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«Horrorfilme müssen nicht blutig sein»

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Ihren ersten Horrorfilm habe sie mit acht Jahren gesehen, erinnert sich die Schweizer Filmproduzentin Annick Mahnert. Was bei anderen Kindern wohl ein Trauma ausgelöst hätte, entfachte bei der heute 41-Jährigen eine lebenslange Leidenschaft. «Es war der Anfang einer gros­sen Liebe», sagt Mahnert im Gespräch mit den FN. Heute ist die gebürtige Genferin weltweit als Filmproduzentin unterwegs. Mit zwei ihrer Filme ist sie diese Woche am Filmfestival Freiburg (Fiff) zu Gast (siehe Kasten rechts). Den Schwerpunkt ihrer Arbeit legt sie, wie könnte es auch anders sein, auf Horrorfilme. «Ein guter Horrorfilm muss nicht unbedingt blutig und abstossend sein», sagt sie. «Ich suche eher den psychologischen Horror.» Interessant finde sie das Genre, weil es den Menschen mit seinen Urängsten konfrontiere. «Die Menschen hatten zum Beispiel schon immer Angst vor der Dunkelheit. Solche Ängste sind evolutionär tief in uns verankert, die werden wir nicht einfach los», so Mahnert. «Horrorfilme geben uns die Möglichkeit, diese Urängste in einem sicheren Rahmen auszuleben.»

Intellekt statt Motorsäge

Der Vorstellung eines typischen Horrorfilm-Fans entspricht die zierliche Dame mit der farbenfrohen Garderobe nicht gerade. «Die Fans von Horrorfilmen sind halt ganz anders, als man es sich vorstellt. Sie bilden ein sehr kritisches Publikum, das genau weiss, was es will», sagt Mahnert. Deshalb seien es gerade nicht die platten Blut- und Gewaltorgien, in denen Äxte und Motorsägen die Hauptrolle spielten, die am meisten Aufmerksamkeit erhielten. Angesagt seien vielmehr subtile und intelligente Filme, die mit den Erwartungen des Zuschauers spielen und den Intellekt ansprechen. «Viele Leute vergessen, dass Horrorfilme sehr vielseitig und kunstvoll sein können», betont Mahnert.

Horror an der Berlinale

Nichtsdestotrotz fristet das Genre bis heute ein Nischendasein. An den grossen internationalen Filmfestivals werden Horrorfilme höchstens in Nebensektionen oder als Mitternachtsfilme programmiert. Annick Mahnert ist sich aber sicher, dass sich das bald ändern wird: «Ich glaube, dass die Festivalveranstalter langsam merken, dass Horrorfilme sehr viel zu bieten haben. In einigen Jahren werden auch an der Berlinale Horrorfilme im offiziellen Wettbewerb laufen.» Momentan sei es aber weiterhin nicht einfach, Unterstützung dafür zu erhalten. «Ich habe meine letzten Filme ausserhalb des Systems produziert», sagt Mahnert. «Bei einigen habe ich sogar mein eigenes Geld reingesteckt». Auch die Vorbehalte der öffentlichen Hand gegenüber Horrorfilmen lassen laut Mahnert aber langsam nach: «In Schweden und Irland werden schon Horrorfilme mit öffentlichen Geldern finanziert. Diese Länder haben gemerkt, dass es für solche Filme einen grossen Markt gibt.»

Fantasielose Schweizer

Von der Filmlandschaft ihres Heimatlandes zeigt sich Mahnert indessen enttäuscht. «In der Schweiz gibt es zu wenig gutes Material», sagt die Produzentin, die nebenher beim Bundesamt für Kultur als Filmexpertin fungiert. «Die meisten Schweizer Horrorfilme sind Kopien von Filmen, die es schon gibt. Wir haben in der Schweiz einfach keine guten Drehbuchautoren mit neuen, innovativen Ideen.» Das liege aber nicht zuletzt auch an den Produzenten. «Ich würde mir wünschen, dass die Schweizer Produzenten mehr Risiken eingehen und auch unkonventionellen und ausgefallenen Filmprojekten eine Chance geben», so Mahnert. «Wir brauchen mehr Innovation. Die neue Generation von Regisseuren will keine Dramen mit schönen Bergidyllen mehr drehen.»

Dem Horrorgenre wird Annick Mahnert sicher weiterhin treu bleiben. Mit den Regisseuren, die sie ans Fiff begleitet, hat sie bereits neue Projekte aufgegleist. «Horrorfilme wird es immer geben», sagt sie. «Denn auch in hundert Jahren werden die Leute noch Angst vor der Dunkelheit haben. Und das ist auch gut so.»

Die Filme

Laotischer Horror hat Chancen auf den grossen Preis

Die Schweizer Filmproduzentin Annick Mahnert ist am diesjährigen Freiburger Filmfestival gleich mit zwei Filmen vertreten. Zusammen mit dem Schweizer Regisseur Alexandre O. Philippe drehte sie den Film «78/52», der sich mit der berühmten Duschszene aus Alfred Hitchcocks «Psycho» beschäftigt (siehe FN vom Dienstag). Der Dokumentarfilm läuft am Fiff in der Parallelsektion «Entschlüsselt».

Mit der laotischen Regisseurin Mattie Do produzierte Annick Mahnert den Film «Dearest Sister». Der erste Horrorfilm aus Laos ist am Fiff im offiziellen Wettbewerb um den grossen Preis der Jury vertreten. Der Film erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die aus ihrem Dorf in die Hauptstadt von Laos reist, um sich dort um ihre erblindete Cousine zu kümmern. Dort angekommen, stellt sie fest, dass ihre Cousine zwar ihr Augenlicht verloren, dafür aber die Fähigkeit entwickelt hat, in dunklen Visionen mit den Geistern von Toten zu sprechen. «Dearest Sister» ist dabei weit mehr als die laotische Variante von «The Sixth Sense»: Der subtil erzählte und grossartig fotografierte Film schafft eine dichte Atmosphäre des Unbehagens und verwebt Themen wie Postkolonialismus, Gier, Sexismus und Klassendenken mit Motiven aus der laotischen Folklore. «Der Film spricht die sozialen und wirtschaftlichen Probleme an, die Laos immer noch beschäftigen», sagt Produzentin Annick Mahnert im Gespräch mit den FN.

lr

Beide Filme von Annick Mahnert laufen dieser Tage noch einmal am Fiff: «Dearest Sister»: Do., 6.4., 17.30 Uhr. «78/52»: Sa., 12.45 Uhr. Beide Rex 1.

Zur Person

Filmschaffen ohne kulturelle Grenzen

Die Schweizer Filmproduzentin Annick Mahnert ist gebürtige Genferin. Nach einem Studium an der Filmakademie in New York arbeitete die heute 41-Jährige während Jahren für grosse Filmproduzenten wie 20th Century Fox, war Marketingmanagerin bei Pathé und Verleihchefin beim Zürcher Filmverleih Frenetic. Vor vier Jahren machte sie sich selbstständig. Seither ist sie weltweit als Produzentin unterwegs und überschreitet mit ihrer Arbeit nationale und kulturelle Grenzen. Ihre grosse Leidenschaft gilt der Produktion von Horrorfilmen.

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