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Freiburg verliert einen bedeutenden Unternehmer, Mäzen und Visionär

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Autor: Urs Haenni

«Wir gedenken des innovativen Unternehmers, grosszügigen Mäzens und Vaters unseres Instituts.» Mit diesen Worten verkündet das Adolphe Merkle Institut den Tod jenes Mannes, der dem Forschungsinstitut für Nanotechnologie seinen Namen gegeben hat. Merkles Weitblick und Engagement hätten neue Impulse gesetzt, welche weit über die Grenzen Freiburgs hinaus wahrgenommen würden.

Das Adolphe Merkle Institut ist ein letztes Lebenswerk des Freiburger Industriellen und Unternehmers, der eigentlich das Licht der Öffentlichkeit gescheut hat. Einen Wikipedia-Eintrag zu seiner Person sucht man vergebens, und als die Gemeinde Greng ihn zum Ehrenbürger machte, da kam Merkle nicht an die Gemeindeversammlung.

Und doch konnte Adolphe Merkle sich den Ehrungen nicht entziehen. 2003 machte ihn die Universität Freiburg zum Ehrendoktor, 2007 verlieh ihm der Freiburger Grosse Rat das seltene Ehrenbürgerrecht. Merkle hatte in jenem Jahr der Freiburger Universität 100 Millionen Franken gespendet und damit den Grundstein zu Lehre und Forschung für Nanomaterialien an der Universität Freiburg gelegt. Sogar das deutsche Magazin «Der Spiegel» berichtete über die «Rekordspende».

Der 1924 in Düdingen geborene Adolphe Merkle (siehe unten) berücksichtigte mit dieser Spende seine Alma Mater, an der er Volkswirtschaft studiert und mit dem Doktorat abgeschlossen hatte. Doch auch mit dem Doktorat in der Tasche war für Merkle die Arbeitssuche im Freiburg der 50er-Jahre schwierig.

Der Mut des Unternehmers

So entschloss sich der damals 27-Jährige, selbständiger Unternehmer im Immobiliensektor zu werden. 1952 baute er gerade ein Mietshaus in Freiburg, als er vernahm, dass in unmittelbarer Nähe die Firma Vibro-Meter in Schwierigkeiten war. Nach einer Woche entschied sich Merkle, die Firma zu kaufen und mit ihr einen Neustart zu wagen.

Aus diesem Wagnis wurde eine Erfolgsgeschichte: Vibro-Meter zählte bald schon Firmen wie Daimler-Benz, Porsche, Brown-Boveri, Shell zur Kundschaft. Die Firma begann, ihre Messtechniken in der Luftfahrt anzuwenden und galt fortan als Kompetenzzentrum für Flugzeugüberwachungssysteme. Als Partner eroberte Vibro-Meter mit der Ariane-Rakete gar das Weltall. 1991 verkaufte Merkle Vibro-Meter an die Electrowatt.

«Merkle war einer der grossen Industriellen», sagt Alain Riedo, Direktor der Freiburger Handelskammer. «Mit der Firma Vibro-Meter hat er ein Know-how geschaffen, von dem viele andere Firmen in der Region profitiert haben.»

Während sich Merkle von Vibro-Meter löste, kümmerte er sich über den 80. Geburtstag hinaus um das Tagesgeschäft des Familienunternehmens Ziegelei Düdingen und seiner Immobilienfirma.

Adolphe Merkle kannte den Erfolg, er blieb aber auch von Schicksalsschlägen nicht verschont. Merkle und seine Frau verloren ihren Sohn bei einem Unfall, als dieser gerade das Gymnasium abschloss. Er selber war die letzten Jahre ans Spitalbett gebunden.

So entschloss sich Adolphe Merkle, sein Vermögen der Jugend in Form eines Forschungsinstitutes zu übergeben. Er konnte für das Projekt Persönlichkeiten wie den alt Bundesrat und Präsidenten der Uno-Vollversammlung, Joseph Deiss, gewinnen.

Ein weiteres Mal liess er Weggefährten an seiner Grosszügigkeit teilhaben. Eine Adolphe-Merkle-Strasse gibt es noch nicht, doch er schuf mit dem Adolphe Merkle Institut ein letztes Mal einen Weg für Leute, die an seine Visionen glauben. Die Mitarbeiter des Instituts schreiben: «Wir bedauern, dass unser Mäzen uns auf diesem Weg nicht mehr weiter begleiten kann.»

