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«Jetzt mag ich nicht auch noch planen»

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Autor: Nicole Jegerlehner

Als Henri Gobet seine Lehre machte, gab es noch keine Computer. Er erledigte die ganze Buchhaltung von Hand. Und legte Blatt um Blatt in Bundesordnern ab, die sich auf den Bücherregalen im Büro aneinanderreihten. 1969, nach seiner Lehre, trat er eine Stelle bei der Buchhaltungsabteilung der Stadt Freiburg an – und dort arbeitet er heute noch. Aber nicht mehr lange: Ende September geht er in Pension.

Unterdessen ist Henri Gobet Leiter der Abteilung. Und er arbeitet mit Computern. «Manchmal frage ich mich schon, wie wir damals gearbeitet haben – nur auf Papier», sagt Gobet. Wenn er an die alten Zeiten denke, müsse er schmunzeln.

Als Gobet vor 42 Jahren seine Stelle bei der Stadt antrat, erwartete ihn dort ein NCR 500: Ein Ungetüm von einem Computer, der mit Lochkarten funktionierte. «Das war ein kleiner Rechner, der binär programmiert wurde.» Die Programme schrieben die Angestellten der Buchhaltungsabteilung selber – auch Henri Gobet. Der NCR 500 hatte keinen Bildschirm. «Er war eine riesige Rechenmaschine, die in einem Büro enorm viel Platz einnahm», sagt Gobet. Die Maschine verschlang endlose Papierstösse, die sie am andern Ende wieder ausstiess – und welche die Buchhalter an den richtigen Stellen trennen mussten. «Die Maschine war kompliziert, der reine Horror», sagt Gobet rückblickend – «und doch hat sie uns die Arbeit erleichtert.»

Anfang der 1980er-Jahre kamen die ersten Computer mit Bildschirmen in die städtischen Büros. «Die Finanzdirektion und die Einwohnerkontrolle waren die Ersten, die damit arbeiteten.» Programme wie Word oder Excel gab es damals nicht; die Finanzdirektion hatte ihr eigenes Programm, das auf ihre Aufgaben zugeschnitten war. Die Sekretärinnen arbeiteten weiterhin mit ihren Schreibmaschinen – die immerhin schon elektrisch waren und eine ganze Zeile speichern konnten.

Henri Gobet hat die ganze Entwicklung mitgemacht. «Man muss sich anpassen», sagt er. Spricht er von seinen Anfängen in der Buchhaltung, meint er: «Wir waren damals noch im Steinzeitalter.» Gobet arbeitet heute mit jungen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zusammen, die nie eine Welt ohne Computer gekannt haben.

Die unterschiedlichen Arbeitsmittel beeinflussten auch die Mentalität am Arbeitsort, sagt Henri Gobet. In seiner Anfangszeit als Buchhalter habe er sehr viel Fleissarbeit erledigt, «bei der ich nicht denken musste». Er habe eine Aufgabe erhalten und diese dann wie am Fliessband erledigt. «70 Prozent meiner Arbeit war repetitiv.» Heute laufe sehr vieles automatisch. «Die Arbeit ist heute viel interessanter, ich muss mehr nachdenken.»

Füllten die Buchhalter früher Ordner um Ordner mit Papieren und Unterlagen, legen sie heute nur noch Rechnungen und Bankunterlagen ab. «Wir führen auch kein Rechnungsbuch mehr, das braucht es nicht.»

Henri Gobet hat keine konkreten Pläne für die Zeit nach dem Berufsleben. «Ich wusste während 42 Jahren immer, was ich zu tun habe – jetzt mag ich nicht auch noch planen.» Er werde wohl etwas häufiger in den Bergen anzutreffen sein, «das kam in den letzten Jahren zu kurz». Aber er wisse, dass das Leben Überraschungen bereithalten könne; «auch darum mag ich nun nicht grosse Zukunftspläne schmieden». Die Arbeit jedenfalls werde ihm nicht fehlen: «Ein Kapitel geht zu Ende – nun sollen die Jungen ans Ruder.»

Zu Hause kümmert sich Gobet nicht um die Buchhaltung. «Meist macht meine Frau die Zahlungen.» Eine eigentliche Buchhaltung brauche er im Privaten nicht; «ich weiss, wie viel ich habe.»

Seit sieben Jahren leitet er die Buchhaltungsabteilung der Stadt Freiburg. Seine Arbeit hat ihm immer gefallen: «Ich konnte viel nach meinen eigenen Ideen erledigen.» Und in all den Jahren bei der Finanzdirektion seien die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch so etwas wie eine zweite Familie geworden.

Zurzeit arbeitet Gobet seinen Nachfolger Christophe Delley ein. Sein geräumiges Büro hat er ihm bereits überlassen; Gobet hat sich für die Zeit der Übergabe in einem kleineren Büro eingerichtet. Noch hängt in seinem alten Büro aber ein Stoffbild, an dem sämtliche Plaketten der Bolzenfasnacht angebracht sind; Gobet wird das Bild bei seiner Pensionierung nach Hause nehmen. «Als der Kassier der Bolzenfasnacht Geld unterschlagen hatte und die Kasse quasi leer war, habe ich ihnen während zwei Jahren die Buchhaltung geführt – bis alles wieder in Ordnung war.»

Henri Gobet hat während 42 Jahren als Buchhalter für die Stadt Freiburg gearbeitet. Nun geht er in Pension.Bild Aldo Ellena

Manchmal frage ich mich schon, wie wir damals gearbeitet haben – nur auf Papier.

Ein Kapitel geht zu Ende – nun sollen die Jungen ans Ruder.

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