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«Je älter man wird, desto schneller zieht die Zeit vorbei»

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«Als wir jung waren, war es schwieriger. Schon die Kinder mussten arbeiten, damit genügend Geld ins Haus kam. Und man hatte keinen grossen Lohn», sagt der 76-jährige Max Gobet. «Na ja, da stimme ich dir nicht ganz zu», widerspricht Marie-Louise Gaillard, 89-jährig. «Man hat mehr gelacht früher. Die Stimmung war angenehmer.» «Hmm, es hing davon ab, wo man hineingeboren wurde», findet Werner Deu­schel, 95-jährig. «Ja, genau, eigentlich kann man nicht sagen, früher war es leichter oder schwieriger», so Gobet. «Es war einfach anders», sagt Albin Weissmann, ebenfalls 95-jährig.

Harte Kriegsjahre

Die vier Bewohner des Alters- und Pflegeheims Les Martinets in Villars-sur-Glâne sitzen um einen ovalen Tisch herum und sinnen über die Vergangenheit nach. Nicht immer sind sie sich einig, nicht immer haben sie das jeweilige Weltgeschehen gleich erlebt. Deuschel zum Beispiel kommt ursprünglich aus Deutschland. «Nach dem Ersten Weltkrieg war das Leben schlimm. Es gab so viele Arbeitslose, und das Geld hatte keinen Wert mehr», sagt er. In Deutschland wohnhaft, musste er der Hitler-Jugend beitreten. «Wir hatten zum Beispiel keine Maturaprüfungen. Wer gute Noten hatte, erhielt direkt seinen Abschluss. Damit er möglichst schnell in Hitlers Armee eingezogen werden konnte», so Deuschel. Der Krieg war in der Schweiz zwar nicht gleich stark spürbar, doch hinterliess er auch hier seine Spuren. «Mein Vater war die ganze Zeit an der Grenze stationiert», so Gobet, «das hat uns damals schon Angst gemacht.» Auch Marie-Louise Gaillards Vater war im Militärdienst. «Wir Frauen mussten damals die Männer unterstützen. Als ich 16-jährig war, musste ich zum Beispiel einen Monat lang einem Bauern helfen. Ich habe viel gejätet und Gemüse geerntet.»

Arbeit kommt vor Studium

Die vier stammen nicht nur aus unterschiedlichen Regionen, sondern auch aus verschiedenen Gesellschaftsschichten. Albin Weissbaum zum Beispiel, Sprössling einer Arbeiterfamilie, hat Dachdecker gelernt. «Am wichtigsten war es, einen Beruf zu haben. Ich habe 30 Jahre lang am gleichen Ort gearbeitet», sagt er. Marie-Louise Gaillard sagt, sie hätte eigentlich gerne studiert. «Doch wir waren zwölf Kinder zuhause. Wir hatten nicht das Geld, um an die Universität zu gehen.» Stattdessen hat Gaillard mit 20 Jahren geheiratet und fünf Kinder bekommen. «Diese konnten dann studieren», sagt die 89-Jährige stolz. Deuschel ist der Einzige der vier, der eine weiterführende Schule besuchen konnte. «Ich habe mein Doktorat in Naturwissenschaften gemacht, hier an der Universität Freiburg. Meine Eltern konnten das bezahlen, ich hatte Glück.»

Dass sich die vier Menschen von den gesellschaftlichen Hindernissen nicht unterkriegen liessen, zeigt sich beispielsweise an ihrer Mehrsprachigkeit. Während Deuschel verschiedene Sprachaufenthalte absolvieren konnte, haben Gaillard, Weissbaum und Gobet ihr ganzes Leben lang keinen Sprachunterricht gehabt. Trotzdem können sich alle drei fliessend auf Deutsch und auf Französisch verständigen. «Ich habe das im Alltag mitbekommen. Hier im Heim wissen die meisten gar nicht, dass ich eigentlich Deutschschweizer bin», grinst Gobet. «Ich habe das Französisch durch meinen Mann gelernt», sagt Gaillard.

Heute mehr Möglichkeiten

Generell sind sich die vier Gesprächspartner einig, dass die heutige Jugend mehr Möglichkeiten hat. «Wer heute studieren will, der kann es tun», sagt Gobet. Früher sei es vor allem für die Frauen schlimm gewesen. «Auch wenn sie sehr intelligent waren, konnten sie nicht an die Uni. Sie mussten Kinder kriegen; für den Krieg.» Andererseits denkt Gobet auch, dass es die Jungen nicht einfacher haben. «Es wird so viel erwartet von ihnen. Sie sollen überall die Besten sein, die Ersten. Wir hatten damals weniger Druck.»

Mit Druck meint er nicht nur Leistungs-, sondern auch Zeitdruck. «Wir leben in einer Welt mit einem eiligen Rhythmus», sagt Gobet. «Die Welt macht einen schnell müde», stimmt Gaillard zu, «früher war es ruhiger.» «Zeitungen sprechen von einem Attentat, noch bevor es passiert ist», kritisiert Weissbaum. «Der Erste sein, das verkauft sich halt gut», entgegnet Deuschel.

