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«Er macht nichts und will nur spielen»

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«Er macht nichts und will nur spielen»

Hundeattacke: Zwei Frauen berichten über Erfahrungen

Die eine Frau wurde kürzlich auf dem Spaziergang von einem Hund gebissen – die andere Frau auf der Biketour: Nicht alle Hundehalterinnen und -halter zeigen Einsicht.

Von IRMGARD LEHMANN

Eigentlich habe sie keine Angst vor Hunden, erzählt Cornelia B. Doch damit sei es jetzt vorbei. Das Erlebnis vor ein paar Wochen sei ihr in die Knochen gefahren. Mit einer Kollegin war sie auf einer Biketour von Heitenried nach Albligen, als bei einem Bauernhof, kurz vor der Dorfeinfahrt, vier brüllende Hunde auf die Bikerinnen zurannten. Cornelia wurde von einem angegriffen und an der Wade verletzt. Sie musste den Arzt aufsuchen.

Bei der Polizei erstattete Cornelia Anzeige. Doch Klage einreichen mochte sie nicht, da «dies ein langwieriges Verfahren nach sich zieht». Cornelia hoffte die Angelegenheit mit dem Landwirt gütlich zu regeln. Doch dafür hatte dieser kein Gehör. Im Gegenteil. Er habe die Bemerkung fallen lassen, dass es längst fällig gewesen sei, dass ein Hund einer dieser Biker fasse.
«Er macht nichts.» Und: «Er will nur spielen.» Jeder Spaziergänger, jeder Jogger und jede Bikerin hat diesen einen Satz schon x-mal gehört. Erfahrungen, wie beispielsweise diejenige von Angelika C. zeigen jedoch, dass blinder Glaube fehl am Platze ist. Auch sie spazierte kürzlich nichts ahnend von Tentlingen nach Pierrafortscha. «Auf einmal schoss ein kleiner Hund auf mich zu und packte mich an der Wade.» Sie sei zu Tode erschrocken, zumal der Hund nur «so ein Bodelumpe» gewesen sei, bemerkte die hochschwangere Frau. Sie habe der Halterin heftig ins Gewissen geredet. «Doch von Einsichtigkeit war keine Spur.»

Um sich gegen Starrkrampf impfen zu lassen, musste auch Angelika zum Arzt. Sie hatte den Vorfall ebenfalls der Polizei gemeldet, doch keine Klage eingereicht.

Strafklage einreichen

Die Kantonspolizei rät jeder Person, die von einem Hund angefallen wird, Strafklage einzureichen. Denn eine einfache Anzeige habe meistens für den Halter keine weiteren Konsequenzen.

Auf kantonaler Ebene ist allerdings diesbezüglich einiges im Gange. Im kantonalen Tierschutzgesetz sollen Bestimmungen verankert werden, an die sich der Hundehalter künftig zu halten hat. «Die Voraussetzungen um einen Hund zu halten müssen verschärft werden», sagte Kantonstierarzt Fabien Loup. Zumal Hundehalter zusehends mehr mit Jogger, Biker und Wanderer konfrontiert sind. Ein entsprechendes Projekt liegt vor und bis 2005 sollten die Vorschriften wirksam werden.

Obligatorischer Kurs für
Hundehalter?

Die Bestimmungen werden neu festgelegt auf Grund einer Motion, die von den Grossrätinnen Christine Schneuwly (CVP) und Claudia Cotting (FDP) eingereicht wurde.

Zur Frage steht ebenfalls die Forderung nach einem obligatorischen Kurs für Hundehalter.

Gemäss Kantonstierarzt sind aber auch die Jogger und Biker aufgerufen ihr Verhalten zu hinterfragen. «Jede Joggerin und jeder Jogger sollte wissen, dass man bei einem unbekannten Hund innehält und nicht einfach weiterrennt.»

Hundehalter muss Rücksicht
nehmen

Allgemeine Bestimmungen sind aber bereits jetzt gültig. So heisst es u. a. im kantonalen Jagdgesetz, dass der Halter dafür sorgen muss, dass ihm der Hund auf Befehl oder ein Zeichen hin zu gehorchen hat. Andernfalls müsse der Hund an der Leine geführt werden.

Auch ist es verboten, Hunde streunen zu lassen. (Nur maximal 250 Meter im Umkreis des Hauses sind ohne Halter erlaubt). «Wir Hundehalter sind es, die Rücksicht nehmen müssen», sagt Hunde-Experte Hans Schlegel (FN Donnerstag 24. Juni).
Übrigens müssen Schweizer Hunde ab 2007 mit einem Mikrochip oder einer Tätowierung markiert sein. Abklärungen nach Beissunfällen oder in Seuchenfällen sollen damit erleichtert werden.
Vorbildliches Verhalten eines Hundebesitzers

Jeden Morgen begegnet man Bernd Westermann mit Tina am Waldrand im Kleinschönberg: Tina, das ist die belgische Schäferhündin, die auf den kleinsten Wink ihres Herrn reagiert und so den Joggerinnen und Joggern das Leben leicht macht.

«Ein Hund ist a priori nicht schlecht. Doch der Halter kann jeden Hund schlecht machen», wenn er ihn schlage oder vernachlässige. Das sagt Bernd Westermann und er weiss, wovon er spricht. Denn er und seine Frau Ursula halten seit 35 Jahren Hunde im Haus.

Bernd Westermann nimmt seine Aufgabe ernst. Tag für Tag zieht er – bereits vor acht Uhr morgens – mit der fünfjährigen belgischen Schäferhündin los in Richtung Waldrand im Schönberg. Ein zweiter Spaziergang ist am Mittag programmiert und ab und zu ein dritter abends.

Mindestens zwei Stunden pro Tag sei er mit der Hündin unterwegs. «Ein Hund muss Auslauf haben und eine soziale Beziehung pflegen können.» Wie ist bitte? «Ja, das Tier muss ja auch Kontakt haben mit seinesgleichen.»

Auf Befehl parieren

Doch der Waldweg ist nicht nur das Reich der Hundehalter, sondern auch dasjenige der Joggerinnen und Jogger.

«Die meisten Leute haben Angst vor unserem Hund», bemerkt Bernd Westermann. «Dies obwohl er zahmer sei als mancher «Bodensurri». Daher pfeift Westermann seine Hündin immer zu sich, sobald er einen Jogger sichtet. Und Tina «wie Tina Turner» wie Westermann schmunzelnd meint, ist folgsam, sehr sogar. Keinen Wank macht sie, bleibt schön bei Fuss, wenn der Herr befiehlt. Eine Wohltat für jeden Jogger und jede Joggerin.

Doch folgsame Hunde sind keine Selbstverständlichkeit. «Mit einem Hund», so Westermann, «muss man streng sein und das Gehorchen tagtäglich trainieren.» Ob der Hund auch schon den Stock zu spüren bekam? «Niemals», sagt Westermann und man spürt förmlich das Entsetzen über solches Fragen. «Ein geschlagener Hund wird misstrauisch und aggressiv.» Belohnen sei die Erziehungsdevise. Und so bekommt Tina, die «treue Begleiterin» wohl heute noch das «Zuckerstückchen», wenn sie sich gut benommen hat. il

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