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Im Seebezirk geht es ans Heiraten

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Im Seebezirk geht es ans Heiraten

Autor: Lukas Schwab und Helene Soltermann

Mit dem Fusionsgesetz will der Kanton Freiburg die Gemeindefusionen vorantreiben. Im Seebezirk zeigt der gesetzliche Anreiz Wirkung: Praktisch alle Gemeinden befassen sich derzeit mit dem Thema Fusion. Bei vielen steht der Prozess zwar noch am Anfang, dennoch haben sich einige klar geäussert. So zum Beispiel die Nachbargemeinden Murtens (siehe Kasten unten rechts): Galmiz, Greng, Merlach und Muntelier streben keine Fusion an. Sie wollen eigenständig bleiben. In Courlevon, Lurtigen und Jeuss hat sich die Bevölkerung für eine Fusion mit Murten ausgesprochen. Ebenfalls positiv betrachten die Bürger von Salvenach und Courgevaux eine Fusion, sie würden aber kleine Gemeinden Murten als Partner vorziehen.

Die Zukunft der Schule

Lockere Fusionsgespräche laufen auch zwischen Gempenach, Ried und Ulmiz. «Wir haben gegenseitig die Fühler ausgestreckt», sagt Beat Aeberhard, Ammann von Ulmiz. Um die Bevölkerung früh einzubeziehen, soll nach den Sommerferien eine Umfrage lanciert werden. «Aufgrund der Resultate werden wir dann weitersehen», so Aeberhard. Einen Fusionszwang gebe es momentan in keiner der Gemeinden. «Wegen unserem gemeinsamen Schulkreis müssen wir aber wissen, in welche Richtung es geht.» Da Büchslen den ABGRU-Schulkreis wegen der Fusion mit Murten verlässt, würde der Ausstieg einer weiteren Gemeinde das Ende bedeuten. Zudem stehen grosse Investitionen in die Schulräume an. «Dazu müssen wir wissen, ob es weitergeht», so Heinz Etter, Ammann von Ried.

Neben einer Fusion untereinander kommen für Ulmiz geografisch auch Gurmels oder Murten als Partner infrage; für Gempenach und Ried bieten sich Murten oder Kerzers an. «Geografisch ist Ulmiz ein schwieriger Fall», sagt Aeberhard. Das Gleiche gilt für Ried und Gempenach. «Wir warten auf die Umfrageresultate und sehen dann, was rauskommt», sagt Jürg Kunz, Ammann von Gempenach.

Kerzers ohne Partner

Die Gemeinde Kerzers ist laut Gemeindepräsidentin Susanne Schwander offen für Fusionspartner. Dennoch zeichnet sich keine Fusion ab. Fräschels hat sich im Herbst 2010 gegen Fusionsgespräche entschieden und Ried wird sich, falls eine Fusion zum Thema wird, kaum Richtung Kerzers orientieren. Die bernischen Nachbarn Golaten, Wileroltigen und Gurbrü zeigen teilweise Interesse, die Kantonsgrenze stellt hier aber nach wie vor ein grosses Hindernis dar.

Auch Gurmels fehlt es an Partnern. Eine logische Wahl wäre Kleinbösingen, das bereits zum Schulkreis gehört. Laut Ammann Bernhard Hostettler ist eine Fusion aber kein Thema: «Im Moment sehen wir keinen Bedarf.»

Ein weiterer Nachbar von Gurmels ist Cressier, das aber laut Syndic Jean-Daniel Pointet ebenfalls keine Fusion anstrebt. «Das ist bei uns kein Thema.» Anders sieht es bei den Nachbarn Cressiers im oberen Seebezirk aus. Bärfischen, Courtepin, Misery-Courtion, Wallenried und Villarepos führen Gespräche. Auch hier ist laut Erwin Fuhrer, Syndic von Courtepin, im Herbst eine Umfrage geplant. Insbesondere der Gemeinderat von Bärfischen hat sich bereits klar für eine Fusion im «Haut-Lac» ausgesprochen.

Schwierig gestaltet sich das Thema Fusion zwischen den beiden Vully-Gemeinden, die eine geografische Einheit bilden. Ein gemeinsames Schulhaus ist gescheitert, was nicht eben zu einem guten Verhältnis beitrug. Während der Gemeinderat von Bas-Vully eine Fusion anstrebt, hält sich Haut-Vully zurück.

