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«Es musste alles immer stimmen»

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Der Saal im Hotel Murten war gestern recht gut gefüllt, als die Verantwortlichen des Abwasserreinigungsverbandes (ARA) Seeland-Süd über ihr Projekt informierten. In Muntelier will der Verband anstelle der alten eine neue, modernere und grössere ARA bauen. Diese soll die Abwässer der Regionen Murten und Kerzers reinigen. Gegen das Projekt ist Opposition erwachsen: Die Aktion Sauberer Murtensee kritisiert die Ableitung in den Murtensee. Die Ingenieure stellten gestern die technischen Einzelheiten des Projekts vor.

Ingenieur Thomas Haltmeier präsentierte das Vorprojekt und unterstrich, dass praktische Gründe für eine gemeinsame Lösung und das Projekt sprächen. Es seien intensive Diskussionen geführt worden. «Wir kamen uns manchmal vor wie bei einem Eheanbahnungsinstitut: Es musste alles immer stimmen, auch der Zeitpunkt.» Der ARA-Region Kerzers eile es. «Jemand muss unter die Haube. Der andere sagt: ‹Ich habe ja mein Heim, mir geht es gut, ich könnte noch Single bleiben›.» Das Paar habe sich dann doch gefunden.

Die Wirtschaftlichkeit sei so höher, sagte Haltmeier: «Sie ist eine der Haupttreiber für Zusammenschlüsse.» Verschiedene Studien hätten gezeigt, dass der Standort geeignet sei. Der Weg einer Ableitung in den Hagneckkanal, wie Kritiker es verlangen, sei zu lang. «Kurze Leitungen sind sinnvoll.» Komme hinzu: In Muntelier seien Teile der alten auch bei der neuen Anlage nutzbar. Die Platzverhältnisse seien zwar eng, weil die Fläche wegen des benachbarten Naturschutzgebietes nicht ausgeweitet werden könne. Doch dafür gebe es passende Technologien: «Mit diesen baut man ARAs in Städten und an sensiblen Standorten.» Muntelier sei so ein sensibler Standort.

Andreas Schaffner, der Generalplaner, der das detaillierte Vorprojekt nun weiterbearbeitet, bewertete es als modern, wirtschaftlich und weit gediehen. Die Bauweise sei kompakt, das Abwasser werde effizient gereinigt, der Wirkungsgrad sei hoch.

Eric Mennel vom Freiburger Amt für Umwelt unterstrich, dass die geplante ARA in einer Evaluation die besten Resultate erhalten habe, etwa punkto Boden- und Naturschutz, Preis oder Energieverbrauch. Für den Kanton sei eine bessere Wasserqualität wichtig. Eine grosse Anlage verbessere die Reinigungsleistung. Er sehe darum die Reduktion der Zahl der ARAs von 27 auf noch 11 vor. Problematisch sei der hohe Phosphoreintrag in den See, der zu Sauerstoffmangel führe. Die neue Anlage wäre nur für ein halbes Prozent des zukünftigen Phosphoreintrags verantwortlich, der Rest komme von anderen ARAs und der Landwirtschaft. Haltmeier ergänzte: «Wenn Sie einen sauberen Murtensee wollen, müssen sie bei diesen 99,5 Prozent eingreifen.» Reto Battaglia vom Berner Wasseramt sagte: «Wir wollen nicht einfach unsere Abwässer in den Kanton Freiburg schicken.» Doch der Bielersee sei von anderen ARAs entlang der Aare schon genug belastet. Er betonte, dass die neue Anlage, wie vom Bund vorgeschrieben und grosszügig subventioniert, Mikroverunreinigungen entnehmen kann, vor allem Medikamente wie Schmerzmittel oder Betablocker.

«Murtensee ist ungeeignet»

Viele Kritiker aus der Runde vertraten eine ähnliche Meinung wie die Aktion Sauberer Murtensee, wonach der Standort Muntelier teuer und nicht nachhaltig sei. Es gehe nicht an, geklärte Abwässer in den Trinkwasserspeicher Murtensee zu pumpen. «Muntelier hat gar keine Freude», sagte ein Anwesender; die Einleitung in die sauberere Aare und den Hagneckkanal sei vorzuziehen. Ingenieur Haltmeier wiederholte: «Die Aare ist schon lange kein Bergwasser mehr und stark vorbelastet.» Er bestätigte aber, dass die doppelstöckige Bauweise teurer sei.

«Natürlich schauen wir zuerst für uns, das ist unser Recht», sagte eine Anwesende. Das Argument, das Abwasser müsse in einen anderen See geleitet werden, sei kurzsichtig, entgegnete Haltmeier: «Nach dem See ist vor dem See», das Problem werde einfach an einen anderen Ort verlagert.

Der Generalplaner führt das Vorprojekt weiter aus. Der Baukredit wird einer Abstimmung in den Mitgliedgemeinden vorgelegt. Die Baueingabe ist für 2018 vorgesehen, der Baubeginn 2020. Dann sind drei Etappen geplant. Die Arbeiten laufen parallel zum Normalbetrieb der alten ARA. Die Fertigstellung und der Anschluss der Region Kerzers an die neue Anlage sind für 2023 angedacht.

Zur Geschichte

Ein Millionenprojekt für den Seebezirk

Der ARA-Verband Seeland-Süd will die Abwasserreinigungsanlage (ARA) in Muntelier für über 60 Millionen Franken um- und ausbauen. Die Anlage soll fähig sein, Abwasser zu reinigen, das der Menge von 75 000 Einwohnern entsprechen würde. Sie soll über eine neue Leitung das Abwasser der Region Kerzers aufnehmen. Die heute 17 beteiligten Gemeinden der Regionen Murten und Kerzers entschieden sich 2011 für das Projekt in Muntelier. Letztes Jahr bildete sich die Aktion Sauberer Murtensee als Opposition gegen das Projekt. Sie will das Abwasser in Kerzers klären und in die Aare bei Kallnach leiten.

fca

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