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Erfolgreich in der Nische

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Alles Geld, das er in seinem Leben je verdient habe, habe er mit der Musik verdient, sagt Manuel Oberholzer. Der Sensler Musiker, der als Künstler unter dem Namen Feldermelder bekannt ist, ist 41 Jahre alt. Seit etwa 18 Jahren könne er von seiner Musik leben, sagt er, doch auch vorher schon habe er damit Geld verdient: als DJ, als Techniker oder mit Liveauftritten. Dass die Musik einmal sein Beruf werden würde, war zwar nicht direkt geplant, aber doch irgendwie vorgezeichnet: «Es ist einfach passiert», sagt Oberholzer, der in der Elektronik-Szene längst international bekannt ist und in Städten wie London, Berlin, Peking, Tokio oder New York auftritt.

Alles selber beigebracht

Angefangen habe alles mit dem ersten Computer, den er als Jugendlicher bekommen habe, erzählt Manuel Oberholzer. Er habe immer mehr Musikprogramme gekauft und damit herumgetüftelt, oft zusammen mit seinem Bruder Frédéric, der unter dem Namen Toronaut ebenfalls als Musiker unterwegs ist. «Ich habe mir alles selber beigebracht. Ich kannte niemanden, den ich hätte fragen können, und im Gegensatz zu heute gab es damals auch keine Studiengänge für diese Art von Musik.» Auch Google und Youtube gab es in Oberholzers Jugend noch nicht – dafür lieh er sich Bücher aus, in denen er Anleitungen fand, nach denen er dann zum Beispiel seinen Walkman umbaute.

Während der Zeit am Gymnasium begann Manuel Oberholzer, als DJ aufzutreten. Dann fing er an, eigene Musik zu machen. «Irgendwann wurde ich im Fri-Son und im Bad Bonn gebucht, eines führte zum anderen – und es gab keinen Grund, etwas anderes zu machen.» Zwar begann Oberholzer ein Geschichtsstudium, doch der Entscheid für die Musik war längst gefallen – auch wenn seine Eltern damit anfangs nicht sehr glücklich gewesen seien.

Bereut habe er seine Berufswahl nie, sagt er. Er müsse zwar auf einiges verzichten, etwa auf regelmässige soziale Kontakte: «Wenn man so viel unterwegs ist wie ich, ist es schwierig, Teil des gesellschaftlichen Lebens zu sein.» Dafür aber könne er jeden Tag das tun, was er am liebsten tue – und das sei unbezahlbar. «Ich arbeite zwar vierzehn Stunden am Tag und habe niemals wirklich Feierabend, aber ich mache es gern.» Was ihn an der elektronischen Musik am meisten fessle, sei, dass es immer wieder Neues zu entdecken gebe und dass er jeden Tag etwas lernen könne. «Und es ist wahrscheinlich der einzige Job, in dem man jederzeit beschliessen kann, etwas komplett Neues auszuprobieren, etwas, das man noch nie zuvor gemacht hat.»

Von Corona ausgebremst

Zwar ist die elektronische Musik immer noch ein Nischenprodukt – reich werde man damit auch dann nicht, wenn man, wie er, international erfolgreich sei, sagt Manuel Oberholzer. Doch die Szene hat sich über die Jahre stark entwickelt. Heute gebe es für Musiker wie ihn auf der ganzen Welt so viele Events und Auftrittsmöglichkeiten wie noch nie, so Oberholzer. 2020 wäre für ihn ein «Superjahr» gewesen, sagt er, wäre nicht die Corona-Pandemie dazwischen gekommen. Um die achtzig Auftritte seien abgesagt worden, darunter eine Asien-Tour und eine Tour mit der Cellistin Sara Oswald, mit der er ein gemeinsames Projekt hat.

Wegen seiner internationalen Vernetzung war das Virus für Oberholzer früher ein Thema als für die meisten Schweizerinnen und Schweizer. Im Dezember kamen die ersten Absagen aus Asien – und Oberholzer ahnte nichts Gutes. «Ich habe viele Freunde in China, Hongkong und Taiwan, die Erfahrung mit Epidemien haben und mir nicht viele Hoffnungen machten. Spätestens als ich sah, dass China einfach eine ganze Stadt abriegelte, war mir klar, dass die Lage ernst ist.»