Vision von fünf Gemeinden

Oberamtmann Daniel Lehmann wird Ende Juni seinen Fusionsplan für den Seebezirk abgeben. Wie dieser aussieht, verrät er noch nicht. «Wir werden einen Plan mit möglichen Varianten präsentieren, nicht einen verbindlichen Vorschlag.» Das letzte Wort hätten aber die Gemeinden. Lehmann liess durchblicken, dass die Aufteilung in die fünf Regionen Haut-Lac, Gurmels, Murten, Kerzers und Vully für ihn aufgrund der geografischen Verhältnisse naheliegend sei. Ein Bezirk mit nur fünf Gemeinden liegt aber in weiter Ferne: Die Idee, die Lehmann selber als «provokativen Vorschlag» bezeichnet hat, ist eher als Vision zu betrachten.

Der Seebezirk: Rund um Courtepin und rund um Murten stehen wohl bald Fusionen an.Grafik FN

Murten und seine Nachbarn: Klare Aussagen aus der Umfrage

Die Gemeinden Courlevon, Courgevaux, Galmiz, Jeuss, Lurtigen, Merlach, Muntelier und Salvenach haben gemeinsam eine Fusionsumfrage durchgeführt. Klar für eine Fusion mit Murten sprach sich Courlevon aus, das die Umfrage bereits 2010 durchgeführt hat.

Ein ähnliches Resultat gab es in Jeuss: 87 Prozent gaben an, eine Fusion sei der richtige Weg oder sie könnten damit leben, 12 Prozent lehnten eine Fusion ab. Eine klar Mehrheit sprach sich für Murten als Partner aus. Noch deutlicher war das Resultat in Lurtigen: 92 Prozent bejahten eine Fusion oder könnten damit leben, nur acht Prozent waren dagegen. Als Partner war Murten klarer Favorit.

Ja, aber nicht mit Murten

Die Bevölkerung von Courgevaux und Salvenach sprach sich ebenfalls für eine Fusion aus. In Courgevaux waren 78 Prozent einer Fusion nicht abgeneigt, 15 Prozent lehnten eine Fusion ab. In Salvenach zeigten sich 84 Prozent positiv oder neutral, 16 Prozent lehnten die Fusion ab. In beiden Gemeinden würden die Bürger aber lieber mit kleinen Gemeinden fusionieren, als sich der Grossgemeinde Murten anzuschliessen.

In Galmiz hat sich bei geringer Umfragebeteiligung je ein Drittel positiv, neutral oder ablehnend zur Fusion geäussert. Vize-Ammann Beat Marfurt schloss aus dem Resultat und der geringen Beteiligung, dass sich der Gemeinderat nicht aktiv um einen Fusionspartner bemühen müsse. Die Vorschläge von Oberamtmann Daniel Lehmann will Galmiz aber aufmerksam verfolgen.

Dreimal Nein zur Fusion

In Merlach lehnten zwei Drittel der Bürger eine Fusion ab. Für Merlachs Ammann Walter Zürcher ein klares Fazit: Für die nächsten zehn Jahre werde man weitermachen wie bisher.

Ein ähnliches Resultat gab es in Muntelier: 45 Prozent waren gegen eine Fusion, nur 18 Prozent sahen einen Zusammenschluss als den richtigen Weg. «Das ist ein ziemlich deutliches Resultat», sagte Gemeinderat Pascal Pörner an der Gemeindeversammlung. Der Gemeinderat müsse sich dennoch weiter damit befassen, um nicht plötzlich im Abseits zu stehen.

In Greng wurde keine Umfrage durchgeführt. Laut Ammann Peter Goetschi habe sich an den Gemeindeversammlungen gezeigt, dass eine Fusion kein Thema sei.luk

Hauptorte: Grosse Gemeinden sind offen für Fusionen mit den kleinen Nachbarn

Während sich die kleineren Gemeinden im Seebezirk aktiv mit dem Thema Fusion befassen, sieht die Ausgangslage für Zentrumsgemeinden wie Courtepin, Gurmels, Kerzers und Murten etwas anders aus: Ihre Rolle ist als möglicher Fusionspartner für ihre kleineren Nachbarn eher passiv.

Die Gemeinde Murten hat hier Erfahrung: Sie hat bereits mit Burg und Altavilla fusioniert, und nächstes Jahr wird Büchslen dazustossen. Auch künftig steht bei Murten für andere Gemeinden die Türe offen – zumindest wenn es nach Stadtammann Christian Brechbühl geht. «Wir sind grundsätzlich offen.»

