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«Es wird Zeit, den Frauen Verantwortung zu übergeben»

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«Es ist für mich eine grosse Ehre, dieses Amt übernehmen zu dürfen. Es zeigt, dass der Bischof grosses Vertrauen in mich hat», sagt Ma­rianne Pohl-Henzen über ihr neues Amt in der katholischen Kirche. Sie ist seit dem 1. August Nachfolgerin von Bischofsvikar Pascal Marquard und die erste Frau in diesem Amt.

«Teil des Wandels»

Mit Marianne Pohl-Henzen als «Bischofsvikarin» geht die katholische Kirche in Freiburg neue Wege. Normalerweise übernehmen Priester das Amt des Bischofsvikars. «Ich finde, dass Priester nicht immer die geeignetsten Personen für ein solches Amt sind. Sondern auch mal ein Laie – eine Frau wie ich», so Pohl-Henzen, die selbst viele Jahre Adjunktin des Bischofsvikars war.

«Was mir besonders am Herzen liegt ist, dass wir unseren Mitmenschen mehr zuhören.»

Marianne Pohl-Henzen

Bischöfliche Delegierte für die Bistumsregion Deutschfreiburg

Der gesellschaftliche Wandel ist auch in der katholischen Kirche spürbar. So hat auch Papst Franziskus erst gerade sechs Frauen in den bisher von Männern dominierten Wirtschaftsrat berufen. «Ich würde schon sagen, dass meine Position als Frau hier sehr wichtig für andere Frauen in der Kirche ist. Ich bin ein Teil des Wandels.»

«Titel ist mir nicht wichtig»

«Bischöfliche Delegierte für die Bistumsregion Deutschfreiburg»: Das ist der offizielle Titel von Marianne Pohl-Henzen. Laut dem katholischen Kirchenrecht kann nur ein Priester – ein Mann, der die Priesterweihe abgelegt hat – zum Bischofsvikar ernannt werden. Für eine Frau ist das deshalb in der katholischen Kirche nicht möglich. Doch das stört Pohl-Henzen nicht: «Was für einen Titel ich habe, ist mir eigentlich nicht wichtig. Das ist nun mal so. Hauptsache, ich mache meine Aufgaben gut.» Sie hat seit dem 1. August fast alle Aufgaben, die ein Bischofsvikar hat, übernommen. «Da ich eine Frau bin, kann ich nicht alle Priesteraufgaben, wie die Firmungen oder Gottesdienste, übernehmen. Das muss immer noch ein Priester machen», erklärt sie.

Mehrere Jahre arbeitete Pohl-Henzen bereits für das Bischofsvikariat Deutschfreiburg und kennt die Aufgaben des Amts in- und auswendig. Sie wird sich um das Personalwesen, die Pastoralplanung und die administrativen Arbeiten kümmern. «Ich hoffe, dass ich in Zukunft mehr mit der kantonalen katholischen Körperschaft zusammenarbeiten kann», sagt Marianne Pohl-Henzen. Ausserdem seien die Aufgaben zum Personalwesen besonders herausfordernd. Hier hofft sie besonders auf Unterstützung.

Persönliches Anliegen

«Was mir besonders am Herzen liegt ist, dass wir unseren Mitmenschen mehr zuhören», sagt Pohl-Henzen. Sie findet es wichtig, dass die Kirche auf die Menschen zugeht und sich um sie kümmert. «Ich glaube, manchmal sind wir zu weit weg. Das habe ich vor allem während des Corona-Lockdown gemerkt.» Auch für Menschen, die von der Gesellschaft nicht akzeptiert werden, will sie sich mehr engagieren und ihnen helfen – unabhängig ihrer Religion. «Ich finde, man muss heutzutage eine gewisse Offenheit mitbringen. Das heisst ja nicht, dass man dadurch etwas von seiner religiösen Überzeugung verliert.» In der eigenen Familie ist sie ebenfalls mit anderen Konfessionen und Religionen konfrontiert. Dadurch sind für sie die Ökumene und der interreligiöse Dialog sehr wichtig. Als «Bischofsvikarin» gehört die konkrete Umsetzung ihrer Vorstellungen nicht zu ihren eigentlichen Aufgaben, sie möchte ihre Anliegen jedoch mit den Pfarreiseelsorgenden und Fachstellen besprechen.

