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«Er hat die Menschen ausgenutzt und profitiert»

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Wucher, Urkundenfälschung und Widerhandlung gegen das Ausländergesetz; dies wirft die Staatsanwaltschaft einem 67-jährigen Mann vor, der ursprünglich aus dem Sensebezirk stammt. Über Jahre lebte er in Freiburg und soll dort zwischen 2008 und 2013 rund 20 Wohnungen an Ausländer ohne gültige Aufenthaltsbewilligung aus dem Balkan zu Wucherpreisen vermietet haben. In der Anklageschrift sind knapp 50 betroffene Ausländer aufgeführt. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann vor, deren Situation schamlos ausgenutzt zu haben. Inzwischen ist der Beschuldigte nicht mehr im Kanton wohnhaft. Gestern musste er sich vor dem Bezirksgericht Saane in Freiburg verantworten. Der Staatsanwalt verlangte 20 Monate Haft. Die Verteidigung plädierte auf Freispruch. Der Gerichtspräsident kündigte das Urteil auf den 28. März an.

Von Sozialhilfe abhängig

Der Beschuldigte zeigte sich nicht geständig und machte gleich von Verhandlungsbeginn an klar, dass er keine Angaben zu den Vorwürfen machen werde. «Ich sage nur etwas zu meiner persönlichen Situation.» Der Mann war schick gekleidet, seine Haare mit Gel nach hinten gekämmt. Seinen linken Arm legte er lässig auf die Lehne des nächsten Stuhls.

Seine Antworten auf Fragen des Gerichtspräsidenten José Rodriguez waren meist kurz, schnippisch und emotional aufgeladen. «Ich bin seit drei Jahren geschieden», erklärte er. Er sei inzwischen Sozialhilfeempfänger und rund 50 000 Franken im Minus. Dies, weil er sich an der Börse verspekuliert habe. «Ich bin kein Gangster», sagte der Mann zum Gerichtspräsidenten.

«Der Mann hat die Menschen aus dem Balkan ausgenutzt und von deren sozialer Situation profitiert», sagte Staatsanwalt Frédéric Chassot. Er sei in dem Milieu bestens bekannt gewesen. «Im Kosovo und in Albanien ist er die Nummer eins für die Vermietung von Wohnungen in Freiburg.» Er habe sich darauf spezialisiert, eigene Wohnungen und gemietete Wohnungen an Ausländer weiterzuvermieten.

Bei Hausdurchsuchungen habe die Polizei in neun Wohnungen 43 Ausländer ohne gültige Aufenthaltsbewilligungen angetroffen. Die Studios seien unter seinem oder dem Namen seiner Ex-Frau gelaufen, die früher in Nachtlokalen als Kabarett-Tänzerin tätig war. «In einem Studio und in einer Zwei-Zimmer-Wohnung fand die Polizei 19 Personen», betonte Chassot.

In einem Fall sei auf einen ersten telefonischen Kontakt ein Treffen auf einem Parkplatz in Freiburg gefolgt. Dort habe der Beschuldigte 1200 Franken für einen Monat Miete für eine 1,5-Zimmer-Wohnung einkassiert. Daraufhin habe er die Schlüssel herausgegeben. Dies haben die Menschen aus dem Balkan bei der Befragung durch die Polizei gesagt. Der Angeklagte habe keine Verträge ausgestellt und sei einmal im Monat bei seinen Mietern vorbeigekommen, um die Miete bar einzuziehen. Der Mann habe zwar immer bestritten, zu wissen, dass sich die Menschen illegal in der Schweiz aufhalten, «aber das kann gar nicht sein, der Mann ist nicht glaubwürdig», sagte Chassot. «Es interessierte ihn nicht, wer in der Wohnung war, er wollte nur das Geld kassieren.» Nie habe er von einem der Mieter verlangt, ihm eine Aufenthaltsbewilligung vorzuweisen.

Die verlangten Mieten sind für den Staatsanwalt deutlich zu hoch: «Er verlangte 1200 Franken für eine 1,5-Zimmer-Wohnung.» Durchschnittlich kosteten 1-Zimmer-Wohnungen im Kanton Freiburg 630 Franken, 2-Zimmer-Wohnungen 885 Franken. «Er hat den Menschen den illegalen Aufenthalt in der Schweiz ermöglicht und Wuchermieten verlangt.» Beides sei strafbar. «Das Vergehen des Angeklagten wiegt schwer», sagte Chassot. Der Mann sei bereits 2009 und 2010 wegen Widerhandlung gegen das Ausländergesetz zu Bussen verurteilt worden. «Doch Einsicht zeigt der Mann keine.» Der Staatsanwalt verlangte gestern 20 Monate Haft.

«Es ist wichtig, zu wissen, wer der Mann ist», sagte Verteidiger Valentin Aebischer. Sein Mandant habe Autos verkauft, Hotels und Restaurants geführt und nie Probleme mit der Polizei gehabt. «Er ist kein schlechter Mensch.» Das Leben sei aber nicht immer so einfach. «Er hat es nicht verdient, mit knapp 70 Jahren ins Gefängnis zu müssen.» Schliesslich habe er schlicht und einfach eine Nachfrage befriedigt. «Die Menschen aus dem Balkan sind nicht arm und hilflos, sie wissen genau, was sie tun», sagte Aebischer.

Zu den Preisen und damit zum Vorwurf des Wuchers sagte der Verteidiger, «dass die Preise in diesen Kreisen üblich sind.» Von Durchschnittsmieten zu sprechen mache keinen Sinn, die Wohnungen seien zu unterschiedlich. Er verlangte einen Freispruch.

emu

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