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«Ich habe nie so gerne gelebt wie jetzt»

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«Ich habe nie so gerne gelebt wie jetzt»

Theresia, HIV-positiv, sprach mit den FN über ihr Leben

Theresia ist 32-jährig und HIV-positiv. Sie hat vor 16 Monaten von der Krankheit erfahren. Seither setzt sie sich dafür ein, Themen wie Sexualität und Aids zu enttabuisieren. Theresia ist in doppelter Hinsicht von Aids betroffen.

Mit THERESIA* sprach
JEAN-LUC BRÜLHART

Wie haben Sie erfahren, dass Sie HIV-positiv sind?

Mein Mann hatte Aids, ohne dass er es wusste. Im letzten Sommer brach die Krankheit bei ihm aus. Die Symptome waren Fieber und Übelkeit. Er hat nicht mehr geredet oder gegessen. Sogar im Sommer, bei fast 30 Grad, stellte er die Heizung an. Er war der Meinung, dass es wegen des Kriegs in seiner Heimat in Westafrika war. Im Spital ergaben Untersuchungen, dass er wenig rote und weisse Blutkörperchen hat. Nach kurzer Zeit sagte er mir dann, dass er HIV-positiv ist. Meine erste Reaktion war: Wir kämpfen. Wir lassen uns von der Krankheit nicht unterkriegen.

Kurz darauf haben die Tests bei Ihnen ergeben, dass Sie ebenfalls HIV-positiv sind

Die ersten drei Monate waren sehr schlimm. Ich war alleine und hatte Angst. Angst vor dem Sterben und der möglichen Ausgrenzung. Die psychische Belastung war enorm und ein normales Leben nicht mehr möglich. Ich habe aber nie mit dem Gedanken gespielt, Selbstmord zu begehen. Das Leben ist mir zu lieb, als dass ich Selbstmord begehen könnte.

Wie haben Sie Ihrer Familie und Ihren Freunden von Ihrer Krankheit erzählt?

Folgende Frage ist anfänglich präsent: Wem sage ich es, mit wem kann ich darüber sprechen? Einer Freundin erzählte ich dann davon und sie war da für mich. Meine Freunde wissen es jetzt alle, und ich bin froh, dass alle positiv reagiert haben. Es hat mich niemand verlassen deswegen. Meine Familie im Sanktgallischen dagegen weiss nichts von meiner Krankheit und ich werde es ihnen auch nicht sagen. In meiner Kindheit waren Themen wie Sexualität ein Riesentabu. Ich lebte diesbezüglich in einer stummen Familie. Die Beziehung zu meinen Eltern war schon vorher nicht gut und ich möchte das nicht noch verstärken. Ich erzähle meine Geschichte nur jemandem, zu dem ich einen guten Draht habe.

Wie waren anfänglich die Kontakte zu anderen HIV-positiven Personen?

Nach dem Bekanntwerden meiner Krankheit besuchte ich ein Wochenende speziell für HIV-positive Leute. Das war ganz schlimm. Die Teilnehmer waren seit zwanzig Jahren HIV-positiv und zum Teil hatte ich das Gefühl, lebendigen Toten zu begegnen. Die Gesichter waren eingefallen, Buckel und Bäuche hatten sich von den Medikamenten gebildet. Das ganze Wochenende weinte ich nur. Ich hatte damals Angst vor Drogensüchtigen, und Homosexuellen war ich vorher nie begegnet – die Tabuthemen von früher eben.

Eine Teilnehmerin beeindruckte mich jedoch tief. Sie nahmen am Wochenende teil, obwohl sie hätte sterben können. Am Ende sah ich dann nicht mehr die Hülle, sondern den Menschen dahinter.

Was haben diese Begegnungen bei Ihnen ausgelöst?

Mir war dann klar, dass ich nicht so zerfallen will, und habe eine Musiktherapie angefangen sowie Sophrologie. Bei Angstanfällen, als ich das Gefühl hatte, niemand mehr berühre mich, niemand will mehr etwas von mir wissen, ging ich in den Wald und schrie. Ich nahm jeweils meine Trommel mit. Das war wie ein Schutz. Dann schrie ich, bis alles draussen war. Auch heute noch kommt das vor. In der Musiktherapie wurde der Hilfeschrei zum Gesang. Ich wusste nicht mehr weiter. Am Anfang war die Angst, keine Kinder haben und nicht mehr normal arbeiten zu können. Das hat mich am meisten bedrückt. Heute weiss ich, dass Kinderhaben möglich ist, auch wenn beide Eltern HIV-positiv sind.