Isabelle Chassot:«Vermächtnis verpflichtet»

Staatsrätin Isabelle Chassot war die Person, die Adolphe Merkle als erste über seine 100-Millionen-Spende informiert hat. Sie schluckte zweimal leer, fragte sich, ob sie die Zahl richtig verstanden habe, und ist seither Stiftungsrätin des Adolphe Merkle Instituts.

Wann haben Sie Herr Merkle das letzte Mal getroffen?

Ich besuchte ihn im November letztmals im Spital. Vor zehn Tagen haben wir ihm vom Staatsrat aus noch einen Brief geschrieben, weil wir ihn besuchen wollten.

Wie stark hat er noch Anteil an den Geschicken des Instituts genommen?

Obwohl er sehr geschwächt war, war er gegenüber der Stiftung sehr präsent. Er hat sich sehr für das politische und wirtschaftliche Geschehen interessiert.

Wie hat Adolphe Merkle die Entwicklung des Instituts beurteilt?

Der Bereich Forschung und Technologie war ihm wichtig. Wir haben mit dem Institut schon schöne Erfolge erzielt. Etwa Mittel aus europäischen Forschungsfonds erhalten und 55 Mitarbeiter angestellt. Ich bin froh, dass er das noch hat sehen können. Sein Vermächtnis verpflichtet.uh

Spitzentechnologie hat auf Adolphe Merkle stets eine besondere Faszination ausgeübt.Bild Alain Wicht/a

In Greng war Merkle ein engagierter Bürger

Autor: Marc Kipfer

Ein «Plagööri» sei Adolphe Merkle nie gewesen, obwohl alle in der Gemeinde wussten, dass er sehr viel Geld hatte. Dies sagt Edi Scherz, der frühere Syndic von Greng. Scherz und Merkle waren Weggefährten in der Gemeindepolitik: 1982 wurde Scherz Vize-Syndic, Merkle wurde Präsident der Finanzkommission. Für diese Funktion sei Merkle mit seiner ökonomischen Erfahrung ein «herrlicher Mann» gewesen, sagt Scherz.

Auch abseits der Finanzen habe sich Merkle für vieles interessiert, was in der Gemeinde passierte, so Scherz. Häufig sei er an die Gemeindeversammlung gekommen, und wenn nicht, habe Merkle später wissen wollen, was entschieden wurde. «Wir haben immer gut kommuniziert», so der Ex-Syndic.

Dann, Ende der achtziger oder Anfang der neunziger Jahre, habe Merkle die Finanzkommission verlassen, erinnert sich Scherz. «Ihm passte etwas nicht im Zusammenhang mit dem Umbau des Schlosses. Er war der Meinung, dass wir den Bauherren zu viel Freiheit lassen.»

Für Grosszügigkeit bekannt

Wesentlich später, Mitte des letzten Jahrzehnts, habe man Merkle in Greng zum Ehrenbürger ernannt, so Scherz. Das Ehepaar Merkle sei im Dorf für seine Grosszügigkeit bekannt gewesen. «Wenn jemand Geld für einen guten Zweck sammelte, ging er immer zuerst zu ihnen.» Zuletzt sei Merkle jedoch krankheitsanfällig gewesen, sagt Scherz, der den Kontakt zu seinem Weggefährten allmählich verlor. «Die letzten vier oder fünf Jahre habe ich ihn nie mehr gesehen.»

Düdinger Wurzeln nie vergessen

Autor: Imelda Ruffieux

Adolphe Merkle hat in Düdingen viele Spuren hinterlassen. Sein Grossvater hatte 1902 die Ziegelei übernommen. Sein Vater leitete sie ab 1934 und er selbst hat sie von 1960 bis zum Verkauf an ein Innerschweizer Unternehmen im Jahr 2006 als Verwaltungsrat geleitet. Anton Wohlhauser, Vize-Direktor der «Ziegeleien Freiburg & Lausanne AG», hat 30 Jahre mit ihm gearbeitet und ihn als Person sehr geschätzt. «Adolphe Merkle war einer, der eine gute Zusammenarbeit im Betrieb gefördert hat.» Seine Mitarbeiter seien ihm wichtig gewesen. «Er war ein Vorbild. Er gab seine grosse Energie an uns alle weiter», sagt er. «Adolphe Merkle hat nie gejammert, sondern auch in schwierigen Zeiten nach Lösungen gesucht.»

