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Einige Wildtierkorridore sind versperrt

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Bauwerke wie Autobahnen und Bahnlinien tragen dazu bei, die Mobilität der Menschen zu verbessern. Für Wildtiere stellen sie aber Hindernisse dar, die ihre Mobilität einschränken oder gar verunmöglichen. Diese Bauwerke bilden für Dachse, Hirsche oder Biber zusammen mit Siedlungen und Industriezonen teils unüberwindbare Barrieren. Dies ist einer Studie von Jacques Studer und Stefan Suter zu entnehmen, welche die beiden Biologen für das Amt für Wald, Wild und Fischerei des Kantons Freiburg (Walda) erstellt haben. Mit ihrer Bautätigkeit zerschneiden die Menschen den Lebensraum wild lebender Tiere.

Aufgrund dieser und einer nationalen Studie hat der Kanton Freiburg in einem Bericht des Walda Wildtierkorridore definiert. Auf offenem Gebiet sind dies meist Achsen von mindestens 500 Metern Breite, auf denen die Wildtiere möglichst ohne Gefahren ihren Weg gehen können. Im Wald beträgt die Mindestbreite eines Korridors 100 Meter. Die ausgeschiedenen Wildtierkorridore sind behördenverbindlich und werden in die Richtpläne von Kanton und Gemeinden aufgenommen. Damit müssen die festgelegten Wanderrouten der wild lebenden Tiere nach Bundes- und Kantonsgesetz bei der Planung von Strassen und Bauzonen berücksichtigt werden.

Doch teilweise ist es schon zu spät: Weil vor dreissig Jahren noch kaum jemand daran dachte, bei der Planung von Autobahnen und Bauzonen auf die Wanderwege der Wildtiere Rücksicht zu nehmen, sind bereits einige ihrer ursprünglichen Achsen verbaut. «Bis vor zwanzig Jahren hatte noch niemand die Wichtigkeit von Wildtierkorridoren erkannt», sagt der Wildhüter des Seebezirks, Elmar Bürgy, im Gespräch mit den FN.

Brennpunkt Galmiz

Laut dem Bericht des Walda gibt es im Kanton Freiburg einige Wildtierkorridore, die intakt sind. Dies ist etwa im Raum Liebistorf im Seebezirk oder auch im Raum Schmitten im Sensebezirk der Fall. Im Raum Galmiz, Murten-Löwenberg und Ried bei Kerzers hingegen ist der definierte Wildtierkorridor für die Tiere unterbrochen (siehe Karte). «Wir haben den Tieren den Weg abgeschnitten», hält Bürgy fest. «Sie wissen nicht mehr, wo sie durch sollen.»

Die Tiere wollen vom Naturreservat Chablais ins Murtenholz wechseln, «doch Hauptstrassen, Gebäude, Zäune und die Autobahn A 1 versperren ihnen den Weg». Die Eisenbahnlinie sei weniger ein Problem, erklärt der Wildhüter, «denn die Tiere merken es früh, wenn ein Zug kommt».

Ursprünglich habe der Wanderweg der Tiere vom Chablais über Murten-Löwenberg Richtung Murtenholz geführt. Weil diese Route verbaut ist, versuchen die Wildtiere es über Galmiz. Viele Dachse, Rehe oder Wildschweine schaffen es nicht: Sie werden überfahren. Besonders gefährlich für Autofahrer und Wildtiere ist die Kantonsstrasse entlang des Chablais-Waldes zwischen Sugiez und Galmiz, die Hauptstrasse ausgangs Galmiz Richtung Kerzers sowie die Hauptstrasse von Murten-Löwenberg in Richtung Bern (siehe Karte). Jene Tiere, die dem Strassenverkehr zum Opfer fallen, werden im Kanton Freiburg statistisch erfasst: Seit rund sechs Jahren führt das Walda Fallwild-Statistiken jeder Region mit den genauen Standorten (siehe Karte).

Eine Patentlösung für Galmiz habe er nicht, sagt Bürgy. «Eine Brücke hinter dem McDonald’s bei der Autobahnausfahrt wäre bestimmt eine gute Variante, aber das will niemand bezahlen, und niemand will dafür Land hergeben», hält der Wildhüter nüchtern fest. Im Broyebezirk gibt es eine Landschaftsbrücke für Wildtiere über die Autobahn A1. Dieser Übergang hat eine Breite von 50 Metern und weist in etwa die gleiche Vegetation wie die Umgebung auf.

Auf Partnersuche

Ohne die Möglichkeit, regelmässig den Standort zu wechseln und auf Wanderschaft zu gehen, können einige der Wildtiere auf Dauer nicht überleben. Denn durch den Standortwechsel stellen sie den Gen-Austausch zwischen den Populationen sicher. Insbesondere die grösseren und räumlich anspruchsvolleren Säugetiere suchen ihre Partner teils über grössere Distanzen. Gerade Wildschweine zum Beispiel gelten als Fernwanderer. Grös­sere Gewässer sind für sie im Gegensatz zu stark befahrenen Strassen kein Problem, sie sind gute Schwimmer. Entsprechend ihrer artspezifischen Bedürfnisse und der Futtersituation wollen die Wildtiere von einem Waldgebiet in ein anderes oder in ein nahe gelegenes Rückzugsgebiet wechseln. Dies zu ermöglichen, ist der Zweck von Wildtierkorridoren.

