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Etwas mehr als die Pflicht

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Wenn Anton Raemy diesen Freitag sein Büro in der Gemeindeverwaltung von Plasselb räumt und in Pension geht, endet eine Ära. Als er am 1. Juli 1975 die Stelle als Gemeindeschreiber antrat, schrieb er mehrfach Lokalgeschichte: So war er damals der erste vollamtliche Gemeindeschreiber von Plasselb. Er war bei seinem Antritt mit knapp 23 Jahren mit Abstand der jüngste Amtsinhaber im Sensebezirk. Und er ist der Einzige im Kanton Freiburg, der in einer Gemeinde Schreiber (sechs Jahre in Zumholz) und gleichzeitig in seiner Wohngemeinde Plasselb Gemeinderatsmitglied war.

Eine Besonderheit ist auch, dass er in Plasselb 14 Jahre Gemeindeschreiber war und nach einem Unterbruch von zehn Jahren wieder auf diesen Posten zurückgekehrt ist. Bis auf ein einziges Jahr in der Privatwirtschaft hat Anton Raemy seine gesamte berufliche Tätigkeit im Dienste der öffentlichen Hand verbracht, inklusive der kaufmännischen Lehre, die er im Betreibungsamt Sense absolviert hat. Er war jahrelang im Nebenamt Friedensgerichtsschreiber und Zivilstandsbeamter.

Schwierige Anfangsjahre

Die Arbeit auf einer Gemeindeverwaltung habe ihm immer gefallen. «Es ist ein liberaler Job, obwohl man sieben Chefs hat. Man kann selbständig arbeiten und seine Zeit nach Gutdünken einteilen», fasst er zusammen. Leicht war es nicht immer, vor allem nicht in der Anfangszeit. Wie es damals noch üblich war, musste er mit dem Stellenantritt seinen Wohnsitz nach Plasselb verlegen – in ein Dorf, das ihm aber nicht ganz fremd war, weil er eine Plasselberin geheiratet hatte. Eine der ersten Aufgaben war der Aufbau des Gemeindebüros, das damals in einem leer stehenden Schulzimmer untergebracht war. Eine Ausbildung zum Gemeindeschreiber und -kassier gab es damals nicht. «Einiges hat mir der Vorgänger gezeigt, anderes hat mir Alfons Cotting, damals Gemeindeschreiber von Giffers, beigebracht. Für den Rest musste ich selber schauen und ausprobieren, wie es am besten geht.» Jede einzelne Buchung inklusive der Jahresabschluss wurden von Hand gemacht, sämtliche Korrespondenz auf der Schreibmaschine geschrieben.

Schreiben und rechnen, beides liege ihm, sagt er. Wer ihn einmal bei der Präsentation einer Jahresrechnung erlebt hat, kennt seine Leidenschaft für Zahlen. Nicht umsonst ist und war er bei zahlreichen Gemeindeverbänden als Rechnungsführer und -revisor im Einsatz – zwei dieser Ämter in den Berufsbeistandschaften und Sozialdiensten im Ober- und Mittelland behält er über die Pension hinaus bei.

In Ruhe am Wochenende

Belastend war in der Anfangszeit vor allem, dass er alleine im Büro war, denn erst 1987 wurde eine Lehrstelle geschaffen. Kamen viele Anrufe oder Leute an den Schalter, blieb die Arbeit liegen, «und man hat sie halt später gemacht.» Schwierige Buchungen habe er sowieso am liebsten an einem Sonntagmorgen vorgenommen, oder er sei am Samstag ins Büro gegangen, etwa um die Rechnungen für alle 300 Steuerkapitel, welche die Gemeinde bis 1994 selber einkassiert hat, zu schreiben. Dazu kamen abendliche Sitzungen in diversen Gremien. Auf die Frage, wie viele Überstunden er geleistet habe, winkt er ab. «Das gehört dazu», sagt er. «In einer solchen Position muss man immer etwas mehr machen, als es die Pflicht vorsieht.» Er sei gerne bereit gewesen, sich ins Zeug zu legen, bis alles klar und geregelt sei. «Mir kann niemand vorwerfen, dass ich Lohn bezogen habe, ohne dafür zu arbeiten.»

