Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Geld abgezweigt um «zu existieren»

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Geld abgezweigt um «zu existieren»

Ehemalige Kassierin des französischen OS-Verbandes Murten verurteilt

In den Jahren von 1992 bis 1998 hat die Kassierin des damaligen französischen OS-Kreises Murten 67 Mal Geld für private Zwecke abgezweigt. Ende 2001 hat der Vorstand den Betrug in Höhe von über 430 000 Franken entdeckt. Gestern wurde die Frau vom Strafgericht des Seebezirks verurteilt.

Von CORINNE AEBERHARD

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft, Raphaël Bourquin, forderte eine Gefängnisstrafe von 21 Monaten. Die Verteidigerin der angeklagen Kassierin, Anne Giovannini, bat das Gericht um eine «angepasste bedingte Strafe» für ihre Klientin, die man mit einer Gefängnisstrafe «brechen würde». Das von André Waeber präsidierte Strafgericht des Seebezirks befand die ehemalige Kassierin des früheren CO Moratois schuldig wegen Betrugs und Urkundenfälschung und sprach eine Strafe von 18 Monaten bedingt auf fünf Jahre aus. Weiter muss die Frau monatlich 1200 Franken an die OS zurückzahlen und auch die begonnene Psychotherapie weiterführen.

Diese habe ihr bereits geholfen, «dass ich mir nun in die Augen schauen kann und mich akzeptiere, wie ich bin», sagte die Frau gestern vor Gericht aus. Früher hatte sie versucht, mit materiellen Gütern «zu existieren und jemand zu sein», erklärte sie ihr Handeln.

Zahlungsaufträge manipuliert

Die Frau war 1990 als Kassierin und Sekretärin beim CO Moratois angestellt worden, dem welschen OS-Schulkreis Murten, welcher inzwischen so nicht mehr existiert. In ihrer Funktion genoss sie grosses Vertrauen, wie an der gestrigen Gerichtsverhandlung mehrmals von Kläger- und Zeugenseite gesagt wurde.

Das Vertrauen wurde von der Kassierin missbraucht, wie später zutage kam. Ab 1992 bis 1998 zweigte sie 67 Mal Geld ab und überwies es auf ein eigenes Konto. Der Totalbetrag belief sich schlussendlich auf insgesamt 432 510 Franken.

Das Geld zweigte sie ab, indem sie Zahlungsaufträge manipulierte. Sie listete die zu bezahlenden Rechnungen auf, setzte aber kein Total ein. Dann gab sie die Aufträge der damaligen OS-Schulpräsidentin Elisabeth Ruegsegger und dem inzwischen verstorbenen Schuldirektor zum Unterschreiben. Anschliessend setzte sie noch weitere Beträge auf den Auftrag und schrieb dann erst den Totalbetrag auf das Formular. Die zusätzlich aufgeführten Zahlungen liess sie auf ihr eigenes Privatkonto überweisen.
Um die Beträge zu verbuchen, führte die Frau eine zweite Buchhaltung mit fiktiven Konten, erklärte sie gestern vor Gericht. Hätten die Rechnungsprüfer die einzelnen Zahlungsbelege angeschaut, wäre ihr Handeln viel früher aufgeflogen, gab sie zu. Und sie sei unglücklich darüber, dass es nicht geschehen sei. So hätte sie früher damit aufgehört.

Die Revisoren hätten aber jeweils nur die halbjährlichen Auszüge an-geschaut mit dem globalen Betrag darauf. Zudem soll es ein Informa-tikproblem gegeben haben, wie einer der Rechnungsprüfer, der als Zeu-
ge vor Gericht aussagte, erklärte. Gemäss dessen Aussage habe man die Kontoabschlüsse nicht ausdrucken können. Ansonsten habe die Kassierin anlässlich der Kontrollen alle verlangten Belege vorweisen können.

Ehepaar hat Schulden anerkannt

Der Betrugsfall wurde erst entdeckt, als die Bank Auszüge über ein noch nicht abgeschlossenes Konto geschickt hatte. Der Schulvorstand setzte ein Gremium für eine Untersuchung ein, die das Handeln der Kassierin zutage brachte. Sie sowie ihr Mann unterschrieben daraufhin eine Schuldanerkennung und beide haben mittlerweile rund 100 000 Franken zurückbezahlt. Ein Schiff, welches dem mittlerweile getrennt lebenden Ehepaar gehört, wurde beschlagnahmt und soll verkauft werden. Auch dieses Geld soll zur Rückzahlung verwendet werden. Nicht zur Schuldenabzahlung verwendet hat die Frau einen Lottogewinn in der Höhe von 245 000 Franken, welchen sie 1999 erzielte. Gemäss Überweisungsverfügung hat sie das Geld für ein Segelboot und einen Hausbau ausgegeben.

Unwichtige Dinge gekauft

Ob sie denn von ihrem Einkommen und von jenem ihres Ehemannes nicht leben konnten, wollte der Gerichtspräsident gestern von der Frau wissen. Doch, antwortete die Angeschuldigte, und fügte an, dass ihr Mann lange nichts gewusst habe von ihrem Handeln. Sie habe nicht den Mut gehabt, es ihm zu sagen.

Mit dem Geld hat sich die Frau unter anderem Kleider gekauft. «Sie trug immer grosse Marken», erklärte ihr Mann, mit welchem die Angeklagte anfangs der 90er Jahre bereits wegen eines Diebstahls verurteilt wurde.

Eigentlich habe sie Dinge gekauft «die nicht wichtig waren», so die Angeschuldigte; sie bedauere es und schäme sich dafür. Sie habe das Vertrauen, das man in sie hatte, zerstört. Sie wolle nun aber ein neues Leben beginnen.

Mehr zum Thema