Anton Wohlhauser hat auch mitbekommen, wie schwer für Adolphe Merkle der Tod seines Sohnes Vincent war. «Nur mit seinem Unternehmergeist konnte er diesen Verlust überwinden.» Merkle sei ein «Chrampfi» gewesen, einer, der nie Ferien gemacht habe. «Ein gutes Essen oder ein Glas Rotwein waren für ihn wie Ferien», sagt Anton Wohlhauser. «Was Adolphe Merkle angefangen hat, führte er immer zu Ende. Das war bis zum Schluss so, als er schon krank war»

Mit der Musik verbunden

Bevor sich Adolphe Merkle für das Familienunternehmen engagierte, hat er als junger selbständiger Unternehmer Spuren in Düdingen hinterlassen. So baute er in Düdingen ein Gebäude mit 16 Wohnungen, einem Restaurant und dem Kino Exil. «Das Kino hat er seiner Frau zuliebe gebaut», sagt Erwin Götschmann. Der ehemalige Präsident der Musikgesellschaft Düdingen hatte bis zuletzt Kontakt zu Adolphe Merkle. Der Verstorbene und seine Frau waren 2005 «für besondere Dienste» zu Ehrenmitgliedern des Vereins ernannt worden. «Ihnen ist es zu verdanken, dass wir unser Ausbildungszentrum realisieren konnten», sagt Erwin Götschmann. Die Nachwuchsförderung und damit der Erhalt des ältesten und traditionsreichsten Dorfvereins sei Adolphe Merkle ein grosses Anliegen gewesen. «Schon sein Vater war Ehrenmitglied der Düdinger Musik.»

Erwin Götschmann hat auch die andere Seite von Adolphe Merkle gekannt. «Er war engagierter, initiativer Unternehmer, aber auch ein zurückhaltender Mensch, der sich nicht gerne in den Vordergrund drängte.» Als Unternehmer des alten Stils und weitsichtiger Mensch habe er aber den Fortgang der von ihm unterstützten oder initiierten Projekte stets im Auge behalten. «Er war ein weit gereister Unternehmer, der seine Wurzeln zeit seines Lebens nicht vergessen hat.» Ein Zeichen dafür sei auch der Moderna-Wohnblock, den die Adolphe Merkle Stiftung beim Bahnhof Düdingen derzeit baut.

Vibro-Meter:Der Visionär mit Elefanten-Gehirn

Adolphe Merkle hat sein ganzes Leben lang für die Firma geschuftet. Er hatte einen unnachgiebigen Willen.» So beschreibt Peter Huber, Generaldirektor der Meggitt AG (früher Vibro-Meter), den verstorbenen Firmengründer. Ausdauernd sei er gewesen, zielstrebig und intelligent. «Wir nannten ihn scherzhaft das Elefanten-Gehirn. In seinem Büro lag nicht ein Blatt Papier, er konnte sich alles merken», erinnert sich Huber, der 1989 in die Firma einstieg.

Grosszügiger «Patron»

Gleichzeitig sei Merkle noch ein «Patron» der alten Schule gewesen, so der CEO. Hinter vorgehaltener Hand nannten ihn seine Angestellten «Papa Merkle». Für die Belegschaft gründete Merkle bereits in den Fünfzigerjahren eine Pensionskasse und unterstützte mit einer Stiftung auch die berufliche Weiterbildung. Langjährige Mitarbeiter erinnern sich an Auslandsreisen zu Firmenjubiläen und köstliche Weihnachtsessen. «Er war eine grosszügige Persönlichkeit.»

Den Gründer Adolphe Merkle werde die Firma als Visionär und Unternehmer in Erinnerung behalten – und auch als den «Wahnsinnigen», der mit 28 Jahren aus jugendlichem Leichtsinn ein Unternehmen gründete.cf

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