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«Kino und Sport verdrängen Kunst und Kultur»

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«Kino und Sport verdrängen Kunst und Kultur»

Die hundertjährige Geschichte des Konservatoriums Freiburg festgehalten

Mit 85 Schülerinnen und Schülern nahm die Geschichte des Konservatoriums Freiburg im Jahre 1904 ihren Anfang. Wer war die treibende Kraft der Schule? Wie ist man mit konstanter Raum- und Geldnot umgegangen? Wie sieht die Zukunft aus? Dies alles ist im Buch «100 Jahre Konservatorium» festgehalten.

Von IRMGARD LEHMANN

Dank der vereinten Kräfte zweier entscheidungsfreudiger Männer, des Violinisten Edourd Favre (1872-1946) und des belgischen Dirigenten Charles Delgouffre ist das Konservatorium Freiburg 1904 entstanden. Erziehungsdirektor Georges Python (1856-1946) stimmte dem Antrag zu und stellte das ehemalige Zeughaus an der Murtengasse zu Verfügung.

1905 bot das Konservatorium bereits eine stattliche Auswahl an Kursen an, die von Solfège (Gehörbildung) über Musikgeschichte, Tasten- und Streichinstrumente bis hin zu den Blasinstrumenten reichte.

Sorgen der Schule

In den dreissiger Jahren – sie waren durch eine Wirtschaftskrise und durch Kriegsgefahr geprägt – ging die Schülerzahl zurück. Direktor Paul Haas sah den Grund in der «Mentalität zahlreicher Personen, die sich nicht darum kümmern, ihren Kindern einen methodischen und seriösen Musikunterricht zukommen zu lassen und irgendeiner Ausbildung den Vorzug zu geben, die ihnen preiswerter erscheint».

Schuld am Rückgang waren laut Haas aber auch die «modernen technologischen Produkte wie Plattenspieler und Radio». Kunst und Kultur wurden seiner Meinung nach aber auch durchs Kino und den Sport in den Hintergrund gedrängt.

Raumnot der Schule

Ein Dauerbrenner in der Geschichte des Konservatoriums war die Platznot. Von Anfang an fehlte der Schule ein grosser Saal. So mussten die Konzerte während vieler Jahre in verschiedenen Räumen der Stadt Freiburg, insbesondere im Kornhaussaal am Liebfrauenplatz (Gutenbergmuseum), durchgeführt werden.

1945 habe sich Direktor Gogniat, so der Autor Jean-Blaise Monney, mit einem Hilferuf an die Behörden und Mäzene gewandt, um «die Musik vor dem künstlerischen Bankrott zu retten». In seinen Augen drohte die Schule zu ersticken. «440 Studierende und nichts als kleine Zellen.» Tatsächlich besass die Schule lediglich neun kleine Räume.

1953 stellte die Universität die Aula Magna und den Musikpavillon für Konzerte zur Verfügung. Doch damit war die Raumnot nicht aufgehoben. «Die Verzettelung der Kurse, die bei den Lehrern zu Hause und in verschiedenen Räumen der Stadt abgehalten wurden, beeinträchtigte die Funktionsweise der Schule», schreibt der Autor. Eine effiziente Kontrolle der Schule sei nicht mehr möglich gewesen.

Auszug der Schule

1961 stimmte der Grosse Rat dem Erweiterungsbau für das Konservatorium und das benachbarte Museum für Kunst und Geschichte zu. An der Murtengasse entstanden elf neue Übungsräume und ein grosser gemeinsamer Saal.

10 Jahre später jedoch das gleiche Lied. Inzwischen zählte die Schule 1700 Studierende. Ein endgültige Lösung gab es erst mit dem Auszug aus der Stadt. 1982 zog die Musikschule (inzwischen staatliche Institution) nach Granges-Paccot in das ehemalige Blindeninstitut Sonnenheim an der Route Louis-Braille.

Und heute, 20 Jahre später, muss erneut renoviert und erweitert werden. Die Bauarbeiten mit Kosten von rund 12 Millionen wurden im Oktober aufgenommen. Sie dauern zwei Jahre.

Finanzen der Schule

Die Finanzlage des Konservatoriums

war vor allem in den Jahren 1964 bis 1975 kritisch. Die Kursgebühren mussten mehrmals erhöht werden. Unbefriedigend war auch die Entlöhnung der Lehrkräfte. Der grösste Teil besass weder einen Arbeitsvertrag noch eine Pensionskasse. Es gab auch keine bezahlten Ferien. Das Gehalt eines Sekundarlehrers war zweieinhalbmal höher.

Grundsätzlich änderte sich dies erst als die Musikschule 1978 eine staatliche Institution wurde. Laut Konservatoriumsgesetz mussten von nun an Kanton und Gemeinden die Betriebskosten zu je 50 Prozent übernehmen. Der Anteil der Gemeinde hängt von der Zahl der in der Gemeinde wohnenden Studierenden ab.

Seit dem Umzug im Jahre 1982 hat die Zahl der Studierenden um 50 Prozent zugenommen, sodass das Konservatorium heute mit 5000 Studierenden eine der grössten Musikschulen der Schweiz ist (200 Lehrkräfte und 60 Unterrichtsorte).

Zukunft der Schule

In absehbarer Zeit soll das Konservatorium Freiburg Teil der Musikhochschule der Westschweiz werden. Zusammen mit den Konservatorien Genf, Lausanne, Neuenburg und Sitten wird die Musikhochschule dereinst 1 200 Studierende zählen und somit grösste Musikschule der Schweiz sein.

Autor des 70-seitigen Bandes «Konservatorium Freiburg» ist der Historiker Jean-Blaise Monney; Deutsche Übersetzung Hubertus von Gemmingen. Das Buch kann zu einem Preis von 20 Franken beim Konservatorium Freiburg bezogen werden.
Marksteine

l 1910 verlieh das Konservatorium die ersten zwei Diplome an Marie-Agnès Gaiger und Antoinette Gougain.
l 1914 In den ersten 50 Jahren war das Klavier und die Geige das begehrteste Instrument: Zwischen 1914 und 1950 besuchten jedes Jahr mehr als die Hälfte der Studierenden die Klavierstunden.
l 1938 erhielt Marie-Yolande Barone das erste Virtuositätsdiplom für Klavier.
l 1943 hat der Konservatoriumsdirektor Joseph Gogniat (1881-1954) eine Schule für Sakralmusik eröffnet, die Schola Cantorum Friburgensis. Zum einen sollte damit den Priestern die Möglichkeit gegeben werden den Liturgiegesang zu erlernen, zum andern war die Schola für Organisten, Chorleiter und Komponisten gedacht.
l 1982 reichte Grossrat Germain Kolly eine Motion ein mit dem Ziel finanziell besser gestellte Studierende zur Kasse zu beten. Die Gebühren sollten voll zu ihren Lasten gehen. Die Intervention führte zu heftigen Reaktionen – vorab im Grossen Rat.Das Prinzip «Uneingeschränkter Zugang zur Musik» wurde in Frage gestellt. Angesichts des Protests wurde der Antrag mit grossem Stimmenmehr abgelehnt. il

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