Wie die meisten Künstlerinnen und Künstler bringt die Krise auch Manuel Oberholzer in finanzielle Schieflage. «Es ist ganz einfach, wenn du nicht spielen kannst, verdienst du auch nichts.» Oberholzer weiss die Unterstützung, die er als Künstler in der Schweiz bekommt, zu schätzen. So erhält er eine Erwerbsausfallentschädigung von der kantonalen Ausgleichskasse und wurde von der Stadt Freiburg für eine Mini-Residenz im Rahmen der Corona-Hilfe für Kulturschaffende ausgewählt (die FN berichteten). Das sei eine schöne Anerkennung und ein Zeichen dafür, dass die Behörden hierzulande verstanden hätten, in welchen Schwierigkeiten die Kulturschaffenden steckten. Dennoch gebe es auch hier Lücken: Wer wie viel Unterstützung erhalte, sei manchmal schwer zu verstehen, und mehr noch als die Künstler selbst, seien es die Techniker oder Zulieferer, die durch die Maschen fielen.

«Menschen brauchen Kultur»

Manuel Oberholzer jedenfalls lässt sich von der aktuellen Situation nicht allzu sehr aus der Ruhe bringen. Zwar stehen bis Ende Jahr nur noch eine Handvoll kleinerer Konzerte, hauptsächlich in der Schweiz, in seiner Agenda, und er rechnet nicht damit, dass sich die Situation vor 2022 normalisieren wird. Trotzdem bleibt er gelassen: «Ich nehme die Dinge, wie sie kommen. Ich habe immer gesagt, ich mache das, solange es geht – und wenn es nicht mehr geht, mache ich etwas anderes. Ich habe einige Talente, die gefragt sind.» Vorerst nutzt Oberholzer seine Talente und die frei gewordene Zeit für kleinere Projekte, indem er etwa Bands aus der Region beim Abmischen ihrer Musik hilft. Im Rahmen der mit 5000 Franken dotierten Mini-Residenz der Stadt Freiburg will er an einer neuen Software für seine Liveshows arbeiten, ein Projekt, das er sowieso geplant hatte.

Trotz allem fehlten ihm die Auftritte vor Publikum, sagt er. «Das ist immer noch das, was ich machen will und was mich glücklich macht.» Er sei zuversichtlich, dass es wieder Livekonzerte mit Livepublikum geben werde. «Die Menschen brauchen Kultur. Die Kultur ist genauso wichtig wie andere Lebensbereiche.» Dennoch biete die Krise vielleicht die Möglichkeit, gewisse Dinge zu überdenken. «Wenn ich in der Vergangenheit für einen einzigen Auftritt nach Shanghai geflogen bin, gab mir das schon zu denken.» Als Künstler sei er abhängig von internationalen Auftritten: «Es gibt kaum einen Musiker in der Schweiz, der nur vom Schweizer Markt leben könnte.» Mehr als eine Reduktion der Events wünscht er sich darum eine bessere Bündelung und effi­zientere Transportmittel.

Hört man Manuel Oberholzer zu, merkt man, dass er einer ist, der sich über vieles Gedanken macht. Die Krise zeige die Schwächen des Systems, auch in der reichen Schweiz. Doch man könne nicht nur jammern und fordern, sondern müsse auch etwas tun. Da seien auch die Kulturschaffenden in der Pflicht, die das politische Feld lange anderen überlassen hätten. «Das ist typisch für meine Generation: Wir konnten uns selbst verwirklichen, ohne uns sonst um vieles kümmern zu müssen. Vielleicht trägt die Krise ja zu einem Umdenken bei und lässt uns alle etwas lernen.»

In einer Sommerserie widmen sich die FN den Kunstschaffenden im Kanton. Das Interesse gilt allen Kunstformen: der bildenden, darstellenden, musikalischen und literarischen Kunst. Nach dem Corona-Lockdown soll den Künstlern so ein wenig der ihnen gebührenden Aufmerksamkeit zurückgegeben werden.

Zur Person

In der Schweiz und im Ausland unterwegs

Manuel Oberholzer wurde 1979 als Sohn eines Zürchers und einer Sizilianerin in Heitenried geboren. Er wuchs zweisprachig auf, mit Deutsch und Italienisch. Heute lebt er in der Stadt Freiburg, ist aber viel im Ausland unterwegs. Seit 2001 tritt er unter dem Namen Feldermelder auf. Er hat Engagements in internationalen Metropolen, aber auch in Schweizer Clubs. Er hat mehrere Soloalben veröffentlicht und an Alben anderer Musiker mitgewirkt. Sein jüngstes Projekt ist eine Zusammenarbeit mit der Cellistin Sara Oswald; das gemeinsame Album «Hidden in Kaoris Castle» ist im vergangenen März erschienen. 2015 hat Manuel Oberholzer das kantonale Stipendium für das zeitgenössische Musikschaffen erhalten.

cs

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