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«Ich bin immer noch eine Exotin»

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Autor: Nicole Jegerlehner

Als kleines Mädchen wollte sie Steinhauerin werden und Kathedralen bauen. «Ich bin mit den Händen aber nicht sehr geschickt», sagt Sylvie Caudron. Und so hat die Französin Ingenieurin studiert – «und bin damit meinem Mädchentraum treu geblieben». An der Ingenieurschule in Frankreich waren rund 20 Prozent der Studierenden Frauen, auf der Bauabteilung sogar noch weniger. «Ich bin die Einzige meines Jahrgangs, die als Projektleiterin auf Baustellen arbeitet; die anderen Frauen sind alle in Ingenieurbüros tätig.»

Alle rieten davon ab

Dass Sylvie Caudron heute Baustellen leitet, liegt an ihrem Willen. Denn ihr Umfeld hat ihr immer davon abgeraten. Auch in den Praktika. «Meine Chefs lobten meine Arbeit, gingen aber immer davon aus, dass ich eh nicht lange auf dem Beruf arbeiten werde.» Die Männer dachten, dass Caudron spätestens als Mutter den Beruf wechseln werde.

Heute ist Sylvie Caudron dreifache Mutter – und arbeitet als Projektleiterin. Seit einem Jahr lebt sie in der Schweiz und arbeitet für Losinger; sie leitet die Baustelle Agora auf dem Dach des TPF-Bahnhofs (siehe Kasten). Doch noch immer kommt es vor, dass einige Leute – nicht nur Männer – an Sitzungen meinen, sie sei die Sekretärin. Den einen ist es dann peinlich, dass sie ein solches Vorurteil hatten. Andere hingegen haben auch nach einiger Zeit noch Mühe, Caudron als die Chefin anzusehen.

«Mich schnell akzeptiert»

Die 34-Jährige geht mit solchen Situationen locker um – und lässt trotzdem keine Zweifel daran aufkommen, dass sie die Chefin ist. Und auf den Baustellen kennt sie keine Probleme: «Die Compagnons» – so heissen die Bauarbeiter bei Losinger – «haben mich sehr schnell akzeptiert», auch wenn ihre Chefs deswegen grosse Bedenken hatten. «Sie fürchteten sich vor Konflikten auf der Baustelle.» Heute sind viele erstaunt über die Ruhe auf den Baustellen, die Caudron leitet. «Wir haben weniger Streitereien und Konfrontationen als anderswo.»

Das heisse aber nicht, dass an Sitzungen, die Caudron leitet, nicht auch einmal eine angespannte Atmosphäre herrsche. «Wir haben in unserem Metier viel Druck – Zeitdruck und finanziellen Druck; das merkt man auch bei uns.» Und eigentlich gefällt das der zierlichen Frau: «Ich arbeite gerne unter Druck.» Am Herzen liegt ihr das Team auf der Baustelle. Auf der Agora-Baustelle arbeiten acht Ingenieure, zwei Poliere und 22 Compagnons von Losinger; dazu kommen die Arbeiter der Subunternehmen. «Zu Beginn einer Baustelle muss man ein Team zusammenkitten, damit alle am selben Strick ziehen.» Wenn das geschafft sei, dann «gibt einem dieser Teamgeist die Lust, am nächsten Tag wieder zur Arbeit zu kommen».

«Viel Verantwortung»

Sylvie Caudron arbeitet seit zehn Jahren als Projektleiterin; sie hat mit kleineren Projekten angefangen und immer grössere übernommen. «Ob das Projekt klein oder gross ist – die Projektleiterin trägt die selbe Verantwortung.» So sei der Anfang ein Sprung ins eiskalte Wasser gewesen. Solche Herausforderungen gefallen Sylvie Caudron. Und so meint sie es nur positiv, wenn sie sagt: «Dies ist ein Beruf, in dem man von Anfang an viel Verantwortung trägt.»

Auch wenn bei Losinger in Freiburg gleich zwei Projektleiterinnen arbeiten, ist die Ingenieurin auf der Baustelle auch heute noch die Ausnahme. «Ich bin immer noch eine Exotin», sagt Caudron und lacht. Die Einstellung der Männer, mit denen sie arbeite, habe sich aber sehr geändert. So seien bei ihrer ersten Schwangerschaft alle davon ausgegangen, dass sie nach dem Mutterschaftsurlaub nicht mehr arbeiten werde. «Bei der zweiten Schwangerschaft dachten alle, ich werde den Beruf wechseln; und bei der dritten fragten sie, welches Projekt ich nach dem Mutterschaftsurlaub übernehmen wolle.»

«Zweimal besser sein»

Als sie als Projektleiterin begonnen habe, sei das Frausein ein Handicap gewesen: «Ich musste zweimal besser sein als ein Mann, um mich zu behaupten.» Heute hingegen bedeute ihr Geschlecht eher einen Vorteil: «Gegenüber meinen männlichen Kollegen werden meine Leistungen eher hervorgehoben.»

«Sehr knappe Frist»

Bis im Februar 2012 herrscht Caudron nun über die Baustelle Agora. Dann sollte das Gebäude fertig gestellt sein. «Das ist eine sehr knappe Frist.» Und genau das mag die Französin an ihrem Beruf: den Druck und die Herausforderungen.

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