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Kahlschlag bei Saia-Burgess in Murten

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Das Industrieunternehmen Saia-Burgess Controls baut in Murten weiter ab. Die Gewerkschaften Syna und Unia machten gestern publik, dass das Unternehmen an diesem Standort die Produktion vollständig einstellen möchte. Diese solle – wie auch Teile der Forschung und Entwicklung – nach Rumänien und China verlagert werden. Von den noch rund 120 Beschäftigten in Murten könnte jeder zweite seinen Arbeitsplatz verlieren: Syna gab an, dass die Jobs von 63 Personen auf der Kippe stünden, davon seien 41 Festangestellte.

Der Besitzer von Saia-Bur­gess, der US-Konzern Honeywell, antwortet auf detaillierte Fragen der FN mit einem vorgefertigten Communiqué: «Honeywell Building Management Systems schlägt vor, alle Fertigungsaktivitäten von Murten in globale Zentren zu verlagern. Wir sind uns bewusst, dass dies leider Auswirkungen auf die Mitarbeiter hat; wir werden alle lokalen Gesetze und alle gesetzlich vorgeschriebenen Kün­digungs-, Konsultations- oder Verhandlungsverpflichtungen befolgen.»

Schwarze Zahlen

Die Gewerkschaften können die Entscheidungen zum Standort Murten nicht nachvollziehen. Honeywell sei sehr finanzkräftig, und Saia-Bur­gess schreibe weiterhin schwarze Zahlen, so die Syna. «Als Grund für die Schliessung und Teilverlagerung hat das Unternehmen uns gegenüber eine Effizienzsteigerung und die Innovationsfähigkeit genannt», sagt Diego Frieden, Zentralsekretär bei der Syna, den FN.

«Wir wollen eine seriöse Prüfung, ob Arbeitsplätze gerettet werden können.»

Diego Frieden

Zentralsekretär der Gewerkschaft Syna

Beide Gewerkschaften verlangen vom Unternehmen, dass das nun begonnene Konsultationsverfahren verlängert wird. Die Mitarbeiter seien im Home­office, nur die Produktion halte sich im Gebäude in Murten auf. «Unter diesen Umständen ist eine Konsultation sehr schwierig», so Diego Frieden auf Anfrage. «Wir wollen eine seriöse Prüfung, ob Arbeitsplätze gerettet werden können.» Jeder gerettete Arbeitsplatz sei ein Gewinn für das Unternehmen. Würden die Mitarbeiter entlassen, gebe Saia-Burgess wertvolles Know-how auf, von dem es in den letzten Jahren viel profitieren konnte. «Und ist die Produktion in Murten einmal geschlossen, wird dieser Bereich nicht mehr zurückkehren.»

Welche Zukunft für Murten?

Mit den wiederkehrenden Entlassungen (siehe Kasten) stellen sich Fragen zur Zukunft von Saia-Burgess in Murten. Die Unia fordert das Unternehmen auf, seine Strategie für diesen Standort zu erklären. Es müsse aufzeigen, wie die verbleibenden Arbeitsplätze mittel- und langfristig gesichert und entwickelt werden.

«Mein Herz blutet, auch als Murtner», so die Reaktion des Freiburger Volkswirtschaftsdirektors Olivier Curty (CVP) zu den geplanten Entlassungen. Überrascht ist er von der Entscheidung nicht. «Das war uns vor drei Jahren angekündigt worden.» Seine Gedanken ­seien bei den Betroffenen.

Dass die Produktion von Murten nach Rumänien verlagert werde, sei aus wirtschaftlicher Sicht nachvollziehbar. «Das Unternehmen will rationalisieren. Es betreibt bereits eine erfolgreiche Produktion in Rumänien. Murten ist für Saia-Burgess nur ein kleiner Produktionsstandort.»

Dennoch sieht Olivier Curty einen Lichtblick: Der Bereich Forschung und Entwicklung bleibt in Murten. «Das ist das Herzstück.» Er habe die Hoffnung, dass sich dieser Bereich in Zukunft weiterentwickeln werde. Die Arbeitsstellen, die nun in der Forschung und Entwicklung verloren gehen, würden zur Qualitätskontrolle gehören. Diese sei an die Produktion gebunden.

Den Industriestandort Freiburg sieht Olivier Curty nicht in Gefahr. «Die Arbeitsplätze in diesem Bereich nehmen zu. Die Entscheidung von Saia-Burgess ist aber ein Rückschlag, der sehr weh tut.»

Charles de Reyff, Vorsteher des kantonalen Amts für den Arbeitsmarkt, bestätigt den FN, dass 63 Arbeitsplätze bei Saia-Burgess in Murten bedroht sind. Die Entlassungen könnten gestaffelt bis Ende Jahr erfolgen, doch laufe derzeit noch die Konsultationsphase. De ­Reyff rechnet damit, dass es für die Mitarbeitenden der Produktion schwieriger sein könnte, eine neue Arbeitsstelle zu finden. Oftmals seien diese wenig ausgebildet. Etwas optimistischer ist er bei den Angestellten im Bereich Forschung und Entwicklung. Aufgrund der Corona-Krise und den höheren Arbeitslosenzahlen sei es derzeit aber allgemein schwieriger, einen neuen Job zu finden.

Chronologie

Ein weiterer Stellenabbau am Standort Murten

Der Murtner Industriebetrieb Saia-Burgess Controls entwickelt und produziert Komponenten für Messungen und Steuerungen in der Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik, Energiemanagement, Verkehr, Gas- und Wasserversorgung. Die Geschichte des Unternehmens reicht bis 1920 zurück zur Gründung der «Société Anonyme des Interrupteurs Automatiques» in Bern. 1951 zog die Saia nach Murten. 1986 wurde die AG an die britische Burgess Products Ltd verkauft. Drei Jahre später folgte die Fusion zu Saia-Burgess. 2005 übernahm Johnson Electric aus Hongkong die Saia-Burgess-Gruppe. Der neue Besitzer integrierte die Bereiche Industrie und Automotive in seine Strukturen. Die auf Steuerungen fokussierte Unternehmenseinheit Saia-Burgess Controls blieb separat. Diese AG mit 320 Mitarbeitern, davon 220 am Standort Murten, ging 2012 in die Hände des US-Unternehmens Honeywell über. Der Kaufpreis betrug über 130  Millionen Franken. Einen Stellenabbau gab es 2014: Bis zu 40 Arbeitsplätze aus dem Bereich Produktion sollten nach Tschechien verlagert werden. 2019 wurden zehn Stellen gestrichen, weil erneut Produktionseinheiten verlagert wurden – nun von Murten nach Rumänien.

jmw

 

 

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