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Ihr habt es aber eng

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Oh! Ihr habt es aber eng, murmelts mir. Man isst auch nicht Fisch aus der Dose, murmelts weiter – ich habe die kleine Sardinendose geöffnet, betrachte den Inhalt. Ihr habt es aber eng. Zumindest gibts da noch Öl, wenn nicht zur Verfeinerung des Fleischminimums, so doch auch, damit es ein klein wenig erträglicher ist mit den Reibungsflächen. Du bist nicht ganz hundert, murmelts weiter, keiner fühlt was, alles kennst du schon lange. Natürlich kenne ich diese zusammengepressten Grüppchen in engen Dosen schon lange und habe sie auch ab und zu gern gegessen, wenn auch stets etwas beschämt, da Vegetarierin.

Diesmal aber hatte das Sardinenbetrachten noch eine neue Komponente. Ein leicht beklemmendes Gefühl. Der Vergleich zum Leben momentan drängte sich mir auf. Momentan ist kein gewohntes Menschen-untereinander-Verhalten selbstverständlich. Ein tagesroutiniertes, auch oft schon unbewusstes, nahes sich Begegnen und Begrüssen ist schwer möglich. Wir sind im Abstand-halten-Versuch.

In dieser Pandemiezeit erscheint mir also Gepresstes, Geballtes, Engplatziertes, und seis noch so klein, in neuem Licht. Wo vieles ist, ist oft zu viel, braucht Raum, wo ist er denn? Momente des Wegrückens, Zwischenräume-Schaffens sind bekannt geworden. Was könnte als Öl für Menschen gelten? Keine Beklemmung bei der Vorstellung von Sardinenschwärmen im Wasser, aber der Anblick in der Dose bringt mich diesmal sozusagen auf Augenhöhe mit Fischen.

Eine ähnliche, nein, stärkere, Beklemmung befiel mich kürzlich auf einer Wanderung am Südufer des Neuenburgersees. Beim Aufstieg vom See zu den Fruchtplantagen wurde die Landschaft weit, das Klima fast mediterran. Kirschen-, Birnen-, Pfirsich-, Apfelbäume, reihenweise, geordnet angepflanzt. Starke, schöne Bäume … bis der Blick hängen bleibt, überrascht, dann ungläubig haften bleibt. Ein Würgegefühl sass plötzlich in meinem Hals. Wurden da hochstämmige Apfelbäume mit grosser Gewalt – so erschien es mir jedenfalls – in niederstämmige Bäume umzuformen versucht? Was konnte da der Plan sein? Mit dicken Metallseilen und breiten Ledergurten waren schon kräftig gewachsene Baumkronen von oben nach unten gezwungen worden. Beindicke Stämme waren gebunden und in ein total anderes Wachstum gewürgt worden, so dass sich Äste und Stämme wie Wulste ineinander bogen. Als einzigen Grund für diese fürchterlich anzusehende Zuchtmethode konnte ich mir den Vorwand praktischen Lesens, leiterlosen Pflückens vorstellen, was mir aber total absurd erschien.

So ist es also, Würgegefühl bei Apfelbäumen, Engegefühl bei Sardinendosen lösen bei mir derzeit Vergleiche zu Menschenproblemen aus. Es könnte sein, dass wir einen neuen Sinn entwickeln in Bezug zu Menge, zu Zucht und den Umgang damit. Dass wir uns nun sich stark aufdrängenden Gedanken nähern und fühlen, was sie aussagen können für unsere Zukunftsgestaltung. Auch Abstand halten täuscht uns nicht darüber hinweg, dass wir viele, überviele sind.

Dann das sich verändernde Licht einer «hora de cobre» auf Häusern und Mauern betrachten und die vielen Fenster als nicht zu viele empfinden. Oder wieder die Mauersegler, die viele sind. Unbedrängtes Fliegen, kein geringstes sich Touchieren, geschweige denn Kollision im grossen Arbeitsspiel. Oder die Himbeere: gedrängte Körnchen, viele, den kleinen roten Kelch bildend, perfekt und nie zu viele. Die Universalität der Anhäufungen von Körnchen, Blättern … zigmillionen Dingen, die gedrängt sein müssen, um zu sein, was sie sind. Himbeere, Apfelbaum, Fischleben – es ergeben sich neue Gedanken beim Erfahren von gewöhnlichen, uns bekannten Dingen und Situationen. Neue Fragen beim Bemerken von Sinnbildern zu Freiheit und Zucht.

Auch wenn es eng ist, jetzt.

Sus Heiniger ist Kunstmalerin und lebt in Murten. Als FN-Gastkolumnistin schreibt sie regelmässig zu selbst gewählten Themen.

Gastkolumne

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