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«Gehirn ist auch im hohen Alter leistungsfähig»

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Am Symposium «Hirnforschung & Menschenbild» referiert Günter Rager zum Thema «Ich und mein Gehirn»

Autor: Mit GÜNTER RAGER sprach IRMGARD LEHMANN

Die Lernfähigkeit des menschlichen Gehirns ist unübertroffen. 100 Milliarden Nervenzellen und deren flexible Vernetzung sorgen für Spitzenleistungen. Und doch ist es das Vergessen, das den Menschen am meisten beschäftigt. Warum können wir uns beispielsweise vieler Ereignisse aus früher Kindheit nicht mehr entsinnen?

Unser Gehirn ist im Prinzip zu unglaublichen Gedächtnisleistungen in der Lage. Das zeigen die sogenannten «Savants».So konnte sich z.B. ein junger Mann aus der Hubschrauber-Perspektive die Stadt Rom während 20 Minuten anschauen und einprägen. Danach sollte er das Gesehene auf eine mehrere Quadratmeter grosse Fläche zeichnen. Die Genauigkeit der Wiedergabe war schlichtweg verblüffend.Diese «Savants» haben jedoch grosse Defizite in anderen Bereichen, z.B. in ihrem sozialen Verhalten. Wir durchschnittlichen Menschen können solche Leistungen nicht erbringen, weil wir uns auf vielen verschiedenen Feldern bewähren müssen. Dafür müssen wir Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden und Unwichtiges ausblenden.

Heutzutage hört man immer wieder, dass das Gehirn auch im hohen Alter leistungsfähig ist oder sich gar weiterentwickelt – doch nur unter gewissen Bedingungen.

Es ist richtig, dass das Gehirn auch im hohen Alter leistungsfähig ist, vorausgesetzt, dass es nicht durch Stoffwechselstörungen, Infektionen, Störungen der Blutversorgung, übermässigen Alkoholgenuss usw. in seiner Funktion geschädigt wurde.

Glauben Sie, dass eines Tages Alzheimer und Demenz geheilt werden können?

Zuerst muss man die auslösenden Faktoren für diese Erkrankungen genau kennen, ehe man eine echte kausale Therapie entwickeln kann. Es wird sehr viel getan auf diesem Gebiet.Ob man diese Krankheiten einmal vollständig heilen kann, ist momentan nicht vorhersagbar. Sicher wird man den Krankheitsverlauf mildern können. Dass man die Alzheimer-Erkrankung mit dem Einsatz von embryonalen Stammzellen wird heilen können, ist jedenfalls ein Märchen.Das meinen auch Stammzellforscher, die zugleich bedauern, dass im Zuge der Abstimmungsdebatte über die Stammzellforschung in unseriöser Weise solche Hoffnungen geweckt wurden.

Der gebürtige Wiener und Nobelpreisträger Eric Kandel sei daran, eine «Pille fürs Gedächtnis» zu entwickeln – ein Viagra fürs Gehirn. Was halten Sie davon?

Bei der «Pille für das Gedächtnis» muss man erst einmal abwarten. Wunderdrogen wurden schon häufig und in vielen Bereichen angepriesen.

Warum brennen sich eigentlich unangenehme Erfahrungen viel tiefer ins Hirn als Momente des Glücks?

Wenn unangenehme Erfahrungen unser Selbstwertgefühl treffen oder mit einer Bedrohung unserer Existenz verbunden sind, dann wirken sie sehr stark auf unsere Emotionalität, und zwar stärker als glückliche Erlebnisse. Emotionen wiederum sind eng verknüpft mit Gedächtnisbildung.

Lebensweisen, die das Hirn fördern – gibt es sie?

Solche Lebensweisen gibt es. Dazu gehören: Angemessene körperliche Betätigung, gesunde Ernährung (Vermeiden schädlicher Substanzen), ein ausgewogenes Verhältnis von Arbeit und Erholung und Kontrolle der physiologischen Werte (Blutdruck, Blutfette etc).Ganz besonders wichtig aber ist das geistige und soziale Training. Es werden neuerdings Computerprogramme entwickelt, mit denen man die geistigen Fähigkeiten auch im Alter trainieren kann. Wer allerdings aktiv im Leben steht und seine geistigen Interessen entfaltet und fördert, braucht solche Programme nicht. Das Gehirn möchte beansprucht werden. Dann bleibt es lange leistungsfähig.

Die Hirnforschung hat in den letzten 20 Jahren grosse Fortschritte gemacht: Inwiefern?

Ein grosser Fortschritt in den letzten Jahren ist die Einführung der modernen bildgebenden Verfahren. Mit dem Verfahren der funktionellen Magnetresonanz-Bildgebung (fMRI) und der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) lassen sich Vorgänge im Gehirn beobachten, ohne diese Vorgänge zu beeinflussen. Diese Messungen sind zwar noch sehr grob, sie vermitteln aber doch wichtige Erkenntnisse darüber, welche Regionen im Gehirn beim Sprechen, Sehen, Musikhören und anderen Tätigkeiten aktiv sind. Sie liefern auch wichtige Aufschlüsse bei psychischen Erkrankungen. Ein anderer wichtiger Fortschritt besteht z.B. darin, dass einige Forscher dabei sind, zerstörte Nervenverbindungen auch im zentralen Nervensystem wieder zur Heilung zu bringen. Damit könnten auch Querschnittsgelähmte auf Heilung hoffen.

Gibt es Erkenntnisse, die Meinungen und Thesen aus früherer Zeit widerlegen?

Das geschieht in den Neurowissenschaften ständig. Nachdem die Synapsen als Kontaktstellen zwischen den Nervenzellen entdeckt waren, entstand die Frage, wie sie die Information übertragen. Für den Elektrophysiologen und Nobelpreisträger John Eccles musste die Übertragung elektrisch sein, für den Pharmakologen Henry Dale war sie chemisch. Später stellte sich heraus, dass beide Arten von Übertragung vorkommen. Es gibt elektrische und chemische Synapsen. Für die chemischen Synapsen wurde sodann das Prinzip von Dale formuliert. Dieses besagt, dass ein Neuron jeweils nur eine bestimmte Überträgersubstanz (Transmitter) produziert. Dieser Transmitter ist dann an allen Synapsen dieses Neurons wirksam. Heute weiss man, dass solche Neurone eine Ausnahme darstellen. In der Regel findet man bis zu drei oder vier verschiedene Transmitter in einem einzigen Neuron. Dieser Befund erhöht noch einmal erheblich die Komplexität des Nervensystems, die ohnehin schon unüberschaubar ist.Günter Rager war Ordinarius und Direktor der Anatomie der Uni Freiburg. Er ist kürzlich in Pension gegangen. Im Juni verlieh ihm die Theologische Fakultät der Universität Freiburg in Deutschland die Ehrendoktorwürde. Günter Rager wohnt mit seiner Familie in Freiburg.Über das Thema «Ich und mein Gehirn» referiert Rager am Freitag, dem 13. Oktober, um 14 Uhr (Uni Perolles II).

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