Mit kritischen Bürgern, die am Telefon oder Schalter ihren Frust loswerden, habe er gut umgehen können, und schlaflose Nächte wegen seiner Arbeit habe er nur wenige gehabt. «Ich habe höchstens das eine oder andere Mal nachts eine Weile überlegt, wie ich etwas am besten verbuche, damit es aufgeht.» Vor allem als die Finanzen in Plasselb nach dem Bau der Mehrzweckhalle knapp waren, habe er oft ganz genau kalkulieren müssen, wie rasch die Rechnungen am besten bezahlt werden.

Offener geworden

Längst ist Plasselb zur neuen Heimat des gebürtigen Heitenrieders geworden. Er freut sich über die Entwicklung, die das Dorf mitgemacht hat. «Plasselb hat sich massiv geöffnet.» Neuzuzüger hätten frischen Wind und neue Visionen ins Dorf gebracht. «Früher hatten die Dorfclans das Sagen.» Die Zukunft werde zeigen, wie es in Plasselb weitergeht, sagt er zum Fusions-Nein einer Mehrheit der Bevölkerung. «Es wird immer schwieriger, Leute zu finden, die bereit sind, sich in der Gemeinde zu engagieren.» Er erinnert sich noch an die Zeit zwischen 1970 und 1980, als es in Plasselb mit CVP, CSP und FDP drei aktive Parteien gab. «Damals war es leichter, Kandidaten zu finden. Eine Demokratie steht und fällt mit ihren Parteien.»

Ein Kommen und Gehen

In die Amtszeit von Anton Raemy auf der Gemeindeverwaltung Plasselb fielen fünf Ammänner und eine Gemeindepräsidentin. Mit wie vielen Gemeinderätinnen und Gemeinderäten er zusammengearbeitet hat, weiss er nicht. «Es war ein Kommen und Gehen. Einige blieben länger, bei anderen war es ein kurzes Gastspiel», fasst er lakonisch die häufigen Wechsel zusammen, welche die Gemeinde in den letzten Jahren hinnehmen musste – gerade jetzt sind zwei Sitze im siebenköpfigen Rat frei.

So gehörte es zwangsläufig auch zu seinen Aufgaben, die «Neuen» zu coachen, sie über laufende Dossiers zu informieren und in die administrativen Abläufe einzuführen. «Auch wenn sie meistens ihr Amt sehr motiviert antraten, brauchte es eine gewisse Zeit, um sie à jour zu bringen.» Für ihn war es ein Vertrauensbeweis, wenn die Gemeinderäte ihn arbeiten liessen und froh waren, dass er den Überblick behielt. «Entweder sieht man die Zusammenhänge oder nicht.» Nach 34 Jahren in der Gemeindeverwaltung kann er diese Fähigkeit auf jeden Fall für sich in Anspruch nehmen.

Er habe sich schon als junger Mann dafür interessiert, was in der Öffentlichkeit vorgeht, antwortet er auf die Frage, ob seine Arbeit für ihn ein Traumjob war. Deshalb habe er eine berufliche Tätigkeit in diesem Bereich schon früh im Hinterkopf gehabt. «Es hat für mich gestimmt.»

Politik

Lieber im Hintergrund Ideen entwickeln

«Es sind zwei verschiedene Welten», sagt Anton Raemy über sein zehnjähriges «Gastspiel» als Gemeinderat. Er habe zwar die Pflichten eines Gemeinderates gekannt, «aber es ist noch einmal eine andere Ebene». Er sei nicht ein Mensch, der an vorderster Front stehen müsse, sondern eher einer, der im Hintergrund Ideen entwickle und an Verbesserungen arbeite. In seine Gemeinderatszeit fiel das grösste Bauprojekt in der Geschichte der Gemeinde: die neue Mehrzweckhalle. «Meine Aufgabe war es, das Geld für das Acht-Millionen-Projekt zu beschaffen.» Es sei gut gewesen, auch mal diese Seite zu sehen, sagt er und schliesst auch seine Zeit beim Amt für Gemeinden ein, wo er während seiner «Auszeit» von Plasselb während vier Jahren tätig war.

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