Und Sie gehen einer geregelten
Arbeit nach.

Ich arbeite zu 30 Prozent im sozialen Bereich. Es ist mir wichtig, mich nicht nur im Kreis von Betroffenen zu bewegen. Dazu gehört, mit anderen Leuten Kontakt zu haben, andere Gesprächtshemen zu pflegen, offen zu bleiben. Die Arbeit gibt mir ein Stück weit auch Erfüllung und Bestätigung.

Wie ging es dann weiter?

Im Januar entschied ich mich, aus meiner Geschichte etwas zu machen. In einer Austauschgruppe wurde ich dann wieder mit HIV-positiven Leuten konfrontiert. Weil ich noch nicht lange von meiner Krankheit wusste, war das alles ziemlich neu für mich. Ich fühlte mich etwas verloren, wie wenn ich auf einem neuen Planet angekommen wäre. Dort kam ich wieder mit Menschen zusammen, die seit 15 bis 25 Jahren HIV-positiv sind. Ich hoffte immer, jemanden anzutreffen, der aus einem gleichen Milieu stammte wie ich. Aber da war niemand. Heute verbindet uns die Krankheit ganz stark und die Solidarität unter den Betroffenen ist sehr gross. Den Schmerz nehme ich immer noch wahr, ich kann ihn aber überwinden. Es ist jetzt etwas aus dem Schmerz entstanden. Aus dem Chaos wurde eine Blume.

Was bedeutet diese Austauschgruppe für Sie?

Da ich vorher noch nicht mit dieser Thematik konfrontiert war, ging es zuerst einmal darum, hinzusehen. Ein Teilnehmer wird seine Medikamente absetzen und sterben, wenn sie bis Weihnachten nicht wirken. Dem Tod so nahe zu sein schmerzt. Die Homosexuellen sind Menschen wie ich und du – vorher waren sie für mich weit weg. In der Gruppe zu erzählen, was man hat, stärkt das Selbstbewusstsein. Auch wenn man zu weinen beginnt. Dann sehen es die anderen eben. Manchmal ist es schon schwierig, aber es ist nötig. Jetzt stehe ich zu mir und zur Krankheit.

Haben Sie neben der Musiktherapie noch eine weitere Betreuung?

Momentan werde ich noch psychologisch betreut in einer körperorientierten Therapie. Die ersten acht Monate hatte ich Durchfall. Man nimmt an, dass das eine Folge der psychischen Überbelastung war. Der Therapeut sagte mir, mein Körper weine. Mit der Zeit wurde es verarbeitet, und den Gefühlen konnte anders Ausdruck verliehen werden. Heute habe ich keinen Durchfall mehr.

Sie nehmen keine Medikamente. Weshalb?

Mein Virus ist gering und mein Immunsystem momentan noch genug stark. Ich würde heute mehr unter den Nebenwirkungen der Medikamente leiden. Ich bin eher eine Gegnerin von Medikamenten. Man darf es zwar nicht ausschliessen, denn mein Mann wäre ohne Medikamente gestorben. Ich merke aber, dass die Psyche einen sehr grossen Einfluss auf die Gesundheit hat. Wenn man daran arbeitet, hat das Auswirkungen auf den Gesundheitszustand. Mit genügend Schlaf und Bewegung sowie richtiger Ernährung kann ich sehr viel überwinden. Ich glaube daran, dass die Krankheit heilt. Viele Menschen denken es, sei eine Utopie.

Wie geht es Ihrem Mann?

Mein Mann hat mehr Mühe, mit der Situation klarzukommen. Am Anfang nahm er täglich 20 Tabletten. Dadurch traten zum Beispiel Halluzinationen auf und er hatte immer Träume vom Krieg. Ich war für ihn wie ein Soldat, ein Gegner. Ich konnte nicht mehr die Nacht im selben Zimmer verbringen. Der Abend war immer ein Horror. Er hat immer geschrien vor Angst vor den Nebenwirkungen. Einerseits haben die Medikamente eine betäubende Wirkung, andererseits rufen sie Kopfschmerzen, Übelkeit oder auch Depressionen hervor. Sie verändern den Menschen. Mein Mann hat zum Beispiel am Anfang 20 Kil

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