Alle vier Senioren verfolgen noch das aktuelle Tagesgeschehen: über Zeitungen oder den Fernseher. «Die Geschichte wiederholt sich immer wieder. Die Leute lernen nichts daraus», sagt Max Gobet. «Schauen Sie mal nach Nordkorea oder Russland!», sagt Werner Deuschel. «Man hätte die Atombombe nie erfinden dürfen», sagt Albin Weissbaum. Wichtig sei aber, dass man den Mut nicht verliere und vor allem nicht nur tatenlos zuschaue. «Man kann etwas verändern, etwas dagegen unternehmen. Wilhelm Tell hatte auch nur eine Armbrust in der Hand und hat Geschichte geschrieben», sagt Albin Weissbaum.

Geld und Technologie

Ein Vorwurf, den die vier Bewohner von Les Martinets der heutigen Gesellschaft machen, ist die stetige Jagd nach Gewinn. «Früher haben wir gearbeitet, um Geld zu verdienen. Heute wird gearbeitet, um Profit zu machen», sagt Weissbaum. «Heutzutage erhält man sein Geld nicht mehr für seine Arbeit, sondern für seinen Ruf», fügt Deuschel hinzu. Weissbaum schätzt diese Entwicklung zum Beispiel im Sport als problematisch ein. Der ehemalige Eishockeyspieler weiss, dass die ersten Spieler von Gottéron noch keinen Lohn erhielten. «Doch heute lautet bei vielen Sportlern die erste Frage: Wie viel zahlt ihr mir? Dies zerstört den Sport.» Auch ansonsten fehle der kontrollierte Umgang mit dem Geld. «Während meiner Lehre habe ich einen Franken pro Tag verdient. Heute kaufen sich 18-Jährige bereits ihr erstes Auto. Es sind halt andere Zeiten», so Weissbaum.

Auch der zunehmenden Technologisierung der Gesellschaft steht man skeptisch gegenüber. «In technologischer Hinsicht bin ich ein Dinosaurier», lacht Gobet, «ich habe zwar ein Telefon, aber kein Internet. Ich lese lieber.» «Anfangs habe ich den Computer gebraucht und alles gelernt. Aber heute sitzen die Leute immer hinter ihren Bildschirmen. Das stört mich! Darum benutze ich keinen Computer mehr», so Deuschel. «Ich bin jetzt 95 Jahre alt, da muss ich nicht mehr mit der Zeit gehen», grinst Weissbaum. «Wenn jemand mich erreichen will, dann soll er zu mir kommen.»

Ihre Enkelkinder seien mit ihrer Kritik und Weltanschauung nicht immer einverstanden. Doch auch für die vier Pensionäre ist es manchmal schwierig, die heutige Jugend zu verstehen. «Eigentlich sind wir aber ja auch einmal jung gewesen. Und es ist nicht alles schlecht», sagt Gobet. «Wir können nicht urteilen», sagt Weissbaum. «Wir sollen nicht urteilen», stimmt Gobet zu. «Man kann aber diskutieren», sagt Weissbaum.

Keine Angst vor der Zukunft

Zu weit in die Zukunft blicken wollen die Rentner nicht. «Es gibt nichts Unsichereres als das Morgen», so Deu­schel. «Wir können nur hoffen, dass es gut wird.» Angst davor zu haben, bringe nichts, denn die Zukunft komme auf jeden Fall. «Genau. Was zählt, ist das Heute», sagt Gobet. «Wichtig ist, dass man immer versucht weiterzugehen, über sich selbst herauszuwachsen», sagt Deu­schel. Denn das Leben sei eigentlich nur eine Reihe von vielen Schicksalentscheidungen, bei denen man auch ein bisschen Glück haben müsse.

Zeit zurückdrehen geht nicht

Dieses bisschen Glück, das denken die vier, hätten sie in ihrem Leben gehabt. Sie wären zwar alle gerne nochmals jung. «Ich würde Klavier spielen», sagt Gaillard. «Und ich würde studieren gehen», sagt Gobet. Doch die Zeit zurückdrehen – das gehe nicht. Und das sei auch in Ordnung so. «Ich hatte ein gutes Leben», sagt Weissbaum, «ich habe viel getanzt. Das war viel harmonischer als die Zapplerei von heute.» «Mir geht es gut hier im Les Martinets», sagt Deuschel, «ich gehe jeden Tag eine halbe Stunde spazieren.» «Je älter man wird, desto schneller zieht die Zeit vorbei», fügt Gaillard hinzu, «doch ich bin zufrieden.» Und auch Gobet bekräftigt: «Es war eine lange Zeit – doch es war eine gute Zeit.»

«Man hat mehr gelacht früher. Die Stimmung war angenehmer.»

Marie-Louise Gaillard

89-jährig

«Eigentlich kann man nicht sagen, früher war es leichter oder schwieriger. Es war einfach anders.»

Max Gobet

76-jährig

«Ich hatte ein gutes Leben. Ich habe viel getanzt. Das war viel harmonischer als die Zapplerei von heute.»

Albin Weissbaum

95-jährig

«Heutzutage erhält man sein Geld nicht mehr für seine Arbeit, sondern für seinen Ruf.»

Werner Deuschel

95-jährig

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