Tiere brauchen Zeit

Auch Warteräume sind laut dem Bericht wichtig für die Wildtiere: Das sind Flächen, die Deckung und Ruhe bieten. Das brauchen die Tiere vor oder nach dem Überqueren einer Stelle, die für sie schwierig zu überwinden war. Beispiele dafür sind Flüsse, offene Flächen oder Strassen. Feldgehölze und kleine Wäldchen können zum Beispiel Rehen Deckung bieten und ihnen einen Moment Zeit geben. Die Tiere können sich so orientieren und auf einen günstigen Moment warten, um weiterzuwandern – oder um sich von der gefährlichen Überquerung einer Strasse kurz zu erholen.

In die richtige Bahn lenken

Von Menschen geschaffene Wildtierkorridore sind jedoch Nadelöhre. Damit die Tiere diese auch finden, schafft das Walda sogenannte Leitstrukturen. Das sind zum Beispiel Hecken, die in der Wanderrichtung der Wildtiere verlaufen und ihnen Sichtschutz bieten. Im Bericht des kantonalen Amts ist zur Region Galmiz festgehalten, dass solche Leitstrukturen im nördlichen Teil des Korridors fehlen.

Ein weiteres Problem in Galmiz ist, dass der Weg für die Tiere unter dem Autobahnvia­dukt versperrt ist: Das Bundesamt für Strassen (Astra) hat unter dem Viadukt Baustelleneinrichtungen gelagert und diese aus Sicherheitsgründen eingezäunt. Das Astra will mit dem Zaun verhindern, dass dort Kinder spielen. «Hier zeigen sich die unterschiedlichen Bedürfnisse», sagt Bürgy dazu. Es gehe nun darum, für alle Seiten einen gangbaren Weg zu finden, im wahrsten Sinne des Wortes. Glücklicherweise würden immer mehr Menschen auf die Problematik aufmerksam.

Rund ein Drittel ist intakt

In seinem Bericht hält das Amt für Wald, Wild und Fischerei fest, dass im Kanton Freiburg 31 Prozent der Wildtierkorridore intakt sind. 59 Prozent der Wanderrouten sind aber beeinträchtigt. Zehn Prozent der Wege sind komplett unterbrochen – vor allem durch eingezäunte Autobahnen.

Fallwild

Rund 200 tote Wildtiere im Jahr im Seebezirk

Viele Autofahrerinnen und Autofahrer kennen die Situation, mitten in der Nacht im Scheinwerferlicht plötzlich ein Wildtier vor sich zu sehen – sei es ein Fuchs, ein Wildschwein oder ein Reh. Wer bereits einmal ein Ausweichmanöver in hohem Tempo versucht hat, weiss, wie gefährlich das ist und wie rasch ein Lenker die Kontrolle über sein Fahrzeug verlieren kann. Wildhüter Elmar Bürgy empfiehlt, «in solchen Situationen das Steuer mit beiden Händen zu halten und kontrolliert abzubremsen». Meist sei es ohnehin zu spät, um eine Kollision zu verhindern.

Ereignet sich ein Autounfall mit einem Wildtier, ist dies oft nicht nur für das Tier eine schlimme Sache: «Die Autolenkerinnen und Autolenker stehen nicht selten unter Schock», sagt Bürgy. Meist passierten solche Unfälle bei schlechten Sichtverhältnissen und in der Nacht. «Manchmal wissen die Fahrer nach dem Aufprall gar nicht, ob sie einen Menschen oder ein Tier angefahren haben.» Das seien schwierige Situationen. Meist müsse er die verletzten Tiere von ihrem Leiden erlösen, erklärt der Wildhüter. Dies sei jedoch nicht für alle Autofahrerinnen und Autofahrer verständlich. «Ich versuche, sie zu beruhigen und dazu zu bewegen, zur Seite zu gehen, so dass ich das Tier ohne ihre Anwesenheit in Ruhe erlösen kann.»

Seit rund sechs Jahren erfasst das Walda jedes Tier, das durch den Menschen sein Leben lassen musste. Von jedem toten Tier werden die Koordinaten und die Todesursache genau erfasst. «Aber natürlich gibt es auch noch eine Dunkelziffer», sagt Bürgy. Fuchs, Baummarder oder Wildschwein – jedes Tier hat auf der Karte sein Zeichen (siehe Karte links). «Hinter jedem Zeichen auf der Karte ist ein Schicksal, es sind alles angefahrene Tiere, die starben», sagt Bürgy. Rund 200 tote Wildtiere sammle er jährlich in seinem Gebiet zusammen. Die meisten wurden überfahren, andere von Hunden gerissen, oder sie starben eines natürlichen Todes. Damit habe das Walda Fakten in der Hand. Mit den Zahlen begründet das Amt denn auch Massnahmen wie zum Beispiel das Pflanzen von Hecken als Leitstruktur.

emu

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