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«In unserem Herzen hat es Platz für alle»

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Flavien Droux, Rana Bassil und Juliana Rudaz: Ihre Geschichten stehen exemplarisch für das, was das Freiburger Kulturlokal Nouveau Monde seit einem Vierteljahrhundert ausmacht: Hier gibt es Platz für jeden, und wer einmal Teil davon ist, geht so schnell nicht mehr weg. Der Programmchef, die Kommunikationsverantwortliche und die Leiterin des Kulturcafés Ancienne Gare haben im Sommer nach dem Weggang von Direktor Leandro Suarez vorübergehend die Leitung des Lokals übernommen, und alle drei sind schon lange Teil der Nouveau-Monde-Familie.

Anfänge als Praktikant

Der heute 33-jährige Flavien Droux hat einst als Praktikant angefangen. Mit 15 Jahren habe er im Nouveau Monde seine ersten Konzerte erlebt, damals noch im Lokal an der Zeughausstrasse, erzählt Droux. Nach seinem Praktikum im Nouveau Monde wurde er Programmchef im Ebullition in Bulle. «Als das Nouveau Monde mich anfragte, um hier die Programmleitung zu übernehmen, sagte ich sofort zu. Ich fühlte mich sehr geehrt.»

Auch die 36-jährige Rana Bassil hat im Nouveau Monde eine Heimat gefunden: Es sei einer der ersten Orte gewesen, die sie 2009 nach ihrer Ankunft in der Schweiz aufgesucht habe, so die gebürtige Libanesin. 2015 wurde sie ehrenamtliche Helferin, 2016 Kommunikationsverantwortliche. «Das Nouveau Monde hat mir persönlich und beruflich viel gebracht», sagt sie. «Es gehört einfach zu mir.» Ähnlich erging es der 37-jährigen Juliana Rudaz: Auch sie fing vor zehn Jahren als freiwillige Helferin an, arbeitete dann im Service, wurde Barleiterin und übernahm dieses Jahr die Leitung des Kulturcafés. Sie schätze hier vor allem die bunte Mischung aus Menschen jeder Herkunft und jeden Alters, sagt sie. «Es ist ein sehr lebendiger und offener Ort.»

Jetzt freut sich das Führungstrio auf die bevorstehenden Feiern zum 25-jährigen Bestehen des Nouveau Monde. Wie die Menschen, hat sich auch das Lokal selbst stetig weiterentwickelt: Aus einem Haufen junger Freiwilliger, die alternative Kulturanlässe organisierten, ist eine professionelle Kulturinstitution geworden, die ihren Platz in der Freiburger Kulturszene gefunden hat. Das Nouveau Monde hat heute acht festangestellte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und beschäftigt zudem Praktikanten und Zivildienstleistende, sein jährliches Budget beläuft sich auf gegen 1,4 Millionen Franken, und jedes Jahr finden an die 150 Publikumsanlässe statt. Trotz dieser Entwicklung sei das Nouveau Monde sich immer treu geblieben, betont Rana Bassil: «Die Offenheit, das Familiäre, die Vielfalt und der grosse Stellenwert des lokalen Kulturschaffens: Das ist die Essenz des Nouveau Monde.»

Stärke in der Krise

Alle drei verbinden mit dem Nouveau Monde schöne Erinnerungen: So ging für Flavien Droux 2019 ein Jugendtraum in Erfüllung, als er die schwedische Punk-Rock-Band Millencolin ins Nouveau Monde holte und zwei ganze Tage mit den Künstlern verbrachte. Rana Bassil ihrerseits denkt gerne an Veranstaltungen zurück, die sie vorschlagen und realisieren durfte, so zuletzt in diesem Jahr einen Unterstützungsabend für den Libanon. Gerade in der aktuellen, unsicheren Zeit täten diese Erinnerungen gut, sagt Bassil.

Wie alle Kulturveranstalter ist auch das Nouveau Monde stark von der Corona-Krise betroffen. Auf die Frage nach seiner schlechtesten Erinnerung ist die Antwort von Flavien Droux klar: «Der 13. März, als wir nach dem Schliessungsentscheid des Bundesrates alle unsere Anlässe absagen mussten.» Dennoch habe das Team das Beste aus der Situation gemacht. «Wir haben bewiesen, dass wir auch unter schwierigen Umständen kreativ sein können und dass Kultur trotz allem möglich und wichtig ist.» Juliana Rudaz kann der Krise sogar etwas Positives abgewinnen: «Die Situation ist stimulierend. Sie holt uns aus unserer Komfortzone und zwingt uns, uns zu hinterfragen.»

Krisenerprobt ist das Nouveau Monde allemal: Es hat den Brand überlebt, der 2003 sein erstes Lokal komplett zerstörte, eine Saison ohne festen Standort und eine Übergangszeit in einer Industriezone (siehe auch Kasten ganz rechts). Angst haben die Verantwortlichen auch jetzt nicht: «Solange uns die Behörden wie versprochen unterstützen, ist unsere Existenz nicht gefährdet», sagt Rana Bassil. Die bisherigen Signale seien ermutigend, so zuletzt der Entscheid des Grossen Rates, das Hilfspaket für die Kultur auf 4,4 Millionen Franken aufzustocken.

