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«Ich war gerne Synodalratspräsident»

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Autor: Helene Soltermann

Sein Abgang als Präsident der evangelisch-reformierten Kantonalkirche kam überraschend: Zwei Tage bevor sich das Kirchenparlament letzte Woche zur Synode versammelte, zog er seine Kandidatur für eine weitere Amtsperiode als Synodalratspräsident zurück (die FN berichteten). Das Amt sei ihm nach 14 Jahren nicht etwa verleidet, sagt Daniel de Roche. Im Gegenteil: «Ich war gerne Synodalratspräsident.» Er habe aber gemerkt, dass seine Zeit abgelaufen sei. Seine Kandidatur hätte an der Synode zu unschönen Diskussionen geführt. «Und diese Diskussionen wollte ich mir und der Kirche ersparen.»

Im letzten Herbst verpasste de Roche die Wiederwahl in den Freiburger Grossen Rat. Der Guschelmuther politisierte dort seit 2006 für die EVP. «Diese Abwahl hatte einen gewissen Prestigeverlust zur Folge.» Gescheitert ist de Roche jedoch wohl nicht zuletzt an einem Projekt: Er wollte den Sitz der Kantonalkirche von Murten nach Freiburg verlegen, um dieser mehr Sichtbarkeit zu verschaffen. «Das Projekt hatte in der Synode keine Chance», sagt de Roche. Die Kirchenparlamentarier haben das Geschäft der Sitzverlegung letzte Woche an den Synodalrat zurückgewiesen.

Kathedrale soll Türe öffnen

Eine neue Stelle hat der 58-Jährige bereits: Ab dem 1. Juli arbeitet er in der Kirchgemeinde Freiburg als Pfarrer und leitet Bildungs- und Kulturveranstaltungen für Studenten. «Vielleicht kann ich durch meine neue Stelle den Kontakt zu den Katholiken verbessern.» Das Verhältnis sei zwar freundschaftlich. «Aber wir haben zu wenig gemeinsame Projekte.» So komme etwa die Notfallseelsorge im Kanton nicht vom Fleck. De Roche wünscht sich auch, dass die Freiburger Kathedrale nicht nur eine Bischofskirche, sondern eine Kirche für alle wäre, wo jede Religion ihre Anlässe durchführen kann. Die Kathedrale in Lausanne sei das beste Beispiel dafür, dass eine Kirche allen Religionen offenstehen könne.

Stolz ist de Roche ist auf die stets ansteigende Mitgliederzahl seiner Kirche. «1998 hatten wir im Kanton 34000 Mitglieder, heute sind es 40000.» Dass die Mitglieder vor allem Zuzüger sind und bei der reformierten Kirche die Zahlen automatisch ansteigen lassen, sieht er ein. Die Mitgliederzahl sei denn auch nicht durch missionarische Projekte angestiegen. «Doch es gelingt uns, die Jugendlichen anzusprechen.» Die Stadt Freiburg zeige es. Dort würden 60 bis 70 Jugendliche aktiv bei kirchlichen Projekten mitmachen, obschon sie den obligatorischen Kirchenunterricht bereits hinter sich hätten.

Bibellosung per Mail

Überhaupt hat de Roche das Gefühl, dass die Religion im Alltag allgegenwärtig ist. «So unreligiös sind die Schweizer nämlich gar nicht. Laut einer aktuellen soziologischen Studie beten 80 Prozent der Bevölkerung.» Vielleicht wisse man dies nicht, weil die Religion «eine sehr private Angelegenheit» sei.

Er lebe die Religion im Alltag durch die Musik, sagt Daniel de Roche. Er singt beim Gemischten Chor Cordast und beim Kirchenchor Murten mit. Auch Beten ist für ihn wichtig. «Ich bin oft im Gespräch mit der Bibel.» Dabei geht de Roche mit der Zeit: Täglich um 0.45 Uhr erhält er per Mail eine biblische Losung zugesandt.

«So unreligiös sind die Schweizer gar nicht», sagt Daniel de Roche.Bild Charles Ellena

Synode

Ähnliche Strukturen wie beim Kanton

Die evangelisch-reformierte Kantonalkirche ist demokratisch aufgebaut. Im Vergleich zum Kanton heisst dies: Die Synode ist der Grosse Rat (Legislative), der siebenköpfige Synodalrat gleicht dem Staatsrat (Exekutive). Die Synode zählt 85 Mitglieder und tagt in regelmässigen Abständen. Jede der 16 evangelisch-reformierten Kirchgemeinden stellt mindestens zwei Mitglieder; neben dem Kirchgemeindepräsidenten ist dies eine Pfarrperson. Je grösser die Kirchgemeinde, desto mehr Delegierte sind in der Synode vertreten. Als grösstes Mitglied stellt die Kirchgemeinde Freiburg zehn Delegierte. hs

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