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Einem legendären Mordfall auf der Spur

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Es ist ein legendärer Mord. In Rechthalten kennt wohl jede und jeder die Unglücksgeschichte der Christina Aeby, des «Rechthalten-Stinis»: eine junge Frau, die in einer Frühlingsnacht 1820 auf dem Rückweg vom Freiburger Markt brutal ermordet wurde. Nicht nur steht an der oberen Tächmatt selbst ein Gedenkstein, auch wurde die Geschichte mehrfach aufgearbeitet: erstmals 1949 im Freiburger Volkskalender von Meinrad Schaller, dann 1952/1953 von Joseph Birbaum in den Beiträgen zur Heimatkunde. Daneben findet sich das anonyme «Rechthaltenlied» in German Kollys «Wie die Alten sungen». Trotzdem scheut sich der Lehrer und Autor David Bielmann aus Rechthalten nicht, den Mordfall in einem historischen Roman neu zu bearbeiten. Vielleicht auch deshalb, weil Bielmann von seinem Arbeitsplatz zu Hause den Tatort und den letzten Weg der Christina Aeby sehen kann.

Wurde der Richtige bestraft?

«Im Schatten der Linde» steht am Ende der Geschichte einer der Protagonisten und betrachtet den grausam hingerichteten Mörder. Erwürgt und gerädert, nachdem er unter Androhung von Folter den Mord gestanden hatte – ein erzwungenes, ein erfundenes Geständnis? David Bielmann tut dem Leser nicht den Gefallen, einen Bösewicht den gerechten Tod sterben zu lassen. Im Gegenteil, es ist ein armer Kerl, dessen Tod am Ende nicht für Genugtuung steht. Aber einer musste halt sterben.

Wer nun das Rechthalten-Stini wirklich ermordet hat, will auch Bielmann nicht so richtig verraten: Der Autor lädt den Leser vielmehr ein, es selbst herauszufinden: «Was damals genau geschah, ging vergessen oder wurde dem Volk bis heute vorenthalten», so die neckische Einleitung. Um den Mörder in seinem Buch zu entlarven, stellt Bielmann viel historisches Material zur Verfügung.

Berge von Akten

Rund 250 Seiten Gerichtsakten lagern im Staatsarchiv Freiburg. Bielmann hat sie bereits vor acht Jahren allesamt transkribiert. «Danach war ich eine Weile ratlos. Ich hatte nicht erwartet, auf so viel Material über den Fall zu stossen», gesteht er. Dennoch war ihm bald klar, dass er seinen Roman um eben den Wortlaut dieser Akten anreichern würde. So sind grosse Teile der Befragungen und der Beschlüsse original wiedergegeben; der Leser als Ermittler ist Teil der Geschichte. «Nach der Lektüre der Originalaussagen ist der Leser fähig, sich selber eine Meinung zu bilden», so Bielmann auf die Frage, wer denn nun wirklich der Mörder gewesen sei.

Daneben hat der 33-Jährige weitere historische Quellen zurate gezogen und zur Freiburger Geschichte des frühen 19. Jahrhunderts recherchiert. Für die Entfaltung der Geschichte waren diese historischen Rahmenbedingungen wegweisend. Die Freiheit beim Schreiben sei da schon kleiner, sagt er. «Man kann die Leute 1820 nicht über die Galterenbrücke gehen lassen, sondern muss sie die Lorette hinunterschicken.» Nicht nur den historischen Gegebenheiten, sondern auch den Figuren, die wirklich gelebt haben, fühlt sich Bielmann daher stark verpflichtet.

Die Auflösung des Mordes ist zwar der zentrale Baustein des Romans. Aber es geht um mehr. Hervorragend beschreibt Bielmann die Stimmung im Sensler Dorf, das durch den erschütternden Mord aus seinem Frieden gerissen wird. Hinterher ist alles anders; niemand traut mehr dem anderen. Als ein fremder Maler im Dorf auftaucht, wird er beschimpft: «Er soll zeigen, dass er ein Maler und kein Mörder ist.»

Diese Atmosphäre sowie die Charakterisierungen der Protagonisten, mit denen der Leser mitfühlen kann, allen voran Landjäger Rotzetter, der den Mordfall lösen soll, machen «Im Schatten der Linde» zu einem kurzweiligen, lesenswerten Roman. Und zu einer Lektion in Freiburger Geschichte.

Buchvernissage: Kanisiusbuchhandlung Lüthy, Bahnhofallee 6, Freiburg. Do., 22. März 2018, 19.30 Uhr. Eintritt frei

Zur Person

Germanist, Lehrer, Schriftsteller

David Bielmann ist 1984 geboren. Er studierte in Freiburg Germanistik und Geschichte und unterrichtet heute an der EMF Berufsfachschule Freiburg. Er ist verheiratet und lebt in Rechthalten. David Bielmann ist der Autor von «Flucht eines Toten», wofür er 2010 den Ersten Preis beim Literaturwettbewerb der Universität Freiburg gewann, sowie zahlreicher, beliebter Gottéron-Krimis («Gastspiel», «Der Besuch der Russin» u.a.). 2016 erschien «Freedom Bar», wofür Bielmann die Lesefieber Feder erhielt. «Im Schatten der Linde» erscheint im Zytglogge-Verlag (2018).

vau

 

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