Nicht nur positive Reaktionen

Pohl-Henzen hat zu ihrem neuen Amt viele positive Reaktionen erhalten: «Viele haben mir gratuliert und sich gefreut, dass eine Frau für dieses Amt gewählt wurde.» Doch ist sie auch mit Skeptikern in Kontakt gekommen. «Nicht alle akzeptieren eine Frau in diesem Amt. Für viele strahlt ein Priester immer noch mehr Autorität aus als ich – eine Frau, die dazu noch nicht einmal Nonne ist», sagt sie. Vor allem ältere Menschen, die sich stets Männer in der katholischen Kirche gewohnt waren, seien skeptisch. «Meiner Meinung nach, können Frauen dieses Amt genauso gut übernehmen. Es wird Zeit, dass den Frauen mehr Verantwortung übergeben wird», sagt sie. Eine Zusammenarbeit und Aufgabenteilung sei gefordert. Vor allem nachdem viele Priester der katholischen Kirche in den letzten Jahren oft für Aufsehen gesorgt haben. «Durch all diese Skandale hat der Ruf der Priester und der Kirche stark gelitten», so Pohl-Henzen. Sie glaubt, dass jetzt eine Frau in diesem Amt die richtige Wahl ist und für mehr Glaubwürdigkeit sorgen kann.

Einsetzungsfeier: Am 16. September um 18 Uhr findet in der katholischen Kirche in St. Antoni die Einsetzungsfeier durch Bischof Charles Morerod statt.

Werdegang

Durch Schicksalsschläge geprägt

Marianne Pohl-Henzen wuchs in einer streng katholischen Familie auf. Als Schülerin besuchte sie in Freiburg eine katholische Schule. Der Glaube war immer schon Teil ihres Lebens. «Die Religion hat einfach dazugehört. Ich habe das nie infrage gestellt», sagt Pohl-Henzen.

Der erste Schicksalsschlag folgte nach ihrer ersten Schwangerschaft: Ihr erstes Kind wurde tot geboren. «Ich war am Boden zerstört. Ich habe angefangen, an meinem Gott zu zweifeln, und mich gefragt, wie ich das verdient hatte.» Die beiden nächsten Schwangerschaften verliefen gut – zwei gesunde Jungen brachte sie auf die Welt. Doch das vierte Kind wurde wieder tot geboren. «Die Zweifel sind wiedergekommen, und ich fragte mich, wie das weitergehen soll.»

Ihr Interesse am Glauben wurde durch diese Schicksalsschläge, aber besonders durch die eigenen Kinder, die eingeschult werden sollten, erst so richtig geweckt. «Ich wollte wissen, was und wie ihnen Religion beigebracht wird. Ich habe mich wieder intensiver damit befasst», sagt sie. So hat sie sich – trotz vorgängigem Sprachstudium – mehr über den Beruf der Religionslehrerin informiert und bald schon eine Ausbildung zur Katechetin gemacht. Schnell fand sie Gefallen an der Arbeit mit den Kindern und der Religion und meldete sich für den Studiengang Theologie in Zürich an. Sie engagierte sich auch in diversen Seelsorgeteams der Region und des Bistums und war viele Jahre als Religionslehrerin in Schulen tätig. Vor acht Jahren wurde sie Adjunktin des Bischofsvikars in Freiburg. Das, bis sie am 1. August Bischofsvikar Pascal Marquard als erste Frau in diesem Amt abgelöst hat.

km

 

 

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