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Hagel – eisige Gefahr von oben

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Im Jahr 2009 gab es den grössten Hagelsturm, der je in der Schweiz beobachtet wurde. Aber Hagel ist kein seltenes Ereignis – durchschnittlich werden der Mobiliar-Versicherung pro Jahr etwa 9000 Hagelschäden gemeldet. Dabei belaufe sich die Schadensumme pro Schaden durchschnittlich auf 3000 Franken, wie Ena Hirschi, Spezialistin für Geoanalyse und Naturrisiken, erklärt. Infolgedessen beschlossen die Verantwortlichen der Mobiliar, mit dem entsprechenden Forschungsinstitut der Universität Bern zusammenzuarbeiten, um unter anderem herauszufinden, ob Hagelwarnungen überhaupt möglich sind. Das war anno 2013 die Geburtsstunde des Mobiliar-Lab für Naturrisiken (siehe Kasten).

Ein weiteres Ziel war, Hagelwarnungen, wenn sie möglich sein sollten, praxistauglich zu machen. Doch das ist kein einfaches Unterfangen, denn Hagel kommt meist plötzlich, ist nur von kurzer Dauer, und meist ist nur eine kleine Fläche davon betroffen. Einerseits musste herausgefunden werden, was in der Atmosphäre passiert, und anderseits, was am Boden vor sich geht. Es seien verschiedene Massnahmen ergriffen worden, um Daten zu sammeln und auszuwerten, wie Hirschi erklärt.

Sensoren in «Hagel-Gebieten»

Für die Erhebung von Daten wurden unter anderem achtzig Sensoren aufgestellt. Logischerweise stehen sie dort, wo es in der Schweiz am meisten hagelt: im Jura, im Napfgebiet und im Südtessin. Bei diesen Sensoren befindet sich unter einer aus Makrolon, einem transparenten Kunststoff, bestehenden Scheibe von fünfzig Zentimetern Durchmesser ein Mikrofon. Sobald Hagelkörner auf die Scheibe treffen, beginnt diese zu schwingen, und das Mikrofon zeichnet die Schwingungen auf. Per Modem werden die Daten direkt über das Handynetz an Meteo Schweiz übermittelt.

Meldungen via App

Doch auch jede und jeder von uns kann mithelfen: Über die Meteo-Schweiz-App kann Hagel gemeldet werden. Dieses Feature wurde vom Mobiliar-Lab kreiert. Ausserdem übermittelt auch die Versicherungsanstalt der Mobiliar Angaben zu Hagelschäden.

Zwischen 2015 und 2018 wurden die mithilfe der Daten erstellten Warnungen getestet. Im ersten Jahr konnte dreissig Minuten vor einem Hagelzug gewarnt werden, im letzten Jahr zwanzig Minuten vorher. Dabei belief sich die Genauigkeit auf 25 Prozent.

Die Auswertung von Radardaten aus den Monaten April bis August ergab jeweils, dass in den Monaten April, Mai, August und September selten bis vereinzelt Hagel auftritt. Im Juni ist vor allem im Jura mit Hagel zu rechnen, während im Juli eher das Napfgebiet und das Südtessin betroffen sind.

Am wahrscheinlichsten ist mit Hagel jeweils zwischen 15 und 18 Uhr zu rechnen, wenn die Sonne scheint, die Luft sich erwärmt und sich Gewitterwolken bilden. Genaue Warnungen und Prognosen gewinnen umso mehr an Bedeutung, als aufgrund des Klimawandels wahrscheinlich auch mit einer Zunahme von Hagelschauern zu rechnen ist.

Forschungsinitiative

Mobiliar-Lab für Naturrisiken

Das Mobiliar-Lab für Naturrisiken ist eine gemeinsame Forschungsinitiative der Mobiliar und des Oeschger-Zentrums für Klimaforschung an der Universität Bern. 2013 gegründet, wird es im Rahmen des Gesellschaftsengagements der Mobiliar finanziert. Dabei wird versucht, nachvollziehbar zu machen, wie sich neue Klimarisiken und Naturgefahren wie Hagel, Sturm und Überschwemmungen auf die Gesellschaft auswirken können, um dann mit dem räumlichen Auftreten dieser Phänomene umzugehen. Der Forschungsbereich ist auf die Schweiz beschränkt, da ihre komplexe Topografie sie zu einem perfekten Labor für die Forschung macht. Das Lab zielt auch darauf ab, die Ergebnisse mit hoher Bedeutung der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen.

zig

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