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«Höchster Freiburger» in Bern

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Seit 100 Tagen waltet der Düdinger Yvo Zurkinden als Turmwart im Berner Münster

Seit rund 100 Tagen steigt Yvo Zurkinden Tag für Tag 254 Treppen hoch. Aber nicht nur er, sondern auch seine Partnerin Elisabeth Bissig. Es gibt Tage, da tun sie es bis zu achtmal. Und zwar dann, wenn das Gipfeli vergessen wurde, ein Freund auf dem Münsterplatz auf Einlass wartet oder wieder einmal ein gemeinsamer abendlicher Ausgang fällig ist.

Der Kirchgemeinderat des Berner Münsters haben die 36-jährige Urnerin Elisabeth Bissig, Lehrerin und Textildesignerin, und den 39-jährigen Yvo Zurkinden aus rund 100 Bewerberinnen und Bewerbern zum Turmwartpaar auserkoren. Sie, die «Auswärtige» und er der «Freiburger», beide katholisch und unverheiratet. «Unglaublich», ruft ein Bekannter. «Das ist ja Ökumene mit Ö ganz grossgeschrieben!»

Winden und Menschen
ausgesetzt

Der Turm des Berner Münsters ist mit seinen 100 Metern und 60 Zentimetern der höchste Kirchturm der Schweiz. Doch so weit steigt niemand hoch. Das Revier des Turmwartpaares liegt auf 50 respektive auf 60 Metern (Kuppelraum). Da befinden sich die Dreieinhalb-Zimmer-Wohnung und der Touristenempfang. Das Turmwartpaar teilt sich die Stelle. Abwechslungsweise verbringen Yvo und Elisabeth drei Tage im kleinen windgeschützen Raum vor dem Wohnungseingang. Da werden Eintrittsbillette verkauft, Fragen beantwortet und auf dieser ersten und der 20 Meter höher gelegenen Plattform nach dem Rechten geschaut. Aufsicht haben sie jeden Tag, ausser Montag. Jetzt, ab Ostern, sieben Stunden an einem Stück.

Eine «umzingelte» Wohnung

Yvo Zurkinden hat den Schritt nicht bereut. «Mir, nein uns», verbessert er sich und spricht auch für seine Partnerin, die ja «oben Wache» steht, «uns gefällt es sehr gut, obwohl wir uns recht umstellen oder vielmehr einstellen mussten.» Einstellen auf die vielen Menschen, die da täglich hoch kommen. Rund 65000 pro Jahr!

Die gemeinsame Zeit sei knapp geworden. «Wir sind wohl viel zusammen, doch immer sind fremde Menschen um uns herum.» Da habe er sich schon ein bisschen verrechnet und in der ersten Euphorie nichts anderes gesehen, als die kleine Insel da oben. Aber dass beim Rundgang, einem die Gäste ins Wohnzimmer schauen, die Nase an die Scheibe drücken und nach den Klavierklängen suchen, mit dem müsse er sich zuerst noch «anfreunden.»
Und an den «freien» Tagen, da geht jeder Partner nun mal seinem zweiten Beruf nach: Elisabeth Bissig in ihr Atelier unten in der Stadt, wo sie als selbständige Textildesignerin in der Branche Fuss zu fassen versucht, und Yvo Zurkinden auf die Empore der reformierten Kirche Bethlehem in Bümpliz. Da hat er seit sechs Jahren eine Organistenstelle inne, eine Stelle die ihm bei der Bewerbung bestimmt Pluspunkte eingebracht hat. «Die Musik hat in der reformierten Kirche einen grossen Stellenwert.»

Vorbei die Lehr-
und Wanderjahre

Yvo Zurkinden wollte vor allem eins: Nach all den unsteten Jahren endlich einmal eine feste Bleibe haben. Infolge der Umstrukturierung am Lehrerseminar musste er – wie andere Musiklehrer auch – nach sechs Jahren wieder auf Jobsuche. «Wir werden nicht so schnell wieder runter gehen.» Dem Kirchgemeinderat haben sie erklärt, doch etwa 10 Jahre zu bleiben. «Gar nach dem Kinderwunsch wurden wir gefragt.» Kein Problem – und Yvo spricht auch für diePartnerin. Schliesslich habe da oben bereits eine fünfköpfige Familie gehaust!

In eigener Regie

Eine Wohnung plus Kuppelraum mit 50 Plätzen kann das Paar ihr eigen nennen. Räume, die inspirieren und genutzt sein wollen. So planen Yvo und Elisabeth, Kultur in den Kuppelraum zu bringen: Kammermusik, Lesungen und Diskussionsrunden vielleicht. In Eigenregie und nur begrenzt. Denn im Winter ist es da oben bitter kalt – doch an milden Sommerabenden, da kann «Musik hoch über den Dächern von Bern zum einmaligen Erlebnis» werden.

Öffnungszeiten: Winter: 10.00-12.00 Uhr/
14.00-16.00 Uhr; Sommer (ab Ostern): 10.00-17.00 Uhr; Eintrittspreise: Erwachsene 3 Franken; Kinder 1 Franken.

Eigener Herr und Meister

Es muss ein wunderbares Gefühl sein, den Schlüssel zu einem solch erhabenen Bau, (16. Jh.) im eigenen Sack zu haben. In Tat und Wahrheit, das Paar hat das Sagen.

Nach Torschluss gibt es kein Pardon. Da nützt auch das Bitten der jungen Damen nichts, die doch so gerne abends um 19.00 hochgestiegen wäre, um mit ihrem Freund den Jahrestag ihrer Liebe zu feiern. Auch die Werbefirma, die bestimmt finanziell einiges abgeworfen hätte, vermochten Yvo und Elisabeth nicht umzustimmen. «Wir haben keine Wahl», sagt der Turmwart, «geben wir den kleinen Finger, so ists um uns geschehen.» Denn der pensionierte Vorgänger, ein Architekt und Bauingenieur, hat gewarnt: Bis zu 100 Anrufe pro Tag können ins Haus schneien – alles Sonderwünsche – mitunter auch verlockende.
Denn Trubel gibts ohnehin. Im Sommer können leicht bis zu 600 Touristen pro Tag auf den Turm steigen. Noch haben die beiden die Invasion nicht erlebt. Bis jetzt waren maximal rund 250 da. Doch trotz der leisen Klage, Freude überwiegt: «Es ist cheibe interessant da obe.» Aus allen Herrenländer lernt er Leute kennen – Deutsche, Franzosen, Japaner. Viele interessante Gespräche über Gott und die Welt habe er geführt. «Die Leute sind offener hier oben, entspannter als unten in den Gassen.»
In acht Sprachen werden die Gäste unten am Eingang begrüsst. Stolz zeigt Yvo Zurkinden auf die Tafel «Willkommen im Berner Münster» und meint: «Japanisch werde ich lernen, und wie werden die Gäste strahlen.»

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