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Leben in zwei Extremen

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«Etwa in der zweiten Klasse fing es an, dieses Gefühl, einfach nicht in meine Familie zu gehören. Anders zu sein.» Frau S., eine 32-jährige Frau aus dem Sensebezirk, erzählt, wie sich bei ihr die bipolare Störung, eine psychische Krankheit, erstmals bemerkbar machte. Sie habe dann angefangen, sich selber schlechtzumachen. «Ich war hart zu mir, das hält bis heute an.» Mit Anfang 20 seien die Depressionen gekommen. «Meine Ängste wurden stärker, meine Gefühle waren betäubt, und die Traurigkeit ging ins Unermessliche.»

Unterschiedlicher Verlauf

Frau S. beschreibt, wie es sich anfühlt, wenn ein von einer bipolaren Störung Betroffener sich in einem der beiden Extreme befindet. Denn wie der Name schon sagt, gibt es bei dieser Krankheit zwei Pole: Der eine zeigt nach oben, die Manie, der andere nach unten, die Depression.

«Es gibt unterschiedliche Ausprägungen dieser Krankheit», sagt Maxime Gilliéron, Sozialarbeiter bei der Afaap, der freiburgischen Interessengemeinschaft für Sozialpsychiatrie. Diese Vereinigung ist Mitorganisatorin des Trialogs vom kommenden Montag. Dies ist eine Austauschplattform, die Betroffene, Angehörige und Fachleute zusammenbringt (siehe Kasten).

Extreme Schwankungen

Bei einigen Erkrankten wechseln sich Manie und Depression sehr abrupt ab, bei anderen gibt es wöchentlich, monatlich oder gar nur einmal im Jahr einen Wechsel vom einen ins andere Extrem. Auch die Dauer einer solchen Phase kann sehr unterschiedlich sein. Wieder andere erleben zwischen Manie und Depression stabile Phasen. «Jeder Mensch erlebt bessere und schlechtere Momente. Bei Menschen mit bipolarer Störung sind diese Schwankungen ausgeprägter», sagt Maxime Gilliéron. Die Wechsel seien unkon­trollierbar und könnten den Alltag beträchtlich beeinflussen. Je nach Fall können Betroffene ihre Arbeit nicht mehr ausüben und verlieren die Stelle. Sie haben Schwierigkeiten in Beziehungen und können in finanzielle Schwierigkeiten kommen, weil sie bei einem Hoch beispielsweise in einen Kaufrausch geraten. Davon erzählt auch Frau S.: «Ich habe dann extrem viel Energie und könnte den ganzen Tag unterwegs sein. Mir kommen alle die Dinge in den Sinn, die ich in der Depression gerne machen würde, aber nicht schaffe. Ich bin energiegeladen und kaufe Sachen, die ich nicht brauche.» Zeitweise sei sie ruhelos und nervös, aber auch sehr gesprächig.

Mehrere Faktoren

Die Ursachen einer bipolaren Störung seien bis heute nicht bis ins letzte Detail bekannt, sagt Maxime Gilliéron. Wie bei allen psychischen Krankheiten komme eine Vielzahl von Faktoren zusammen: biologische, psychische wie ein tiefes Selbstwertgefühl sowie soziale Faktoren: schwierige familiäre Beziehungen, ein Todesfall in der Familie, der Verlust der Arbeitsstelle oder andere negative Erlebnisse. Mit Medikamenten erreicht der Betroffene, dass die Extreme weniger ausgeprägt ausfallen. Sie einzustellen, ist nicht einfach, sagt Maxime Gilliéron, da jeder Fall anders sei. Auf der anderen Seite arbeiten Therapeuten mit den Betroffenen an ihrer psychischen Gesundheit. «Wenn sie zum Beispiel wissen, mit welchen Vorzeichen sich eine Phase ankündigt, können sie sich besser darauf einstellen und vielleicht sogar versuchen, sie zu vermeiden oder abzuschwächen.»

«Ich bin energiegeladen und kaufe Sachen, die ich nicht brauche.»

Frau S.

leidet an bipolarer Störung

Trialog

400 000 Betroffene in der Schweiz

Am kommenden Montag, 27. Mai, findet in Kerzers der zwölfte Trialog statt. Das ist ein Anlass, an dem Betroffene, Angehörige und Fachpersonen sich zum Austausch treffen. Den Teilnehmern wird so ermöglicht, von den Erfahrungen der anderen zu profitieren und auf ein gemeinsames Verständnis hinzuarbeiten. Die Freiburgische Interessengemeinschaft für Sozialpsy­chiatrie (Afaap) koordiniert den Trialog in Zusammenarbeit mit dem Freiburger Netzwerk für psychische Gesundheit, der Stiftung Applico und dem Staat Freiburg.

Weltweit leiden rund ein bis zwei Prozent der Bevölkerung an einer bipolaren Störung. In der Schweiz sind das gemäss Angaben von Pro Mente Sana mehr als 400 000 Menschen. «Manchmal wird die Krankheit nicht gleich erkannt oder falsch diagnostiziert», sagt Sozialarbeiter Maxime Gilliéron. Oft werde nur ein Pol, etwa die Depression, erkannt und behandelt. Bei 40 bis 60 Prozent der Betroffenen tritt die Krankheit vor Erreichen des 20. Lebensjahrs auf. Im Durchschnitt zeigen sich die ersten Symptome mit 15 Jahren.

im

Orientierungsschule, Kerzers. Mo., 27. Mai, 19.30 bis 21.30 Uhr. Aus organi- satorischen Gründen ist eine Anmeldung erwünscht: Mail an m.gillieron@afaap.ch oder Tel. 026 424 15 14.

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