Ehrgeizige Pläne

So blickt das Trio trotz allem zuversichtlich in die Zukunft und will an die guten Ergebnisse der letzten Jahre anknüpfen. 2019 war mit über 27 000 Eintritten das erfolgreichste Jahr in der Geschichte des Nouveau Monde. «Das Gesamtpaket stimmt», sagt Programmchef Flavien Droux. «Wir profitieren von der dynamischen Freiburger Kulturszene, wir arbeiten hart, und das Publikum vertraut uns.» Für die Zukunft hat das Team ehrgeizige Pläne. Ziel sei, das einzigartige Gebäude, den alten Bahnhof aus dem 19. Jahrhundert, noch besser zu nutzen und in Szene zu setzen, verrät Droux. Die Zusammenarbeit zwischen dem Nouveau Monde und dem Café, aber auch mit dem Filmfestival und dem Bollwerkfestival, soll intensiviert werden. Aus dem Alten Bahnhof soll so ein soziokultureller Treffpunkt für die ganze Bevölkerung werden. «Unser Herz ist gross», sagt Droux, «darin hat es Platz für alle.»

Chronologie

Im Alten Bahnhofsesshaft geworden

1995 Ein Verein aus jungen Vertretern der alternativen Kulturszene gründet in einem leer stehenden Gebäude an der Zeughausstrasse das Kulturzentrum Nouveau Monde als Plattform für junge Künstler. Raphaël Kummer wird Direktor.

2003 Ein Feuer zerstört das Haus an der Zeughausstrasse komplett. Das Nouveau Monde, das sich inzwischen stark entwickelt und professionalisiert hat, ist heimatlos, bekommt aber viel Unterstützung aus der regionalen und nationalen Kulturszene. Noch im gleichen Winter macht es sich mit der «Burning Tour» mit Freiburger Musikern auf den Weg durch die Schweizer Clubs, um Einnahmen für den Wiederaufbau zu generieren.

2004 Das Nouveau Monde zieht vorübergehend nach Villars-sur-Glâne, in einen leer stehenden Saal in der Industriezone Moncor. Diese Lösung ist von Anfang an als Provisorium gedacht. Denn im gleichen Jahr gründet das Nouveau Monde zusammen mit dem Internationalen Filmfestival Freiburg und dem Belluard Bollwerk International den Verein Ancienne Gare, der aus dem alten Freiburger Bahnhof ein Kulturzentrum machen will.

2007 Der Alte Bahnhof (Bild) wird eröffnet. Das Nouveau Monde bekommt in dem geschützten Gebäude aus dem Jahr 1872 erstmals ein festes Zuhause. Der Konzertsaal verfügt über 300 Stehplätze. Im Gebäude befindet sich ausserdem ein Kulturcafé, und das Filmfestival und das Bollwerkfestival beziehen hier ihre Büros.

2008 Mitgründer Raphaël Kummer verlässt das Nouveau Monde. Das Kulturzentrum passt seine Organisation an und engagiert für die Nachfolge Julien Friderici als Direktor und Sylvain Maradan als Programmchef.

2014 Stéphanie Bender löst Julien Friderici auf dem Direktorenposten ab.

2015 Valentin Mottier folgt als Programmverantwortlicher auf Sylvain Maradan.

2017 Wieder gibt es personelle Veränderungen: Leandro Suarez wird Direktor, Flavien Droux Programmchef.

2019 Mit 27 370 Eintritten und einer Auslastung von 80,4 Prozent feiert das Nouveau Monde ein Jahr vor seinem 25-Jahr-Jubiläum den bisherigen Publikumsrekord.

2020 Direktor Leandro Suarez verlässt das Lokal. Programmator Flavien Droux, Kommunikationschefin Rana Bassil und Juliana Rudaz, Leiterin des Kulturcafés, übernehmen ad interim.

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Programm

Ein Film zumJubiläum

Ab heute feiert das Nouveau Monde seinen 25. Geburtstag mit folgendem Programm:

Fr., 23. Oktober: Uraufführung eines Films, in welchem verschiedene Leute, die einen Teil der Geschichte des Lokals miterlebt haben, ihre Erinnerungen teilen (um 21 Uhr im Kino Rex). Konzert des Bieler Musikers Cee-Roo, mit einem eigens kreierten Programm (nach dem Film im Nouveau Monde; zusätzliche Aufführung um 20 Uhr).

Sa., 24. Oktober: Konzertabend mit Freiburger Bands, die alle in einem Musikstil spielen, der ihnen sonst völlig fremd ist. Mit Among Vultures, Baron.e, Crème Solaire, Femme Fatale, Le Flux, Løre, The Office und Woodi (21 Uhr).

So., 25. Oktober: «Chocolat Show»: Familienanlass mit dem Trio GaBLé (Zvieri 16 Uhr, Aufführung 17 Uhr).

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Wegen der Corona-Massnahmen finden alle Anlässe sitzend statt. Die Anzahl Plätze ist jeweils auf 100 begrenzt. Reservation empfohlen.

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