Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

«Fische erzeugen keinen Jö-Effekt»

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Mit dem Ausflug seines Teams ins Entenmoos habe sich der Kreis wieder geschlossen, sagt Jean-Daniel Wicky. Die Renaturierung des Entenmoos war das Thema seiner Dissertation, bevor er in den Staatsdienst trat. Heute nun hat der kanto­nale Fischereiverwalter seinen letzten Arbeitstag. Mit 60 Jahren geht er vorzeitig in Rente. Zum Abschied ist er mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ins Hochmoor bei Rechthalten gegangen. Während des Ersten Weltkriegs wurde dort Torf gestochen, um die Büros der kantonalen Verwaltung zu beheizen und die Armengenössigen mit Brennmaterial zu versorgen. Zwar wurde später der Abbau eingestellt, als 1987 aber die «Rothenthurm-Initiative» angenommen wurde, war klar, dass das Entenmoos renaturiert werden muss. Und so kam Wicky mit dem kantonalen Forstamt in Kontakt, wo er später seine Lebensstelle antreten sollte. Er arbeitete unter drei Staatsräten und drei Amtschefs. Am schönsten fand er es unter Staatsrat Pascal Corminboeuf. «Die Funktion des Fischereiverwalters war damals neu geschaffen worden, und ich durfte den neuen Arbeitsbereich aufbauen und organisieren.» Wicky schaut auf eine bewegte Zeit zurück: «Das ist wie bei einem Fluss. Es gibt Hochwasser, Niederwasser, und manchmal ist das Flussbett auch trocken.»

Die «guten» alten Zeiten

Als Jean-Daniel Wicky 1994 in der kantonalen Verwaltung anfing, waren Mails und Handys noch nicht gebräuchlich. Die Wildhüter und Fischereiaufseher hielten sich aber im Feld auf. Der junge Chef war also gefordert. «Anfangs riefen wir die Ehefrauen zu Hause an und liessen den Wildhütern und Fischereiaufsehern ausrichten, wenn sie ausrücken mussten.» Manchmal sei er auch in Funkkontakt mit seinen Leuten gewesen. «Ich kann mich noch gut erinnern, wie wir uns zum Fenster hinauslehnen mussten, um eine Verbindung zu haben», erzählt Wicky. «Später bekamen die Wildhüter und Fischereiauf­seher dann einen Telefonbeantworter und später ein Faxgerät. Das war eine grosse Erleichterung.» So war das in den alten Zeiten. «Ob sie gut waren, sei dahingestellt.»

Spannungsfeld Staat – Fischer

Die Fischerei und die Jagd waren ursprünglich Regalrechte, also Hoheitsrechte eines Königs. Seit der Gründung des Schweizerischen Bundesstaates besitzt der Staatsrat diese Sonderrechte. Das ist in gewisser Weise noch heute so. Nur dass der Kanton die Fischerei und die Jagd der Bevölkerung überlässt. Der Bereich war lange Zeit mittels polizeilicher Vorschriften geregelt.

Mit dem Inkrafttreten des Bundesgesetzes über die Fischerei 1991 kam aber die grosse Wende. Neu standen der Schutz der einheimischen Fische und Krebse, die Artenvielfalt, der Schutz ihres Lebensraums und dessen Aufwertung im Fokus. «Das erforderte bei den Fischern ein Umdenken», sagt Wicky. «Das Archaische – Fischen als Nahrungsbeschaffung – ging verloren.» Wicky erklärt sich mit diesem Umstand auch die Konflikte, die die Fischereiverbände zuweilen mit dem Staat austragen, der seinerseits einen gesetzlichen Auftrag zu erfüllen hat. «Wer ein Hobby ausübt, möchte dies frei tun können. Und dann kommt der böse Staat …»

Fische sind diskrete Tiere

Auf der anderen Seite geht den Umweltorganisationen der Schutz der Gewässer und Fische nicht weit genug. Der Eindruck, dass die Fische nach wie vor einen schweren Stand haben – auch im Kanton Freiburg  – täusche nicht, bestätigt Wicky. «Fische sieht man nicht, und sie sind stumm. Sie erzeugen keinen Jö-Effekt wie Rehkitze oder Wildschwein-Frisch­linge.» Dabei seien sie spannende Lebewesen und ein wichtiger Indikator für den Zustand der Gewässer. «Zwei Drittel bis drei Viertel der in der Schweiz vorkommenden Fischarten sind gefährdet und stehen auf der Roten Liste», mahnt Wicky. Im Ökosystem Gewässer spielten Fische aber eine wichtige Rolle. «Die einen fressen Algen, die anderen abgestorbene Pflanzenteile und Kleinlebewesen. Sie dienen anderen Dritten wiederum als Nahrung, und so weiter.»

Druck auf Gewässer nimmt zu

So ist der Handlungsbedarf zum Schutze der Fische und ihres Lebensraumes immer noch gross, sagt Wicky, der übrigens seit dreissig Jahren kein Fleisch isst, in einem Ökohaus wohnt und das General-Abonnement der SBB hat. Den Fischen im Kanton Freiburg gehe es zwar grundsätzlich nicht schlechter als den Fischen der übrigen Mittelland- und Voralpenkantone. «Der Druck auf die Gewässer wird aber weiter zunehmen – vonseiten der Wasserkraftnutzung, der Landwirtschaft, dem Hochwasserschutz sowie aufgrund der Freizeit- und Tourismusaktivitäten.» Die Gesetze seien da. Aber leider würden wirtschaftliche Interessen in unserer Zeit meistens höher gewichtet als die Ökologie. «Das hat mich in meinem Job oft sauer gemacht», sagt Wicky. Auch, weil nicht genügend finanzielle und insbesondere personelle Ressourcen bereitgestellt worden seien. «Oft mussten wir Feuerwehrübungen machen.»

Im Kleinen einiges bewirkt

Dennoch ist Wicky stolz auf sich und sein Team: «Auf die vielen kleinen Dinge, die wir bewirken konnten.» Etwa wenn sie mit einem Gutachten auf ein Wasserbauprojekt Einfluss nehmen konnten, wenn die Ufer ökologisch gestaltet wurden, und als sie dem Saanebett Kies zugeführt haben, auf den die Fische angewiesen sind.

Morgen beginnt für Wicky ein neues Kapitel. Er wird frei sein, wie ein Fisch im Wasser. In sein Rentnerdasein startet er mit Familienferien in Ligu­rien, dann folgt eine lange Reise nach Südamerika.

«Wer ein Hobby ausführt, möchte das frei tun können. Und dann kommt der böse Staat.»

«Bis zu drei Viertel der in der Schweiz vorkommenden Fischarten stehen auf der Roten Liste.»

Mehr zum Thema