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Kulturelles Erbe unter den Füssen

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Kulturelles Erbe unter den Füssen

Seit einem Jahr läuft in Freiburg ein Forschungsprojekt zum Thema Pflastersteine

Wer über Pflastersteine geht, bewegt sich auf kulturellem Erbgut. In der Stadt Freiburg ist man sich dessen bewusst und hat ein Forschungsprojekt lanciert, das sich mit der angemessenen Sanierung von Strassen- und Platzpflaster befasst. Nach einjähriger Laufzeit liegen jetzt erste Resultate vor.

Von CAROLE SCHNEUWLY

Architekten, Historiker, Geowissenschaftler, Pflästerer, Bauingenieure, ja sogar Botaniker: Sie alle haben ein fachliches Interesse an Strassen- und Platzpflästerungen. All diese Perspektiven zusammenzuführen ist eines der Hauptanliegen des Projekts «Restauration – Rekonstruktion – Innovation», das vor einem Jahr in der Stadt Freiburg lanciert wurde. «Viele Zusammenhänge werden klar, wenn man die verschiedenen Ansätze zusammenbringt», sagt Projektleiter Michael Fritz, Dozent für Architekturgeschichte an der Hochschule für Technik und Architektur (HTA) Freiburg.

Angefangen hatte die Debatte in der Stadt Freiburg Ende 2002, als es um die Auswahl der Pflastersteine für die Sanierung des Nova-Friburgo-Platzes und der Alten Brunnengasse
(Grand-Fontaine) ging. Die zuständigen Kantons- und Gemeindebehörden beschlossen damals, die «Psetzi-Frage» von Grund auf anzugehen, um nicht die Fehler zu wiederholen, die man auf dem Rathausplatz mit der Verwendung billiger Steine aus Portugal gemacht hatte.

Freiburg als Beispiel für andere Städte

Die fachübergreifende Studie, die daraufhin gestartet wurde, ist bis jetzt in der Schweiz einzigartig. Ihre Ergebnisse sollen nicht nur für die Stadt Freiburg gültig sein. Ziel ist vielmehr, allgemeine Richtlinien für die «Sanierung von Strassen- und Platzpflästerungen in mittelalterlichen Kernzonen Schweizer Städte» zu formulieren, wie es im Untertitel der Studie heisst.

Bisher wurde der Ist-Zustand auf Freiburgs Strassen und Plätzen analysiert und in einer detaillierten Datenbank zusammengestellt. Diese Datenbank umfasst mineralogische und petrografische Informationen über die Steine, Angaben über das Verkehrsaufkommen und die ausgeführten Unterhalts- und Kanalisationsarbeiten an den einzelnen Standorten, Hinweise auf die Geschichte der Pflästerungen sowie aktuelles und historisches Bildmaterial. In der zweiten Hälfte des auf zwei Jahre angelegten Projekts wird es hauptsächlich darum gehen, einen Leitfaden zu formulieren, der für alle interessierten Städte von Nutzen ist.

«Keine Entschuldigungen mehr»

Ziel der Wegleitung sei nicht, pfannenfertige Lösungen anzubieten, betonen die beiden Architekten Mélanie Baschung und Grégory Jaquerod, wissenschaftliche Mitarbeiter der Projektleitung an der HTA. Man wolle Richtlinien aufstellen, nach denen man vorgehen könne, wenn bei Pflästerungen in mittelalterlichen Städten Sanierungsarbeiten anstünden.

Werden sich die Freiburger Behörden nach dem bisherigen Hin und Her an diese Richtlinien halten? Mélanie Baschung: «Wir können es nur hoffen. Die Verantwortlichen merken allmählich, dass die Leute anfangen zu reagieren. Mit unserem Leitfaden gibt es zumindest keine Entschuldigungen mehr.»

In Freiburg gibt es heute noch etwa 51 000 Quadratmeter Pflastersteine. Ihre Beschaffenheit und ihre Herkunft haben Marino Maggetti und Jessica Chiaverini vom Institut für Petrografie und Mineralogie der Universität Freiburg untersucht. Ein grosser Teil des Freiburger Pflasters ist Sandstein der subalpinen Molasse und des Flysches. Flysch-Sandstein wird heute noch in Tatüren im Plasselbschlund abgebaut.

Eine andere Gesteinsart haben die Mineralogen in der Altstadt gefunden. An verschiedenen Stellen wurden dort Pflastersteine aus einem Moräne-Fluss-Mix verwendet. Diese Steine stammen aus der Saane und dürften in identischer Weise nicht mehr ersetzt werden können, weil der finanzielle Aufwand hierfür zu gross wäre.

Für den Motorverkehr geeignet

Das Alter der Freiburger Pflastersteine ist unterschiedlich, weil sie im Laufe der Zeit nach und nach ersetzt wurden. Grundsätzlich lasse sich aber sagen, so Mélanie Baschung, dass in Freiburg wegen der Hanglage vergleichsweise früh gepflastert worden sei. Sehr ursprüngliche Pflästerungen habe man etwa auf der Bernstrasse und dem Abteiweg (Chemin de l’Abbaye) beim Kloster Magerau gefunden. Erwähnenswert sei auch das Pflaster der Spitalgasse, das trotz hohen Verkehrsaufkommens seit 1936 halte. «Das beweist, dass es falsch ist, zu behaupten, Pflaster sei für den motorisierten Verkehr nicht geeignet.» Hingegen hätten Pflastersteine gegenüber einem Asphaltbelag den Vorteil, dass sie Wasser absorbieren könnten. Das könne im Falle einer Überschwemmung von grossem Nutzen sein.

Interessante Ergebnisse soll auch die Zusammenarbeit mit dem botanischen Garten Freiburg bringen. So hat Gregor Kozlowski, wissenschaftlicher Berater beim botanischen Garten und Co-Autor des 2003 veröffentlichten Buches «Flore de la ville de Fribourg», herausgefunden, dass zwischen den Freiburger Pflaster-steinen zum Beispiel Pflanzen aus dem Mittelmeerraum wachsen. «Auch das ist Teil des kulturellen Erbes und muss bei unserer Arbeit berücksichtigt werden», sagt Mélanie Baschung.

Die Finanzierung

Das Gesamtbudget des Forschungsprojektes beläuft sich auf 890 000 Franken. Fast die Hälfte davon übernimmt der Bund, via Bundesamt für Berufsbildung und Technologie sowie Bundesamt für Kultur. Kanton und Stadt Freiburg tragen je 100 000 Franken bei
und offerieren dazu verschiedene Dienstleistungen. An der Finanzierung beteiligt sind zudem die Universität Freiburg und die Bauunternehmung Bâtigroup AG, die bis zu einem gewissen Betrag Fachpersonal zur Verfügung stellt. cs

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