dennoch treibt der Verein seine Saisonvorbereitungen voran. Zwei von sechs geplanten Stücken müsse man ersetzen, weil die Truppen ihr Programm wegen Corona geändert hätten, sagt Baeriswyl. Eine weitere Unsicherheit sei, wie das Publikum reagieren werde: «Viele unserer Abonnenten gehören zur Risikogruppe.»

Diese Sorge beschäftigt auch Barbara Senn Danecka, Präsidentin der Konzertgesellschaft Freiburg. Auch sie hofft, die Saison wie geplant im Oktober eröffnen zu können. Dazu brauche es aber zwingend weitere Lockerungsschritte. Auf der Bühne Distanzregeln einzuhalten, sei für ein sinfonisches Orchester schlicht unmöglich. Auch wolle sie ihre Künstler nicht vor einem halb leeren Saal spielen lassen: «Das ist nicht der Sinn eines Konzertes.» Dass die aktuellen Distanzregeln für ein Orchester problematisch sind, bestätigt Laurent Gendre, Dirigent und künstlerischer Leiter des Kammerorchesters Freiburg: «Wenn wir pro Musiker vier Quadratmeter Platz einrechnen müssen, brauchen wir entweder eine riesige Bühne oder können nur mit zehn bis zwanzig Musikern spielen.» Dazu komme, dass das Musizieren im Orchester eine gewisse Nähe brauche, damit man sich spüren könne. «Das heisst aber nicht, dass wir einfach nichts machen würden. Wir müssen Lösungen finden, denn es ist wichtig, überhaupt wieder anzufangen.» Das Orchester plane ab September wieder Konzerte, doch vieles sei noch offen: «Wir werden uns immer wieder anpassen müssen. Die Krise wird noch lange nachwirken, aber es ist auch stimulierend, die Saison unter diesen Umständen vorzubereiten.»

Vorsichtig optimistisch ist man bei Kultur im Podium in Düdingen: Der Verein möchte seine Saison Mitte September beginnen. «Wir planen ganz normal und sind zuversichtlich, dass es bis zum Herbst genug Lockerungen gibt, dass wir starten können», sagt Programmleiter Michael Blanchard. Schwierig wäre es, wenn man den Saal mit seinen gut 500 Plätzen nicht füllen könnte. Hingegen wäre es kein Pro­blem, Hygieneregeln einzuhalten und die Adressen der Besucher aufzunehmen.

cs

 

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