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Jugendamt neu mit Bereitschaftsdienst

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Jugendamt neu mit Bereitschaftsdienst

«Direkte Sozialarbeit» verfügt über ein Team «Intake» und drei regionale Equipen

Wenden sich Eltern oder Kinder direkt ans Jugendamt, werden diese Anfragen neu von einem Team «Intake» behandelt. Neu ist auch, dass die Begleitung schwieriger Situationen in den Familien von drei Regionalteams wahrgenommen wird.

Von ARTHUR ZURKINDEN

Der Sektor «Direkte Sozialarbeit» des kantonalen Jugendamtes hat sich reorganisiert. Neu ist vor allem ein Bereitschaftsdienst, der eine schnellere Intervention bei neuen Situationen erlaubt. Das so genannte Intake-Team nimmt Hilferufe von Eltern und Jugendlichen entgegen, die sich in Notfällen direkt an das Jugendamt wenden. Es betreut diese dringenden Fälle während maximal drei Monaten ohne Auftrag einer Behörde. Danach wird Bilanz gezogen, und je nach erreichtem Ziel kann der Fall abgeschlossen oder z.B. an das Friedensgericht weitergeleitet werden, damit dieses einen Auftrag für eine weitere Begleitung erteilt.

Zeit haben, um zu intervenieren

Seit gut einem Monat ist das vierköpfige Intake-Team, das vom stellvertretenden Dienstchef des Jugendamtes, Joseph Aerschmann, geleitet wird, im Einsatz. «Wichtig ist, dass wir in diesen dringenden Fällen den Kopf frei haben, um zu intervenieren», sagte Ursula Bieri, die dem Team als Sozialarbeiterin angehört, am Donnerstag an einer Medienkonferenz.

Wie sie ausführte, haben sich in letzter Zeit die Anrufe von besorgten Eltern gehäuft, Eltern, die sich über die Folgen einer Trennung oder Scheidung informieren liessen, aber auch Eltern, die sich überfordert fühlten und ihr Kind gar in einer Institution platzieren wollten. Andererseits haben sich laut Ursula Bieri ebenfalls Kinder und Jugendliche gemeldet. So z.B. ein 16-jähriges Mädchen, das schwanger war und Angst hatte, diese Botschaft den Eltern zu überbringen. Dies geschah dann auf dem Jugendamt. «So konnten wir sehen, wie die Eltern reagieren», schilderte sie die Tätigkeit des Intake-Teams weiter.

Anonyme Anrufe

Anfragen kamen aber auch vom Friedensgericht und von der Polizei oder von Drittpersonen, die beispielsweise feststellten, dass in der Nachbarschaft ein Baby den ganzen Tag schrie. «Bei anonymen Anrufen ist es oft sehr schwierig, ob eine rasche Intervention gerechtfertigt ist oder nicht», meinte Ursula Bieri. Sie und auch Joseph Aerschmann betonten, dass der erste Kontakt und eine rasche professionelle Hilfe sehr wichtig seien, um einer Familie in einer schwierigen Situation erfolgreich zu helfen.

Drei regionale Teams für
Begleitung der schwierigen Fälle

Im Rahmen der Reorganisation der «Direkten Sozialarbeit» wurden auch drei regionale Teams von Sozialarbeiterinnen und -arbeitern für die längerfristige Begleitung von schwierigen Situationen geschaffen. Bisher war dieser Dienst bezirksweise organisiert, wobei eventuell nur ein Sozialarbeiter für einen ganzen Bezirk zuständig war.

Der Sense- und Seebezirk werden zusammen mit der Stadt Freiburg vom Team Zentrum-Norden betreut. Geleitet wird diese achtköpfige zweisprachige Equipe von Gilbert Bielmann. Laut Joseph Aerschmann handelt das Team meist auf Mandat einer Behörde (Friedensgericht, Jugendstrafkammer usw.), kann aber auch Interventionen auf längere Dauer ohne gesetzlichen Auftrag übernehmen. Es trifft Abklärungen, plant und führt Massnahmen zum Schutz eines Kindes aus, tauscht aber auch Informationen mit anderen Dienststellen wie Friedens- und Bezirksgerichte aus und koordiniert die Massnahmen. So könne ein ganzes Netz um eine Familie aufgebaut werden, die ihre Schwierigkeiten nicht selber lösen kann, wurde betont.

