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Landwirtschaft im Visier

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Landwirtschaft im Visier

Der volkswirtschaftliche Kontext – Ein Diskussionsbeitrag

In letzter Zeit kommt es immer wieder vor, dass Leute von ausserhalb der Landwirtschaft diese in verschiedener Hinsicht kritisieren und in Frage stellen. So wird denn nachstehend auf deren Äusserungen eingegangen. Gleichzeitig wird die Gelegenheit genutzt, auf die Bedeutung der Landwirtschaft im volkswirtschaftlichen Kontext und auf jene Probleme, Fragen und Bereiche hinzuweisen, die ihr heute besonders Schwierigkeiten bereiten.

Von HANS E. BRÜLHART

Nach dem einen Finanzwissenschafter sollen die Bauern in Zukunft Direktzahlungen (DZ), welche heute an die Stelle von Produktions- und Preisstützungen entrichtet werden, nur noch als Abgeltung für gemeinwirtschaftliche ökologische Leistungen erhalten. Sie waren aber auch gedacht als angemessene Kompensation für im Verhält-
nis zum Ausland ungleiche Produktionsverhältnisse, bedingt durch in der Schweiz übertriebene Auflagen, Vorschriften und Kontrollen betr. Um-welt-, Natur-, Pflanzen- und Tierschutz sowie Produktequalität: Bauten und Besiedlung; Bodenbearbeitung, Fruchtfolge, Pestizide, Gen-Technologie, Düngung; Tierhaltung und Fütterung usw. Beim Bund und im Parlament wird gegenwärtig über eine Beschränkung des Zugangs zu Direktzahlungen nach unten für Betriebe im Talbereich nachgedacht. Die Landwirtschaftskreise sind gut beraten, im Interesse einer zweckentsprechenden Verteilung der DZ, aus eigener Initiative an einem System von Umlagerung der DZ je nach Produktionsgruppen, -methoden und -betriebsarten zu arbeiten, da die gegenwär-
tig einseitig flächenbezogene Verteilung der DZ offenbar nicht allseits befriedigt.

Nicht mehr konkurrenzfähig

Gemäss WTO sollen nun Produktions- und Preisstützungen sowie Schutzzölle abgeschafft werden. Bei vollständiger Öffnung des Marktes wären landwirtschaftliche Produkte aufgrund der heute gegebenen Bedingungen in Zukunft weder als Exportgut noch im Inland neben eingeführten Produkten konkurrenzfähig. Je nach Betriebsgrösse und -struktur könnte der Landwirt mit dem noch möglichen Erlös weder seine Familie erhalten und anfallende Löhne für Hilfskräfte bezahlen noch die Zinsen und Abschreibungen für Investitionen und Hypotheken abgelten. Die Einhaltung neuer WTO-Beschlüsse würde der schweiz. Landwirtschaft ab 2007 innerhalb von vier Jahren einen Verlust von 2 Mrd Franken einfahren. Dazu kämen noch über 300 Mio. Kürzungen der Direktzahlungen durch den Bund. Als Gegenmassnahmen werden weitere Nutzung des Kostenersparnis-Potentials durch mehr überbetriebliche Zusammenarbeit, gegenseitige Ergänzung und gemeinsame Investitionen empfohlen. Gefordert wird auch die Verringerung der Anzahl bestehender Klein- und Mittelbetriebe, Freisetzung von Pachtland zur Vergrösserung der restlichen Bauernhöfe. Verbleibende Betriebe mittlerer und kleiner Struktur sollten sich zu ihrem Erhalt auf Spezialisierung mit mehreren Standbeinen (z.B. Milch/
Fleisch und Ackerbau, Poulet- und Schweinemast usw.) und/oder auf Nischenprodukte verlegen (z. B. Saatgut, Kräuter, Beeren, Blumen, Früchte usw.). Ihnen komme ja nach wie vor eine wesentliche gesellschaftliche Bedeutung zu, so der Bundesrat. Warum denn will er ausgerechnet ihnen die DZ kürzen oder absprechen?
Ein global liberalisierter Markt wäre – ohne ihn einschränkende Rahmenbedingungen – nur dann sinnvoll und denkbar, wenn weltweit annähernd gleichwertige Boden-, Klima- und Umweltqualität, Produktionsmethoden, Rohstoff- und Lohnkosten sowie vergleichbare demokratische Verhältnisse gegeben wären. Dass dem nicht so ist, sei an einigen Beispielen dargelegt: z. B. die Subventionierung der grossflächigen Herstellung und des Exports des amerikanischen, durch Gen-Mais kontaminiertem Beefs, mit durch den Transport nach Europa verursachtem hohem Energieverbrauch und damit grosser Umweltbelastung; z. B. die in den USA gegebenen unhaltbaren Bedingungen zur Einbringung der Südfrüchte-Ernte durch mexikanische, unterbezahlte und unmenschlich untergebrachte Saisonarbeiter.
Was wird für unsere Gesellschaft die volle Auslieferung der Landwirtschaft an den Markt zur Folge haben? Wenn aus rein betriebswirtschaftlichen Rendite-Gründen die Zusammenlegung von Kleinst- und Kleinbetrieben zu Grosseinheiten das Verschwinden eines weiteren Drittels der heute noch bestehenden 65 866 Landwirtschaftsbetriebe erzwungen wird; wenn dabei Orts-, Regional- und Landschaftsstrukturen nachteilig verändert, Tradition und gesellschaftliches Umfeld zerstört werden? Sollten wir Schweizer auf die Dauer für unsere Verpflegung ausschliesslich auf den Import von Nahrungsmitteln von irgendwoher angewiesen sein, würde uns dadurch, insbesondere auch in wirtschaftlichen oder politischen Krisensituationen noch der letzte Rest an Unabhängigkeit verloren gehen.

