Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

«Es könnte wieder passieren»

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Bildstarke Gruppenszenen und eindringliche Monologe, Cello und Gesang, Rap und Variété, historische Dokumente und Donald Trump: Auf den ersten Blick ist es ein wilder Mix, was das Junge Theater Freiburg, die deutschsprachige Theatergruppe der Kollegien St. Michael, Heilig Kreuz und Gambach, aus dem Stück «Die Weisse Rose» macht.

Grundlage der Produktion ist ein Stück der amerikanischen Autorin Lillian Garrett-Groag. Deren Texte dienen dem Kollegiumstheater jedoch nur als roter Faden. Dazwischen haben die jungen Schauspielerinnen und Schauspieler historische Dokumente, biografische Literatur, Filme und Bühnenstücke zu einem collagenartigen Theater verarbeitet. Ein Theater, das überzeugt: In den gestrigen Schülervorstellungen jedenfalls herrschte während neunzig Minuten gebannte Aufmerksamkeit. «Ich habe noch nie so ruhige Schüleraufführungen erlebt», sagte Thea­terleiter Robb Correll im Anschluss gegenüber den FN. Dabei sei er ganz und gar nicht sicher gewesen, wie das Stück bei dem jungen Publikum ankommen würde. Immerhin handle es sich um ein komplexes historisches Thema.

Eindringliche Szenen

«Die Weisse Rose» erzählt die Geschichte der gleichnamigen studentischen Widerstandsgruppe um die Geschwister Hans und Sophie Scholl, die 1942 in München zum Widerstand gegen den Nationalso­zialismus aufrief. Zwischen Februar und April 1943 wurden die Geschwister Scholl und ihre Mitstreiter wegen Hochverrats zum Tode durch das Fallbeil verurteilt. Das Urteil gegen Hans und Sophie Scholl sowie gegen ihren Freund Christoph Probst wurde am 22. Februar 1943 vollstreckt. Mit diesem Moment endet das Stück des Jungen Theaters Freiburg, in einer Schlussszene, die vielen Zuschauern in Erinnerung bleiben dürfte: Die jungen Theaterleute verlesen das Originalprotokoll von Sophie Scholls Enthauptung, mit allen grausamen Details, eine Minute und 48 Sekunden vom Verlassen der Zelle bis zur Vollstreckung. Derweil entledigen sich die Schauspielerinnen und Schauspieler ihrer Kostüme, bis am Ende auf der Bühne nur Kleiderhaufen zurückbleiben und unweigerlich Assoziationen an die Opfer des Nationalsozialismus wecken.

Persönliche Antwort auf Trump

Dass die anspruchsvolle Inszenierung so gut funktioniert, liegt in erster Linie an den dreizehn Schauspielern, die in jeder Hinsicht überzeugen. ­Robb Correll hat mit den 15- bis 20-jährigen Jugendlichen ganze Arbeit geleistet und sie in die Entwicklung des Stücks einbezogen. Die Produktion ist darum glaubwürdig getragen von den jungen Darstellern, die kein historisches Lehrstück präsentieren wollten, sondern eine Auseinandersetzung mit der Gegenwart, in der sie leben.

Dass eine Toneinspielung mit Donald Trumps Äusserungen zu Migration und Mauerbau ins Stück integriert wurde, kommt nicht von ungefähr. «Was in den USA und in anderen Ländern passiert, ist auch für uns wichtig», sagt Schauspieler Lucas Pfister. «Es geht nicht, einfach zu sagen: nicht mein Land, nicht mein Problem.» Für Anke Breihan, welche die Rolle der Sophie Scholl spielt, ist das Stück auch ein Aufruf, sich zu interessieren: «Gerade die Jungen müssen aufwachen und hinschauen.» Ihre Kollegin Noemi Müller ergänzt: «Was damals in Deutschland passiert ist, ist nicht einfach nur Vergangenheit. Es könnte wieder passieren, und darum müssen wir aufmerksam machen auf das, was schiefläuft.» Und Rebecca Kilde, auf der Bühne eine gestrenge Gestapo-Schergin, wird ganz konkret: «Der aktuelle Aufstieg des Rechtspopulismus ist besorgniserregend. Was damals die Juden waren, sind heute die Muslime.»

Theaterleiter Robb Correll seinerseits ist stolz auf seine Truppe: Er habe eigentlich nie ein Stück über den Nationalsozialismus machen wollen, habe sich aber überzeugen lassen. Der Bezug zur Gegenwart passe nicht nur zu den jungen Schauspielern, sondern auch zu ihm, so der gebürtige Amerikaner. «Seit der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten schaue ich keine Nachrichten mehr», sagt er. «Ein bisschen ist das Stück auch meine persönliche Antwort auf Trump.»

Öffentliche Aufführungen in der Aula des Kollegiums St. Michael, Freiburg: Mi., 22. März, und Do., 23. März, 20 Uhr. Eintritt frei (Kollekte).

Zahlen und Fakten

Kollegiumstheater für Deutschsprachige

«Die Weisse Rose» ist die fünfte Produktion des Jungen Theaters Freiburg unter der Leitung von Robb Correll. Dieser hat das Kollegiumstheater 2013 übernommen. Die Theatergruppe steht allen Schülerinnen und Schülern der deutschen Abteilungen der Stadtfreiburger Kollegien offen. Dieses Jahr sind dreizehn Jugendliche dabei, aus allen vier Jahrgängen und aus allen drei Gymnasien.

cs

Mehr zum Thema