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«Eine Umweltsünde darf auch mal sein»

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«Eine Umweltsünde darf auch mal sein»

Nach 10 Jahren gibt Michael Perler sein Amt als Präsident des VCS Freiburg ab.

Sind die Leute in den letzten 10 Jahren wirklich umweltbewusster geworden? «Im Denken ja, im Handeln nein». Da sagt einer, der es wissen muss: Michael Perler hat sich seit Jahren für eine intakte Umwelt stark gemacht.

Michael Perler, einig sind sich eigentlich alle: Die Umwelt soll intakt, die Natur bewahrt werden. Doch letztendlich bleibt alles ein Lippenbekenntnis?

Irgendwo schon. Die Menschen sind sich der Umweltprobleme bewusst, handeln aber nicht darnach. Sie wissen um die Umweltbelastung, wenn sie ein noch grösseres Auto kaufen, denken vielleicht ganz kurz daran, dass ein Wochenendflug nach New York ein totaler Blödsinn sein könnte – aber was solls.

Es ist diese ewige Suche nach dem Glück …

Am falschen Ort. Man müsste sich viel öfters fragen, was einem so was bringen mag. Könnte ein Ausflug in die Berge, eine Wanderung in der Natur nicht viel mehr wert sein?

Anderseits – eine Umweltsünde darf auch mal sein.

Jahrelang waren Sie mit dem Rad unterwegs und strampelten bei jedem Wind und Wetter die Strecke Wünnewil-Freiburg ab. Alleine, oft aber auch mit Kinderanhänger. Wollten Sie damit ein Exempel statuieren, oder ist das Pedalen ganz einfach ein echtes Bedürfnis?

Weder noch. Mich motivierten drei Dinge. Erstens war ich mit dem Fahrrad viel schneller, jedenfalls schneller als mit Zug und Bus (Wünnewil-
Schönberg) und zweitens war ich nicht auf den Fahrplan angewiesen. Und drittens konnte ich pedalend abschalten. Doch heute mit meiner neuen Stelle ist das auch nicht mehr so. Jetzt fahre ich öfters Zug. Ein Auto habe ich nicht.

Also alle Autofahrer Todfeinde?

Ganz und gar nicht. Jeder findet nun mal Freiheit und Lebensqualität an unterschiedlichen Orten und mit unterschiedlichen Dingen. Also jedem das Seine!

Unter den vielen Radfahrern sind Sie aber trotzdem eine Ausnahmeerscheinung.

Ja, insofern, als meine Sichtweise etwas anders liegt. Die meisten Leute betrachten das Velo als Sportmittel. Mir hingegen war und ist es immer noch ein Anliegen, dass das Velo als vollwertiges Transportmittel angesehen wird.

Anderseits ist es ja auch nicht jedermanns Sache, verschwitzt und verspritzt ins Büro zu kommen.

Veloförderung ist das Stichwort dazu. Und da müssen Stadt, Kanton und auch die Betriebe mitmachen.

Hausaufgaben der Stadt also, die nicht gemacht wurden?

Tatsächlich. Im Vergleich zu anderen Schweizerstädten fehlen in Freiburg überdachte Veloabstellplätze, es gibt keine Velostreifen und von einem Vortritt bei Kreuzungen ist nur zu träumen.

Und die Betriebe?

Duschen müssten eingerichtet und Velounterstände geschaffen werden.

Mitmachen müssten ja auch die TF und die GFM

Ein leidiges Thema, das der VCS
x-mal angegangen ist. Die Ausreden blieben immer die gleichen: Radfahrer stören die andern Fahrgäste, Busse werden beschmutzt usw.

Ich habe wohl Verständnis für ein Verbot in Stosszeiten, aber nicht in Rand- oder Zwischenzeiten. Keine Spur von Kundenfreundlichkeit!

Also Wünsche an die Stadt, die nach 10 Jahren offen bleiben. Ebenso gibt es welche an die Adresse des Kantons.

Dass der Kanton in all den Jahren nicht von seiner Strassenphilosophie abgerückt ist, hat mich sehr enttäuscht.

Hier im Kanton wird eine gefährliche Kurve nach wie vor begradigt, die Strassenböschung wird abgetragen, Bäume werden gefällt und die Strasse verbreitert.

Ein konkretes Beispiel?

Die Strasse Châtel-Palézieux oder auch die Strecke Düdingen-Murten, alles Ausbauprojekte. Auch in Rechthalten gibt es einen Abschnitt, der so korrigiert wurde.

Eine Strassenmentalität aus den 70er Jahren, die in andern Städten längst verpönt ist.

So ist es. Anderswo bringt man Tempobeschränkungen an, installiert Radstreifen und pflanzt Bäume!

Nach 10 Jahren gibt es aber auch Erfreuliches zu berichten, Errungenschaften, die der VCS unter Ihrem Präsidium für sich verbuchen kann.

Ja, sicher. Primär das Thema rund um die Parkplatzbewirtschaftung. Auf unsere Einsprachen hin hat das Bundesgericht – ich glaube, es war 1992 – festgelegt, dass in luftbelasteten Gebieten zum Bau von Parkplätzen nicht die herkömmlichen Vorschriften angewendet werden dürfen.

Die konkrete Folge davon?

Im Rahmen der Überbauung Bahnhof-Süd in Freiburg sind nur 200 Parkplatze toleriert anstelle von ursprünglich 700.

Anderes, worauf Sie stolz sein dürfen?

Das Stimmvolk hat den Ausbau der Strasse Marly-Bürglen abgelehnt, und im zukünftigen Einkaufszentrum Löwenberg forderten wir eine Reduzierung der Parkplätze und eine Bewirtschaftung des Platzes von erster Minute an – auch mit Erfolg.

Doch das grosse Seilziehen begann mit der Poyabrücke. Dazu hat sich der VCS unermüdlich zu Wort gemeldet und liess nicht locker, bis die geforderten Begleitmassnahmen Gehör fanden. Wie steht es damit?

Ich bin zuversichtlich Das Projekt ist auf guten Wegen. Die Forderung, keine Poyabrücke ohne Cutaf, hat man – so glaub ich wenigstens – begriffen.

Das heisst?

Die Förderung des öffentlichen Verkehrs, eine Reduktion sowohl von Parkplätzen als auch von Strassenkapazitäten. Oder auch die Einführung des Kammersystems, das zum Ziel hat über die Mittagszeit den Verkehr teilweise einzuschränken.

Michael Perler – obwohl verpönt – stelle ich Ihnen die Allerweltsfrage. Wenn Sie König wären und zaubern könnten, worauf müssten wir uns gefasst machen?

(Lacht und überlegt eine ganze Weile) Ich denke, es würde dem Schweizervolk ganz gut tun, einmal für zwei, drei Wochen mit halb so viel Verkehr zu leben. Und die Menschen würden sehen, wie schön und lebenswert das alles wäre!

Interview: Irmgard Lehmann

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