«Kostgänger des Bundes»?

Ein Wirtschaftswissenschafter kritisiert die Landwirtschaft als «Kostgänger des Bundes, mit ihrem mit elf Prozent (CH-Mittel 6,5 %) immer noch zu hohen Anteil an Vollbeschäftigten; ein wirtschaftlich wertschöpfungsschwaches und politisches, vom Wettbewerb geschütztes und vom Staat unterstütztes im übervertretenen Nahrungsmittelbereich».

Zum einen kann Wertschöpfung nur produktionsbezogen real in Franken ausgedrückt werden. Zugegeben, die Landwirtschaft zählt nominal nicht mehr, wie ursprünglich, zu den bedeutendsten Zweigen unserer Volkswirtschaft. Dennoch beläuft sich z. B. die, im Agrarsektor noch stark vertretenen Kanton Freiburg durch Landwirtschaft generierte Wertschöpfung, inklusive die über nachgelagerte Betriebe erzeugte, auf 19 %. Sie erzeugt vor Ort und in der Region im Auftrag der Gesellschaft qualitativ hochstehende Rohstoffe für die einheimische Nahrungsmittelindustrie und erbringt ökologische Leistungen, u. a. durch flächendeckende Bewirtschaftung, Schaffung eines gepflegten Landschafts- und Erholungsraumes im Sinne von zeitgemässem Umwelt-, Natur- und Heimatschutz (Bauten, Hecken, Grünflächen, Strassenränder usw.). Sie bremst eine ungeordnete Zersiedlung und trägt zum Strukturerhalt im Berggebiet bei. Sie muss eine tragende Kraft der volkswirtschaftlichen und touristischen Entwicklung bleiben, mit wesentlicher Wertschöpfung, welche als Ganzes besser zum Ausdruck kommen sollte.
Die meisten von der Landwirtschaft erzeugten Güter und Dienstleistungen werden von nachgelagerten Unternehmen als Vorleistungen bezogen. Der mit rund 57 % wertmässig grösste Teil davon geht in die Nahrungsmittelindustrie, wo er weitere Wertschöpfung erzeugt. In den wesentlichen Verarbeitungs- und Wertschöpfungsketten sind nebst kleinen, nur wenige grosse, den Markt aber beherrschende Akteure tätig (Migros, Coop usw.). Dies beschränkt weitgehend den Verhandlungsspielraum der Produzenten. Von den Ausgaben der Konsumenten für Lebensmittel gelangen ohnehin nur 20 % zu den Bauern. Für Verarbeitung, Konfektionierung, Handel, Innovation, Transport, PR und Marketing beanspruchen die Grossverteiler 80 %. Beispiele: so kommt es, dass ein Landwirt für 1 kg Äpfel nur 80 Rappen erhält, welches dann zu Fr. 4.40 verkauft wird; Kartoffeln 45 Rappen zu Fr. 1.83, Gemüse 10-15 % zu 85-90 %. Erwähnt sei auch Unbefriedigendes im Fleischbereich und beim Brotgetreide. Die Grossverteiler beanspruchen hohe Margen, um ihre stets nun auch im Ausland in Ausbau befindlichen Überkapazitäten an Verkaufsflächen finanzieren zu können (Kosten von ca. 6000 Franken pro m2/Jahr). Jene der Migros betragen heute 220 ha, die der Coop 146 ha; sie sollen pro Jahr um 10 Prozent erweitert und in zehn Jahren abgeschrieben werden; dies obwohl das Kundenwac

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