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Europa: ein geistiger Begriff

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Studientag anlässlich der Europatage zur Orthodoxie

Den multikulturellen Hintergrund des Christentums in den Mittelpunkt gerückt hat eine interkonfessionelle Tagung zum Thema «Orthodoxie und Europa», die am Samstag stattgefunden hat. Vor der Aktualität heutiger Weltprobleme gelte es nach Überzeugung der orthodoxen Kirchen Europas, bei der geistigen und kulturellen Begegnung von Ost und West stets zwischen Kontinuität und Erneuerung, Wesen und Form, Einheit und Vielfalt abzuwägen, warnte der griechisch-orthodoxe Metropolit der Schweiz, Damaskinos Papandreou. Ausgangspunkt der Diskussionen an der Tagung war die Überzeugung einiger westlicher Politiker, Europa ende da, wo die Orthodoxie beginne.

Der Einladung zur Studientagung der Institute für Ökumenische Studien und für Ost- und Mitteleuropa (beide in Freiburg) sowie für Höhere Studien in Orthodoxer Theologie (Chambésy bei Genf) waren über 60 Teilnehmer aus allen in der Schweiz vertretenen christlichen Konfessionen gefolgt, unter ihnen der Apostolische Nuntius in Bern, Erzbischof Pier Giacomo de Nicolo, und der Rektor der Universität Freiburg, Paul-Henri Steinauer.

Für Menschenrechte

Zehn Jahre nach dem Oktober des Jahres 1989, der Geburtsstunde des neuen Europa, schienen egoistisch motivierte Stimmen dieses neue Europa allein nach politischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Kriterien ausgestalten zu wollen, kritisierte Vlassios Phidas, Vertreter der orthodoxen Kirche Griechenlands beim Weltkirchenrat in Genf und Professor für Kirchengeschichte an der Universität Athen. Diese Stimmen liessen sich offensichtlich vom Gedanken irreleiten, auf die Schwächeren sei keine Rücksicht zu nehmen. Und genau hier melden sich die Kirchen laut Phidas zu Wort: «Sie lassen es nicht zu, dass sich eine moderne europäische Politik über die Menschenrechte hinwegsetzt.»

Multinationalität und Multikultur seien eine echte Bereicherung und Motivierung des vereinten Europas, unterstrich der russische Erzbischof Longin, Düsseldorf, der Vertreter der russisch-orthodoxen Kirche bei der Europäischen Union in Brüssel. Damit die Multinationalität und Multikultur Europas aber nicht zur blossen Folklore verkommen, bedürfen sie gemäss Erzbischof Longin der Rückbesinnung auf die eigenen und gemeinsamen Wurzeln. Denn diese seien allein Garanten der unbedingt nötigen Identität. Tradition, Wurzeln, Überlieferung gälten heute jedoch als veraltet, obwohl gerade die Leugnung dieser Werte am zunehmenden nationalistischen Fundamentalismus mitschuldig sein könnte.

Innerchristlicher Faktor

Longin stellte weiter die rhetorische Frage: «Auf welchem Hintergrund können heute verbindliche ethische Werte, Verantwortung gegenüber der Schöpfung und Bewahrung der menschlichen Würde formuliert werden, wenn nicht auf religiöser Basis?» Konfliktherde wie jene auf dem Balkan könnten nur gelöst oder verhindert werden, wenn der innerchristliche und interreligiöse Faktor miteinberechnet werde. Es dränge sich dabei die Frage auf, wie das Christentum in der heute immer mehr zusammenwachsenden Welt etwa mit dem Islam in Beziehung treten wolle, solange die innerchristliche Einheit weiterhin nicht greifbar sei.

Erster Schritt auf diesem Weg muss wohl die Anerkennung der Tatsache sein, dass die orthodoxe Kirche zu Europa gehört. Dies betonten sowohl der Rumäne Viorel Ionitsa, Professor für Kirchengeschichte in Bukarest und Studienleiter der Konferenz Europäischer Kirchen in Genf, als auch der griechisch-orthodoxe Metropolit von Frankreich, Jeremias. Die Orthodoxie müsse nicht erst in Europa integriert werden – wie manche meinen. Sie sei im Gegenteil ein grundlegendes Element für Europa.

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