Druck weggenommen

Die Schaffung eines Intake-Teams hat sich sehr positiv auf die Arbeit der regionalen Teams ausgewirkt, wie der Sozialarbeiter Claude Blanc zu berichten wusste. Er schätzt vor allem die Tatsache, dass er nicht ständig mit neuen Fällen belastet wird, bei welchen dringend interveniert werden müsse. Er weiss auch, dass seine Arbeit in seiner Abwesenheit vom Intake-Team übernommen wird. «Wir stehen nicht mehr so unter Druck. Das haben wir sofort gespürt», würdigte er die Vorteile des neuen Konzepts.

Deshalb bleibt auch mehr Zeit, um mit Schulen, Ärzten, Kinderkrippen, Friedensgerichten usw. zusammenzuarbeiten, mehr Zeit, um die Situationen zu analysieren, um Lösungsvorschläge auszuarbeiten usw. Wichtig ist für ihn auch, dass er in seiner Arbeit als Profi auftritt und nicht als Privatperson. «Ich biete Hilfe an, kann aber die Eltern nicht ersetzen, sonst ist man rasch überfordert», gab er zu bedenken. Dennoch versucht er stets, eine Beziehung zur Familie in Schwierigkeiten aufzubauen, will akzeptiert werden und zu verstehen geben, dass er z.B. stets im Interesse des Kindes handle.

Untergebracht sind die drei regionalen Teams weiterhin beim kantonalen Jugendamt an der Perollesstrasse 30 in Freiburg. Sie verfügen aber über Lokale in ihren Regionen.

Bald eine
offene Familienbegleitung?

Staatsrätin Ruth Lüthi gab sich zuversichtlich, dass Freiburg noch in diesem Jahr über eine «Offene Familienbegleitung» als weitere Dienstleistung für Familien mit Problemen verfügt. Dabei können z.B. Eltern, die Mühe mit der Erziehung ihrer Kinder haben, auf die Unterstützung einer professionellen Person zählen, welche die Familie mehrmals wöchentlich besucht und zeigt, wie schwierige Situationen gemeistert werden können. Begleitet sollen vor allem Familien mit kleinen Kindern werden, weshalb es sich um eine Art Früherkennungsdienst handelt.

Laut Ruth Lüthi soll der Dienst mit Hilfe von Geldern der «Loterie romande» aufgebaut werden. Sie kann sich vorstellen, dass der Staat der Organisation «Transit» einen Leistungsauftrag erteilt.

Neues Konzept drängte sich auf

2336 Kinder hat die Abteilung «Direkte Sozialarbeit» des Ju-
gendamtes im Jahre 2002 begleitet. Sechs Jahre zuvor waren es 1877 Kinder. Im vergangenen Jahr kamen 1033 neue Kinder dazu.

Mit solchen Zahlen zeigten Stéphane Quéru, Dienstchef des Ju-gendamtes, und sein Stellvertreter, Joseph Aerschmann, am Donnerstag auf, dass immer mehr Eltern in ihrer Erziehungsarbeit überfordert sind. «Die Situationen werden immer komplexer», betonte Staatsrätin Ruth Lüthi und dachte dabei an die Aggressivität der Jugendlichen, aber auch an die Aggressivität der Eltern.

Zunehmend ist ebenfalls die Zahl der Interventionen, welche die Abteilung vornehmen muss: Im Jahre 1997 waren es 1500, im Jahre 2002 fast 2000. Nicht entsprechend zugenommen hat jedoch die Anzahl Mitarbeiter der Abteilung. Die 14,1 Stellen von 1997 wurden nur auf 17,3 im Jahre 2002 aufgestockt. Joseph
Aerschmann verheimlichte nicht, dass Wartelisten, Arbeitsüberlastung, häufigeres Auftreten des «Burn-out-Syndroms» bei den Sozialarbeiterinnen und -arbeitern und Demissionen die Folge waren. «Das Personal will es immer gut machen», hielt Ruth Lüthi fest, die aber den Bestand aus Spargründen des Staates nicht beliebig anheben konnte. az

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