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«Haben Sie die Tragweite verstanden?»

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«Wir haben Angst um unsere eigene Zukunft», fasste gestern Inès Marthaler das zusammen, was sie und drei Mitschüler während eineinhalb Stunden versucht hatten, den Vertretern der Freiburger Regierung klar zu machen. «Nicht um die Zukunft unserer Kinder und Enkel, sondern um uns», schob sie nach. «Denn die Situation ist bereits sehr kritisch.» Landwirtschaftsdirektor Didier Castella (FDP) erwiderte: «Die Botschaft ist angekommen. Nun geht es darum, die Angst in erneuerbare Energie umzuwandeln.» Die Schüler hätten mit den Klimastreiks für das Thema sensibilisiert. «Das ist ein erster Sieg.» Nun müssten Lösungen gefunden werden im Kampf gegen den Klimawandel. «Und dafür brauchen wir Sie.»

Wie diese Lösungen aussehen, und vor allem in welchem Tempo sie umgesetzt werden sollen, darüber allerdings scheiden sich die Geister, wie die Diskussion gestern im Kollegium Heilig Kreuz zeigte. Dies obwohl Castella, Umweltminister Jean-François Steiert (SP) und Energieminister Olivier Curty (CVP) die Dringlichkeit des Klimaproblems anerkannten.

Die Debatte fand unter der Gesprächsleitung von Liberté-Chefredaktor Serge Gumy statt. Rund hundert Personen wohnten ihr bei, hauptsächlich Schülerinnen und Schüler, aber auch einige ältere Personen aus der Bevölkerung.

Die Politiker legten zunächst dar, was sie schon alles angerissen haben, um den Klimawandel stoppen zu helfen. So erwähnte Steiert die kantonale Klimastrategie, die in Planung sei. Curty sprach vom Energiegesetz, das derzeit revidiert werde und zusätzliche Subventionen etwa im Gebäudebereich vorsehe. Die drei Politiker machten aber auch deutlich, dass die Massnahmen nicht ohne Bevölkerung vollzogen werden dürften. «Wir brauchen Mehrheiten für unsere Projekte, sonst passiert das Gleiche wie mit den Gelbwesten in Frankreich», sagte Castella. Und Curty brachte das Beispiel des Energiegesetzes, das 2012 vom Freiburger Stimmvolk abgelehnt worden sei, unter anderem weil es ein Verbot der Elektroheizungen enthielt.

Die Schülerinnen und Schüler wollten indes mehr und verlangten konkrete Massnahmen und Ziele: «Die Schweiz muss bis 2030 CO2-neutral sein, koste es, was es wolle», meinte Mar­thaler. Etwa den Preis eines öffentlichen Verkehrs, der für alle gratis ist. Steiert winkte ab. Der Staatsrat sei gegen ein solches Giesskannenprinzip. «Die Massnahmen müssen gezielt eingesetzt werden und dort, wo sie am meisten bringen, zum Beispiel bei den Jungen, deren Verhalten einfacher beeinflusst werden kann.» Keine Einnahmen für den öffentlichen Verkehr bedeuten zudem weniger Angebote, und weniger Angebote heisse weniger Nutzer, was den Gratis-Effekt zunichtemache. Auf die Frage, woher die Schüler denn das Geld für ihren Vorschlag nehmen wollten, meinte Fabrice Bourquenoud: «Von Gebühren auf Verpackungen zum Beispiel.» Zudem würden weniger Autos auf den Stras­sen auch zu tieferen Unterhaltskosten der Strassen führen. Daraufhin wollte Gumy von Castella wissen, ob es denn wirklich all die geplanten Umfahrungsstrassen brauche, die der Kanton beschlossen habe. «Führen sie nicht zu noch mehr Verkehr?» Nein, meinte Castella. «Wir sorgen dafür, dass der Verkehr besser fliesst und die Staus abnehmen.»

In Bezug auf die Forderungen einer nachhaltigen Landwirtschaft verwies Castella unter anderem auf die Direktzahlungen des Bundes, die ökologische Produktionsweisen förderten.

Die Antworten der Politiker vermochten die Jugendlichen nicht zu überzeugen. Ein Schüler aus dem Publikum fragte: «Sind Sie sich der humanitären Tragweite der Klimaerwärmung wirklich bewusst?» Auf die Bemerkung von Podiumsteilnehmerin Alyssia Patenaude, die Anwendung von Notrecht sei nicht auszuschliessen, reagierte Steiert verständnislos: «Das ist schockierend. Die Demokratie auszuhebeln, kommt für mich nicht in Frage.» Klimaaktivist Manoë Ducrest konterte: «2008 hat man die Bevölkerung auch nicht gefragt, ob sie die Banken retten wolle.»

Politischer Vorstoss

CO2-Kompensation im Kanton

Der Staatsrat unterstützt einen Vorstoss für eine Plattform, auf der Private ihre CO2-Emissionen lokal kompensieren können. Eine Internet-Plattform soll es Bürgern ermöglichen, regionale Projekte zur freiwilligen Kompensation ihrer CO2-Emissionen zu nutzen. Projekte der Gemeinden und des Kantons, aber auch der Wirtschaft sollen angeboten werden. Diese Forderung stellte Grossrat Ralph Alexander Schmid (GLP, Lugnorre) in einem Postulat an den Staatsrat. In seiner Antwort ist der Staatsrat nun bereit, darauf einzutreten. Wie er schreibt, ist es in der Bundesgesetzgebung über das CO2 vorgesehen, dass durch den Kauf von Zertifikaten im Ausland ausgeführte Projekte zur Reduktion von Emissionen finanziert werden, um so die eigenen Emissionen zu kompensieren. Lösungen in Form von lokalen Projekten seien aber eher selten, so der Staatsrat. Eine Ausnahme im Kanton Freiburg stelle die Stiftung Carbon Fri dar. Diese vor einem Jahr von der Kantonalbank, der Handels- und Industriekammer und des Unternehmens Climate Services ins Leben gerufene Stiftung hat zum Zweck, CO2-Emissionen von Freiburger Unternehmen zu reduzieren. Die Dienstleistungen der Stiftung richten sich allerdings nicht an Einzelpersonen. Der Staatsrat schlägt deshalb vorerst vor, die Verantwortlichen von Carbon Fri auf eine Ausweitung auf ein breiteres Publikum anzusprechen. Falls nötig, könnten später alternative Lösungen eventuell in Zusammenarbeit mit anderen Kantonen gesucht werden.

uh

 

 

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