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Katholizismus, eine Bombe und Jo Siffert

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Scheinbar unscheinbar liegt Ueberstorf am nordöstlichen Rand des Kantons Freiburg. Doch das Dorf mit 2380 Einwohnerinnen und Einwohnern hat in den letzten hundert Jahren mehrmals schweizweit für Schlagzeilen gesorgt. Und auch weit ab von der nationalen Bühne haben sich in ­Ueberstorf Geschichten zugetragen, die den gesellschaftlichen, politischen und religiösen Wandel zeigen, der die letzten hundert Jahre prägte. Solche «Trouvaillen», wie Historiker und Autor Beat Hayoz sie nennt, hat er in einer aktuellen Chronik zusammengefasst. «Musik liegt in der Gemeinde» heisst das Buch, das er in Zusammenarbeit mit der Musikgesellschaft Ueberstorf und der Gemeinde gestern veröffentlicht hat.

Von der Idee zur Chronik

Im 130-seitigen Buch hat der gebürtige Ueberstorfer Hayoz jedes Jahrzehnt in einem Kapitel gebündelt, die wichtigsten Ereignisse hervorgehoben und für die jeweilige Zeit sinnbildliche Zitate ausgewählt. So hat der Historiker eine geballte Ladung Information anschaulich präsentiert und ein historisches Potpourri zusammengefasst, das mal schmunzeln lässt und mal nachdenklich stimmt. Die Chronik beginnt mit der Gründung der Musikgesellschaft Ueberstorf am 4.  Januar 1920. Damals gab es im Dorf drei Autos – eine von vielen Detailinformationen, die hervorgehoben sind – und das musikalische Niveau der Mitglieder liess zu wünschen übrig: «Nicht alle übten regelmässig, einige glaubten, es gehe von selber», beklagte sich Gründungsmitglied Vinzenz Klaus.

«1928 gaben 95 Prozent der Stimmbeteiligten der konservativen Partei die Stimme.»

Beat Hayoz

Historiker

Konservative Haltung

Im Buch geht Hayoz auch auf die damalige politische Orientierung im Dorf ein. «1928 gaben 95 Prozent der Stimmbeteiligten der konservativen Partei die Stimme», erzählt Hayoz und vergleicht die Situation von damals mit Nordkorea oder der Sowjetunion. Franz Boschung (1868–1938), der erste vom Volk gewählte Nationalrat des Sensebezirks, war federführend. Er war in der katholisch-konservativen Volkspartei.

In Freizeitaktivitäten zeigte sich, wie wichtig die Trennung von Katholiken und Reformierten war. «Wer sich auf reformierten Tanzboden begibt, wird ausgeschlossen», steht in einem Protokoll der Marianischen Kongregation von 1931. Doch die Musik verband: Seit 1936 treffen sich die Musikgesellschaften Ueberstorf und Heitenried mit den reformiert geprägten Gesellschaften aus Schwarzenburg und Albligen.

Bedrohung durch Krieg

Über die wirtschaftlichen Probleme und die Bedrohungen des Zweiten Weltkriegs konnte die Musik nicht hinwegtäuschen. Am 13. Juli 1943 warf ein englischer Pilot eine Sprengbombe unweit der Weiler Bergli und Guldifeld ab. Der Schaden belief sich auf 23 000 Franken. England bezahlte ihn restlos. Ueberstorf schaute nach vorne. Zukunftsweisend agierte die Gemeinde in den 50er-Jahren: Eine Wasserversorgungsanlage wurde eingeweiht. «Das geplante Schulhaus musste dafür zurückstehen», so Hayoz. Im folgenden Jahrzehnt sorgte der Standort des Schulhauses für Zündstoff. Die Gemeinde und der Pfarreirat lieferten sich Diskussionen, die mit Schwert­duellen verglichen wurden.

Sport löst Kirche ab

Die Kirche habe in den späten 60er-Jahren immer mehr an Bedeutung verloren, so Hayoz, wobei der Sport immer populärer wurde. Der Erfolg des Fussballclubs Ueberstorf gipfelte im – zwar verlorenen – Cupspiel gegen den FC  St.  Gallen 2018.

«Einmal klopfte ich beim Haus seiner ­Bekannten an, und tatsächlich stand Jo Siffert im Wohnzimmer.»

Beat Hayoz

Historiker

Aus der Sportwelt kommt auch der wohl bekannteste ­Ueberstorfer: Jo Siffert. Der Autorennfahrer wuchs in Freiburg auf, pflegte aber Kontakte zur Gemeinde. «Einmal klopfte ich beim Haus seiner Bekannten an, und tatsächlich stand Siffert im Wohnzimmer», erzählt ­Hayoz. Trotz Sifferts Ruhm: In der Chronik widmet der Autor ihm ebenso viel Platz wie dem Dorfunikat Joseph Götschmann alias «Eggebitzi». So zeigt sich: In einer Gemeinde wie Ueberstorf hat sich im Kleinen das abgespielt, was auch im Grossen im letzten Jahrhundert Wellen schlug.

«Musik liegt in der Gemeinde» von Beat Hayoz ist auf der Gemeindeverwaltung Ueberstorf erhältlich.

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