Nicht tröpfchenweise

Gespräche laufen laut Brechbühl derzeit mit keiner Gemeinde, Heiratsanträge seien aber eingetroffen. Woher diese kommen, sagt er nicht. Tröpfchenweise Anfragen möchte Brechbühl aber koordinieren. Zwar seien Fusions-Grundkenntnisse wegen dem momentan ablaufenden Zusammenschluss mit Büchslen vorhanden. «Aber administrativ ist eine Fusion enorm aufwendig.» So müssten alle Reglemente neu geschrieben werden.

Obwohl sich gewisse Nachbargemeinden wie Galmiz, Greng, Muntelier und Merlach eher gegen eine Fusion mit Murten aussprechen (siehe Text oben): Auch sie seien in Murten willkommen, wie Brechbühl sagt. Er hat aber «ein gewisses Verständnis» dafür, dass etwa Greng wegen seines tiefen Steuersatzes so lange wie möglich eigenständig bleiben will.

Fehlendes Glied in Gurmels

Rund um Gurmels zeichnet sich derzeit keine Fusion ab, obwohl Syndic Daniel Riedo zugibt, dass der Nachbar Kleinbösingen das «fehlende Glied in der Gemeinde» sei. Offiziell laufen keine Gespräche, und Riedo will einen Zusammenschluss von Gurmelser Seite her auch nicht forcieren. Neben Kleinbösingen wäre Riedo auch offen für die Nachbarn Ried und Ulmiz. Weil diese mit ihrem Schulkreis eher in Richtung Murten ausgerichtet seien, stehe eine Fusion mit Gurmels bei ihnen aber wohl nicht auf der Prioritätenliste, so Riedo.

Kleine müssen aktiv werden

Dass sich die kleineren Gemeinden künftig in Richtung Zentrumsgemeinden bewegen, ist auch in Susanne Schwanders Sinn. Die Kerzerser Gemeindepräsidentin ist jedoch zurückhaltend, kleinere Nachbarn zu umwerben. «Es macht sich immer schlecht, wenn der Grosse aktiv wird.» Eine Fusion müsse von der kleineren Gemeinde angestossen werden. Schwander begreift die Leute, die «ihre kleine Gemeinde behalten wollen». Sie frage sich schon ab und zu, ob es vom Kanton her der richtige Weg sei, «auf Teufel komm raus» zu fusionieren. «Es ist nicht sicher, dass in 20 Jahren, wenn alles fusioniert hat, auch alles effizienter geworden ist.»

Courtepin führt zurzeit Gespräche mit Bärfischen, Misery-Courtion, Villarepos und Wallenried. Laut Erwin Fuhrer, Syndic von Courtepin, ist das weitere Vorgehen von einer Bevölkerungsumfrage abhängig, die im Herbst über die Bühne gehen soll.

Murtens Stadtammann Christian Brechbühl sieht Potenzial in Gemeindezusammenschlüssen. «Grössere Gemeinden haben mehr Einfluss beim Kanton.» Und davon würde auch die Bevölkerung profitieren, findet er. «So zum Beispiel bei der Wirtschaftsförderung. Oder vielleicht sogar beim Strassenbauprojekt T10.»hs/luk

Chronologie

Bezirk hat eine lange Fusionsgeschichte

Mit der Fusion von Murten und Büchslen, die Anfang 2013 in Kraft tritt, zählt der Seebezirk neu 25 Gemeinden. In den Jahren zuvor ist es zu einigen Fusionen gekommen: Anfang 2006 stiess die Gemeinde Agriswil zu Ried. 2003 hat sich Courtaman Courtepin angeschlossen, und im gleichen Jahr kam es sogar zu einer Viererfusion: Gurmels, Guschelmuth, Liebistorf und Wallenbuch schlossen sich gleichzeitig zusammen. Bereits drei Jahre zuvor hatten sich Kleingurmels und Gurmels zusammengeschlossen. Im Jahr 1997 schlossen sich vier Gemeinden im südwestlichen Teil des Bezirks zusammen: Aus Cormérod, Cournillens, Courtion und Misery entstand die heutige Gemeinde Misery-Courtion. Und auch Murten hat bereits Fusionserfahrung: 1991 stiess Altavilla zu Murten, bereits 1975 hatte sich Burg dem Bezirkshauptort angeschlossen. Insgesamt gab es im Seebezirk im Jahr 1974 noch 43 Gemeinden. In den letzten rund 40 Jahren sind also 18 Gemeinden verschwunden. Mit dem aktuellen Fusionsgesetz dürfte die Zahl weiter sinken. hs/luk

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