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Hier die Ignoranz, da die Arroganz

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Wie der arabische Film im «westlichen Abendland» wahrgenommen wird

Unter den zahlreichen thematischen Schwerpunkten im Festivalprogramm findet sich unter dem Titel «Meilensteine des arabischen Films» eine Selektion von 27 Produktionen aus sechs Jahrzehnten. Mit Beiträgen aus Ländern vom Irak bis Marokko sollen die wichtigsten Strömungen des arabischen Filmschaffens aufgezeigt werden. So weit die Sachlage.

Durchschnittliche Kinogänger sind aber bei diesem Angebot erst einmal einigermassen irritiert. Sie mögen zwar hin und wieder – um beim bildhaften Vergleich zu bleiben – aus dem Fenster in den Süden spähen. Vorzugsweise nach Lateinamerika, auch mal nach Hongkong oder Korea. Die Fensterplätze hin zum Nahen Osten sind weit weniger besetzt. Wer sich hier einfindet, muss zuerst die eigenen Jalousien hochziehen, die nur das Bild von Fundamentalismus und Gewalt durchgelassen haben.

«Eine Art Hassliebe»

«Unser Verhältnis zum Islam und zur arabischen Welt war immer äusserst ambivalent», sagt Bruno Jäggi, der Organisator des Freiburger Arabien-Panoramas:«Man kann das als eine Art Hassliebe bezeichnen.» Romantische Vorstellungen von Tausend und einer Nacht gehen einher mit kulturellen und konfessionellen Bedrohungsszenarien. «Doch das historische Erbe und der kulturelle Reichtum dieser Länder werden in Europa weitgehend verkannt.» Jäggi hat mehrmals die Sahara bereist und ist so überhaupt zu seinem Engagement für den Süd-Film gekommen, das ihn nun schon seit unzähligen Jahren beschäftigt. Dass sich in der arabischen Filmgeschichte manch ein Meilenstein findet, steht für ihn natürlich ausser Zweifel.

Dafür spricht nur schon, dass der Umfang des Arabien-Panoramas in der Planungsphase ständig zugenommen hat. Dafür spricht auch, dass sich trotz aller Hürden arabische Filme immer wieder in den Internationalen Festivals durchgesetzt haben und sogar das Interesse des breiten Publikums (so zum Beispiel 1991 «Das verlorene Halsband der Taube») auf sich zu ziehen wussten.

Begegnung statt Belehrung

Das Programm «Meilensteine des arabischen Films» soll aber kein Lehrgang sein, keine abschliessende Sichtung und Bewertung eines Stückes Filmgeschichte. Bruno Jäggi will das Panorama als Angebot zur Begegnung verstanden wissen. Schulmeisterliche Arroganz ist im völlig zuwider.

Nur ist diese Arroganz des europäischen Intellekts vielerorts nicht totzukriegen. Ob Produzenten, Filmverleih oder Publikum: Im selbstgefälligen Abendland wird an fremder Kultur nur vermittelt, was den Erwartungen entspricht.
Damit steckt der arabische Film jenseits der seichten ägyptischen Massenindustrie im Dilemma. Finanziell ist er nicht selbst lebensfähig, spendable europäische Koproduzenten aber diktieren gerne ihre eigene pseudoarabische Kulturauffassung ins Drehbuch.
«Neokolonialismus» nennt dies Bruno Jäggi. Ein Missstand, der mit dafür verantwortlich ist, dass manch ein vielversprechendes Talent nach seinem Filmdebüt oder Zweitlingswerk resigniert. «Einzelne Regisseure haben vielleicht zehn fertige Drehbücher in der Schublade, aber schon seit vielen Jahren keinen Film mehr realisiert.» Seine fruchtbarste Zeit hatte der arabische Film – so, wie es das Panorama wiedergibt – in den 70er Jahren.

Ungebrochene Aktualität

Die Selektion gewährt einen tiefen Einblick ins arabische Selbstverständnis, in die Auseinandersetzung zwischen Tradition und Moderne, in die tiefe Verunsicherung oftmals kriegsversehrter Gesellschaften. Diese Themen sind im Grunde aktuell geblieben. In der offiziellen Selektion des Freiburger Festivals wird man sie wohl erst wieder finden, wenn sie von arabischen Filmschaffenden in einer von aussen unbeeinflussten Kreativität angegangen werden können.

Die Spielzeiten der einzelnen Arabien-Filme entnehmen Sie bitte der Programmspalte. Zu «Arabische Filme: Meilensteine» ist eigens eine umfassende Infobroschüre erschienen.

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