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Guy Oberson – ein unprätentiöser Künstler mit politischer Haltung

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Das altrosa gestrichene Häuschen, in dem Guy Oberson lebt und arbeitet, steht an einem Seitenweg zur Hauptstrasse, die durch Lentigny führt. Schon auf dem Treppenabsatz zum gläsernen Anbau, versteckt hinter Büschen und Bäumen, riecht es nach Farbe. Hier befindet sich das Atelier des national und international wohl bekanntesten lebenden Freiburger Künstlers. Im hellen Raum hängen grossformatige Bilder: ein Frauenporträt, gemalt mit Zeichenschiefer in mattem, dunklem Schwarz, und ein Ölbild, das den Pariser Stadtwald Bois de Vincennes zeigt. «Abseits der Touristenpfade trifft man dort nicht selten auf Flüchtlinge mit ihren Zelten, Tüchern und Pappkartons. Sie kommen wie aus dem Nichts», erzählt Guy Oberson. Auf dem Gemälde bleibt von ihnen nur ein weisser Fleck, sie sind wie ausgelöscht, von der Gesellschaft übersehen. Pinselstriche in einem grellen Gelb versetzen den Betrachter zudem in einen unangenehmen Gefühlszustand.

Jenseits der Komfortzone

Warum hat er diese Farbe gewählt? «Das kann ich nicht sagen, ich habe die Situation dort so gefühlt», sagt Oberson. «Es ist eben nicht alles paradiesisch.» Oberson ist wahrlich kein Sonntagsmaler. Das Politische spielt in seinem Schaffen eine wichtige Rolle, wie er selber sagt. Für seine Kunst verlässt Oberson die bequeme Schweiz und reist an Orte, die alles andere als idyllisch sind und wo Gefahren und Risiken lauern. Von seinen Reisen nach Kanada, China, Palästina und zuletzt nach Benin bringt er dann seine Inspirationen für neue Werke mit. Dabei schwankt Obersons Welt zwischen Hoffnung und Chaos, zwischen Schönheit und Schrecken, zwischen Leben und Tod.

Vielfältige Technik

Während sich der 60-jährige Künstler bis vor zwei Jahren vor allem mithilfe von Kreide-, Öl- und Aquarellfarben ausdrückte, beschäftigt er sich neu auch intensiv mit den Möglichkeiten, die ihm die Gravur in Kombination mit der Videotechnologie bietet. Sie soll seinen Bildern eine neue Dimension des Ausdrucks und der Wahrnehmung verleihen. «Gravieren ist ständiges Ausprobieren mit mehr oder weniger Farbe, Verändern der Oberflächenstruktur und so weiter. Ein Abzug folgt auf den anderen. Auf der Suche nach weiteren Möglichkeiten, wie ich die Gravuren entwickeln kann, bin ich auf die Videotechnologie gestossen», erzählt Oberson. Dank der Schnitttechnik lassen sich damit nämlich die Bilder überlagern, es entsteht Bewegung und eine grössere Tiefe.

Schönheit des Bildes

Die erste Installation mit Video-Gravuren entstand 2018. An ihr machte sich Guy Oberson mit der neuen Technik vertraut. «Dahinter steckt enorm viel Arbeit. Jede Gravur ist die Basis für eine Bildsequenz.» Die einzelnen Sequenzen müssen dabei perfekt aufeinander abgestimmt sein. «Wenn das gelingt, ist das ein Hochgefühl.» Im Unterschied zum Trickfilm, der aus vielen einzelnen Bildern besteht und bei dem die Erzählung im Vordergrund steht, ging es Oberson bei seinen ersten Video-Gravuren vor allem um die Schönheit der Bilder. «Meine Videos bestehen aus weniger Bildern, entwickeln sich langsam, und jedes einzelne Standbild bleibt ein Gemälde für sich.»

Wichtigkeit der Botschaft

Bei seinem zweiten Video-Gravuren-Projekt hat die Bildästhetik immer noch Vorrang, dennoch gewinnt die Erzählung an Wichtigkeit. Das Werk mit dem Titel «Pollen» konnte Oberson dank einem Stipendium von 15 000 Franken realisieren, das der Kanton 2019 erstmals an einen bildenden Künstler verliehen hatte. «Das Stipendium erlaubte es mir, mit einem professionellen Videotechniker zusammenzuarbeiten.» Dank ihm habe er angefangen, immer mehr zu verstehen. Manchmal sei ihm mitten in der Nacht ein Licht aufgegangen. «Dann musste ich sofort aufstehen und die Erkenntnis im Atelier umsetzen.» Entstanden ist eine ökologische Fabel über 20 Minuten. Dabei erlebt der Zuschauer die Transformation eines Nagetiers zu einem menschlichen Gehirn, zu einem Apparat der künstlichen Intelligenz, zu einer Welt der Algorithmen, in der die Verästelungen zu menschlichen Synapsen mutieren. Am Ende kommt es zu einer implosionsähnlichen Reaktion – es regnet Bienen. «Pollen» ist ein Werk über die Natur und ihre Zerbrechlichkeit, wie Oberson sagt: «Der Mensch ist Teil der Natur, nur leugnet er es oft.» Das Streben nach einer neuen Harmonie zwischen Mensch und Natur müsse das Ziel sein. «Das ist keine Glaubensfrage, sondern entspringt einer inneren Logik.

Leidenschaft ohne Ende

«Pollen» hätte eigentlich im Juni im Rahmen des Festivals Altitudes in Bulle erstmals präsentiert werden sollen. Wegen der Corona-Pandemie wurde es auf nächstes Jahr verschoben.

Derweil gehen Oberson die Arbeit und die Visionen nicht aus. «Ich werde oft gefragt, ob ich mich als Künstler manchmal zur Arbeit zwingen müsse. Aber es verhält sich umgekehrt: Oft muss ich mich zum Aufhören zwingen – wegen eines Familienfests, weil ein Zug fährt.»

In einer Sommerserie widmen sich die «Freiburger Nachrichten» den Kunstschaffenden im Kanton. Das Interesse gilt allen Kunstformen: der bildenden, darstellenden, musikalischen und literarischen Kunst. Nach dem Corona-Lockdown soll den Künstlern so ein wenig der ihnen gebührenden Aufmerksamkeit zurückgegeben werden.

Zur Person

Als Autodidakt angefangen

Guy Oberson ist in Mézières im Glanebezirk aufgewachsen und arbeitete als junger Mann auf Baustellen, in einer Restaurierungswerkstatt und später als Betreuer für abhängige Personen. Seit 20 Jahren ist er hauptberuflicher Künstler. Er stellt regelmässig in der Schweiz, in Paris und in Berlin aus. Auch nimmt er oft an internationalen Kunstmessen teil, und seine Arbeit wird in mehreren Publikationen präsentiert. Guy Oberson lebt in Lentigny, Paris und Berlin.

rsa

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