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«Firma verliert ihre Seele und Geschichte»

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Autor: karin aebischer

«Wir wussten, dass wir mit dieser Nussschale auf den Weltmeeren nicht bestehen können», sagt Walo von Mühlenen. Im Jahr 2006 haben er und sein Vater die Käsehandelsfirma von Mühlenen AG deshalb an die Cremo AG verkauft. Nun sind die beiden draussen: Am 1. Juni teilte die Cremo AG per Communiqué mit, dass sie die komplette Führung des Unternehmens von Mühlenen in Düdingen übernehmen wird. Das Unternehmen habe in den vergangenen zwei Jahren so grosse Verluste eingefahren, dass Cremo im Sinne einer guten Rentabilität die Firma nun selbst in die Hand nehmen wolle (FN vom 3. Juni). Dies hatte zur Folge, dass Roger und sein Sohn Walo von Mühlenen den Betrieb verlassen mussten. Der 49-jährige Walo von Mühlenen war als Geschäftsführer tätig, sein Vater war Präsident des Verwaltungsrates und für den Einkauf zuständig.

Starken Partner gesucht

Walo von Mühlenen ist enttäuscht, wie sich die Dinge entwickelt haben. Für ein Unternehmen in der Grösse der von Mühlenen AG sah er ohne starken Partner an der Seite keine Zukunft, deshalb der Verkauf an Cremo. Im Nachhinein sei er enttäuscht von der Zusammenarbeit. Die versprochenen Investitionen in die von Mühlenen AG seien nur zu Beginn getätigt worden und danach ausgeblieben. Um neue Märkte zu erschliessen und das Unternehmen profitabel zu gestalten wären diese dringend nötig gewesen. Dies habe man auch immer wieder gegenüber Cremo betont und auf die Risiken hingewiesen. Dies sieht Cremo anders. «Es sind Investitionen getätigt worden, und weitere sind geplant. Zuerst wollten wir die Sache jedoch finanziell voll im Griff haben», sagt Cremo-Generalsekretär Michel Pellaux.

Grosse Währungsverluste

Ohne die Investitionen in neue Märkte war gemäss Walo von Mühlenen die Firma der Finanzkrise schutzlos ausgeliefert. Dies sei der Grund dafür, weshalb die von Mühlenen AG im letzten Jahr grosse Verluste verzeichnete. Der starke Franken und die Überproduktion an Emmentaler Käse hätten das Unternehmen aus der Bahn geworfen. «Wir konnten diesen Währungsturbulenzen nichts entgegensetzen.» Dank des grossen Einsatzes der 20 Mitarbeitenden in Düdingen sei das Boot nicht schon viel früher untergegangen. Dafür sei er sehr dankbar, so von Mühlenen. Auch Michel Pellaux hält fest, dass ein Teil des Firmenverlustes mit der Währungsproblematik erklärt werden kann.

Abschiedstour bei Käsern

In den vergangenen zwei Wochen begaben sich Roger und Walo von Mühlenen auf Abschiedstour bei ihren Käse-Lieferanten. «Einfach so davonstehlen wollten wir uns nicht», erklärt Walo von Mühlenen. Mit den meisten Käsern habe die Zusammenarbeit länger als ein Jahrzehnt angedauert.

Auch zu den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Düdingen hätten sie ein familiäres Verhältnis gepflegt. Die meisten seien seit zehn Jahre oder länger im Betrieb tätig. «Um die Mitarbeiter machen wir uns am meisten Sorgen», so von Mühlenen. Michel Pellaux sagte auf Anfrage den FN, dass keine Mitarbeitenden entlassen würden. «Der Käsekeller in Düdingen ist ein wichtiger Standort für Cremo.» Einzig auf der Stufe Buchhaltung könnte es zu Verschiebungen des Arbeitsplatzes von Düdingen an den Hauptsitz in Villars-sur-Glâne kommen.

Wie es für Walo von Mühlenen beruflich weitergeht, steht noch nicht fest. «Bei meiner Erfahrung liegt es nahe, weiterhin im Käsehandel tätig zu sein.» Dabei könne er auch vom Familiennamen von Mühlenen und der damit verbundenen Tradition auf dem Käsemarkt profitieren. «Die Liste der Preise, die der Käse unserer Familie gewonnen hat, ist mehrere Seiten lang», so Walo von Mühlenen. Er und sein Vater hätten jeden Käse getestet, der aus dem Keller ging und so die Qualität sichergestellt. Dass das Unternehmen weiterhin von Mühlenen AG heissen wird, kann er sich nicht vorstellen. «Die Firma hat ihre Seele, die Geschichte und ihr Gesicht verloren.» Für Cremo ist eine Namensänderung jedoch kein Thema. «Der Name bleibt, er ist eine Marke und hat eine lange Tradition im Käsehandel», sagt Generalsekretär Michel Pellaux.

Walo von Mühlenen testete jeden Käse, der seinen Keller in Düdingen verliess. Wie hier im Sommer 2010.Bild Charles Ellena/a

Emmentaler: Zu wenig Käufer in der Schweiz

Um die Zukunft der Emmentaler-Produzenten macht sich Walo von Mühlenen grosse Sorgen. «Wenn der Franken zulegt, ist der Emmentaler Käse einer der ersten, den es trifft.» Von 25000 Tonnen produziertem Käse würden pro Jahr 18000 Tonnen ins Ausland exportiert. Lediglich 7000 Tonnen bleiben in der Schweiz. Beim Greyerzer Käse beispielsweise sieht es anders aus: 20000 Tonnen werden in der Schweiz konsumiert, 10000 Tonnen sind für den Export bestimmt.

Auch der Milchverarbeiter Cremo hat bereits Massnahmen getroffen und die Emmentaler-Produktion zurückgefahren, wie Generalsekretär Michel Pellaux erklärt. Seit zwei Monaten werde in einigen Käsereien gar kein Emmentaler mehr hergestellt. «Wir sind in Kontakt mit jedem Kunden und prüfen, wie gut der Käse verkauft wird.» Die Produktion müsse dann diesen Verkaufsschätzungen angepasst werden. ak

 

Zur Firmengeschiche

Schon Urgrossvater im Käsegeschäft tätig

Schon Walo von Mühlenens Urgrossvater war um 1861 als Käse-Affineur tätig. 1936 übernahm sein Sohn Walo von Mühlenen I die Geschäfte, und ab 1954 wurde der Export durch Roger von Mühlenen ausgebaut. 1970 wurde die von Mühlenen AG Düdingen gegründet. 1996 übernahm Walo von Mühlenen die Geschäftsführung. Ein Käse-Affineur ist Bindeglied zwischen Käsereien und Käufern. Er sucht den richtigen Käse aus, veredelt und verfeinert ihn. Nach der optimalen Reifungsdauer wird der Käse ins Ausland exportiert. ak

 

«Wir wussten, dass wir mit dieser Nussschale auf den Weltmeeren nicht bestehen können.» Walo von Mühlenen

Autor: ehemaliger Geschäftsführer der von Mühlenen AG

«Einfach so davonstehlen wollten wir uns nicht.»

Autor: Walo von Mühlenen

Autor: ehemaliger Geschäftsführer der von Mühlenen AG

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